Kritik an Beamten-Frühpension in Wien

17. Juli 2012, 13:01
157 Postings

ÖVP prognostiziert neuen Rekordwert - Stadt verweist laut Medienberichten auf Rückgänge in vergangenen Jahren

Wien - Beamte in Wien gehen unter dem Strich deutlich früher in Pension als ihre Kollegen in anderen Bundesländern bzw. im Bund. Dieser Trend hält nach wie vor an, wie aktuelle Zahlen verdeutlichen. Allein in diesem Jahr - bis einschließlich Juli - traten laut Medienberichten 363 Gemeindebeamte vorzeitig in den Ruhestand. Ihr Durchschnittsalter: 53,3 Jahre. Angesichts dessen warnt die ÖVP vor einem neuen Rekordwert für das Gesamtjahr. Im Rathaus will man sich auf derlei Hochrechnungen nicht einlassen, betont aber gleichzeitig, dass man weiter an der Wiener Sonderregelung festhalten werde.

Zahlen laut Rathaus rückläufig

Aus dem Büro der zuständigen Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) hieß es gegenüber der Tageszeitung "Die Presse" (Dienstagsausgabe), dass es sich bei den betroffenen Beamten tatsächlich um kranke Menschen handle. Der aktuelle Halbjahreswert müsse aber für das Gesamtjahr 2012 keinesfalls ein Allzeithoch bedeuten. Denn die Frühpensionierungen seien zuletzt rückläufig gewesen - von 612 im Jahr 2009 auf 589 im Jahr 2010 und schließlich auf 510 im Vorjahr. Man werde noch stärker auf Prävention setzen.

Die Debatte über die Pensionsregelungen in Wien schwelt seit längerem. Der Rechnungshof hatte wiederholt bemängelt, dass die Übergangsfristen deutlich länger sind als jene auf Bundesebene und dies für die Bundeshauptstadt enorme Kosten verursache. Seitens der Stadt denkt man aber weiterhin an keine Änderungen. Man werde nicht die schwarz-blaue Pensionsreform übernehmen, lautet die Argumentationslinie. Zudem sei Wien nicht nur Bundesland, sondern auch Gemeinde, weshalb Bedienstete - im Gegensatz zum Bund und zu anderen Ländern - schwere körperliche Arbeit verrichteten, wird stets auf Kanalräumer oder Mitarbeiter der Müllabfuhr verwiesen.

Dennoch hatte Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) im Februar angekündigt, das Pensionsalter der Wiener Beamtenschaft schrittweise auf durchschnittlich 60 Jahre anheben zu wollen. Hier gibt es noch einiges zu tun. Denn laut Statistik gingen die Rathaus-Beamten 2011 mit 57,1 Jahren in den Ruhestand. Zum Vergleich: Im Bund lag der Durchschnitt bei 60,6 Jahren, wobei dieser Wert aus dem Jahr 2010 stammt. Für das Vorjahr liegen noch keine Zahlen vor. (APA, 17.7.2012)

Share if you care.