Streit über Krebstoten-Prognose zu Fukushima

17. Juli 2012, 13:00
  • Die durch Fukushima zu erwartenden 
Krebstoten und Erkrankungsraten sollen um eine Größenordnung geringer sein als diejenigen nach dem Atomunfall von Tschernobyl.
    foto: ap/koji sasahara

    Die durch Fukushima zu erwartenden Krebstoten und Erkrankungsraten sollen um eine Größenordnung geringer sein als diejenigen nach dem Atomunfall von Tschernobyl.

Erstmalige Studie spricht von bis zu 1.300 Todesfällen weltweit - Global 2000: Verharmlosung mit unzureichendem Datenmaterial

Durch den Reaktorunfall von Fukushima könnten im Extremfall weltweit bis zu 1.300 Menschen mehr an Krebs sterben. Bis zu 2.500 weitere könnten neu an Krebs erkranken - die meisten von ihnen in Japan. Dies haben US-amerikanische Forscher mit einem Computermodell errechnet. Die Zahlen liefern erstmals eine Einschätzung dazu, welche globalen gesundheitlichen Folgen der nukleare Unfall vom 11. März 2011 nach sich ziehen wird.

Die nun errechneten Werte hätten zwar enorme Spannbreiten, sie stünden aber in klarem Widerspruch zu Aussagen beispielsweise des UN Science Committee on the Effects of Atomic Radiation (UNSCEAR), berichteten die Forscher im Fachmagazin "Energy and Environmental Science". "Es gibt einige Gruppen, die gesagt haben, es würde keine globalen Effekte geben", erklärt Studienleiter Mark Jacobson von der kalifornischen Stanford University. Auch das UN-Komitee habe vorausgesagt, es werde keine ernsthaften Gesundheitsfolgen durch die freigesetzte Strahlung geben. Die jetzt ermittelte Rate von zukünftigen Toten und Krebskranken sei zwar außerhalb Japans tatsächlich sehr niedrig, aber nicht null.

Die Forscher kamen auf rund zusätzliche 130 Krebstote weltweit. Die Spanne reicht dabei von 15 bis 1.300 Todesfällen, wie die Wissenschafter berichten. Diese kämen noch zu den rund 600 Menschen dazu, die bereits im Rahmen der Evakuierung und der Notfallmaßnahmen im Atomkraftwerk gestorben seien.

Mittelwert bei 180 Fällen

Bei den zu erwartenden Krebserkrankungen liege der Mittelwert bei 180 Fällen, mit einer Spannbreite von 24 bis 2.500 Fällen. Wie die Forscher berichten, liegen die durch Fukushima zu erwartenden Krebstoten und Erkrankungsraten damit um eine Größenordnung niedriger als nach dem Atomunfall von Tschernobyl.

Die mit Abstand meisten Betroffenen gebe es unter den Bewohnern Japans, sagen die Forscher. Auf dem asiatischen Festland und in Nordamerika seien die gesundheitlichen Folgen dagegen sehr gering. So prognostizieren die Wissenschafter für die USA nur 0,2 bis 6,3 zusätzliche Todesfälle und zwischen 0,3 und 15 Krebserkrankungen.

Für Europa liegen die Werte noch niedriger. Hier ergab die Simulation 0,17 bis 4,8 zusätzliche Krebstote und 0,3 bis elf Krankheitsfälle. "Das trägt sicher dazu bei, die Befürchtungen zu zerstreuen, dass die Fukushima-Katastrophe gravierende weltweite Auswirkungen haben könnte", betont Erstautor John Ten Hoeve von der Stanford University.

Cäsium-137, Jod-131 und Cäsium-134

Den Hauptgrund für die vergleichsweise geringen globalen Folgen sehen die Forscher darin, dass der größte Anteil des radioaktiven Materials ins Meer gespült wurde. Nur 19 Prozent der freigesetzten radioaktiven Elemente seien über dem Land niedergegangen, berichteten sie. In Japan habe auch die schnelle Evakuierung und das Anbauverbot für Getreide, Obst und Gemüse in belasteten Gebieten dazu beigetragen, dass nicht noch mehr Menschen radioaktiv kontaminiert wurden.

Für ihre Studie hatten die Forscher ein 3D-Atmosphärenmodell genutzt, um die Ausbreitung von radioaktivem Cäsium-137, Jod-131 und Cäsium-134 von Fukushima aus zu simulieren. Die damit ermittelten Belastungswerte speisten sie in ein medizinisches Modell ein, über das sie die Krebs auslösende Wirkung der jeweiligen Kontaminierung abschätzten. Da die Belastung durch verseuchte Nahrung und Wasser nur näherungsweise bestimmt werden konnte, erhielten die Wissenschafter für ihre Ergebnisse relativ hohe Spannbreiten. 

Kritik von Global 2000-Experten

Nach der Veröffentlichung der Untersuchung über den Zusammenhang zwischen der Fukushima-Katastrophe und Krebserkrankungen hagelt es vonseiten der Umweltorganisation Global 2000 Kritik. "Aus unserer Sicht ist das eine grob verharmlosende Einschätzung auf Basis von unzureichendem Datenmaterial", so die Organisation. Atom-Experte Reinhard Uhrig schätzt, dass der Atomunfall in Japan sogar Hunderttausende zusätzliche Krebsfälle zu verantworten habe.

Die Zahlen von Global 2000 sprechen eine ganz andere Sprache: In der Präfektur Fukushima werden gerade 360.000 Kinder auf Schilddrüsenkrebs untersucht, der bei den Kleinen normalerweise sehr selten vorkommt, berichtete die Organisation. Von 38.114 untersuchten Kindern und Jugendlichen hatten allerdings bereits 13.384 oder umgerechnet 35 Prozent Knoten in der Schilddrüse, davon 970 mit einem Durchmesser von über fünf Millimeter, berichtete Global 2000. "Sehr wahrscheinlich werden 120.000 Kinder aufgrund der Fukushima-Katastrophen Schilddrüsenknoten bekommen und mit einem hohen Krebsrisiko leben müssen", meinte Uhrig.

Die IAEA hätte bereits 2006 ähnlich verharmlosende Zahlen zur Tschernobyl-Katastrophe veröffentlicht: Man habe damals von 52 unmittelbar nach der Katastrophe getöteten Menschen und von nur 5.000 bis 6.000 weiteren Krebstoten gesprochen. Aus ukrainischen Aufzeichnungen gehe allerdings hervor, dass von den 600.000 Liquitadoren, die in Tschernobyl das schmutzige Aufräumgeschäft erledigen mussten, bereits 100.000 gestorben sind. (APA/red, derStandard.at, 17.7.2012)

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Beschönigungen

Darin sind alle gleich - immer alles schön reden - Zahlen frisieren - die Bevölkerung "beruhigen" - "ist ja alles eh nicht so arg". Wie "arg" es wirklich ist, wird sich erst nach Jahren herausstellen. Es gibt immer mehr Krebskranke - ja es werden täglich mehr.... Auslöser dafür sind sicher unterschiedlich - Tschernobyl, Fukushima - wieviel genau wegen dem oder jenem...... Fakt ist, dass es nie dazu hätte kommen dürfen.

Ich stimme zu. Es hätte nie dazu kommen dürfen.
Die Leute sollten alle einfach mit 50 einfach so sterben, dann gebe es weniger Krebstote.

Die Beschönigungen scheinen die Realität deutlich besser abzubilden als die Horrorszenarien.

Ist das der Experte fuer eh alles

ist der nicht Germanist oder sowas?
Hmm, ich frag mich da schon ob der zu dem Thema ueberhaupt Experte sein kann.

Der Artikel ist ewas irrefuerhrend und wenn man genau liest zu keinem Wiederspruch der genannten Daten weiter unten.

Der Bericht sagt das mit bis zu 1300 Toten zu rechnen ist und nicht mehr. Weiter unten wird dann gesagt das das zu wenig ist weil man ~13000 Kinder mit Knoten in der Schilddruse gefunden hat.
Schilddruesen Krebs ist gut heilbar daher ist die obige Aussage nicht falsch.

Ich finde es ja immer lustig wie die Umweltorganisationen immer sagen 100t tote ohne das nachzurechnen einfach mal so sagen.

Aber Hauptsache Stimmung machen. Polarisieren und nicht rechnen das ist das Ziel.

Mit welchen Daten arbeiten die Amerikaner da?
Mit denen der ersten Tage im März 2011? Gehen sie also davon aus, dass die 4 Reaktoren mit den -x- tausenden abgebrannten Brennstäben in wackeligen Spent Fuel Pools und den geschmolzenen Reaktorkernen im Keller (oder tiefer, wo, weiss man nicht so genau) keine radioaktiven Isotope mehr an die Umwelt abgeben? Schon mal was von Kumulation gehört?
Wie gibt es das, dass die hunderttausend Japaner, die letztens gegen OOi protestierten, in der Washington Post zu "Tausend" reduziert worden ist?
Die Konsequenzen der Atomkraft sind untragbar, da es sich um Zeiträume handelt, die Menschen nicht absehen können. Hinter uns die Sintflut...aber diesmal richtig.

abgesehen von dieser studie finde ich es nicht lustig in einem kernreaktorübersäten europa zu leben, in dem es in den nächsten jahren zu 100% einen reaktorunfall (welcher größenordnung auch immer) geben wird.
und wenn mir vielleicht dann noch einer vorrechnet, dass eh alles nicht so wild ist und es nur ein paar tote mehr geben wird könnte ich schon jetzt "a bissl" aggressiv werden.

Sie habne ja absolut recht

Daher sollte man neue moderne KKW bauen und nicht die alten Kisten weiterlaufen lassen.

Aber danke Greenpeace, etc... ist das nicht moeglich. Daher lass ma halt die alten Kisten laufen bis sie auseinander fallen.

Gehe mit gutem Beispiel voran & spare Strom. Z.B. nicht mehr Posten

ach ja... 100.000 faelle mehr.

bittschoen: ein bisserl mehr realismus! echt!

100.000e

Hunderttausende.

Hunderttausend wäre Fukushima-Verharmlosung.
;-)

das argument von Global 2000: "das datenmaterial ist unzureichend fuer die schaetzungen"

.... "aber die schaetzungen sind viel zu gering" und "unsere simulationen hingegen sind aber so super, dass wir genau wissen wieviele tote es gibt"

na was jetzt?

und natuerlich gibt global 2000 statt dem erwartungswert auch gleich den absolut maximalen wert an den sie irgendwie aus den simulationen rausquetschen koennen.

also bitte leutln, wie kann man euch bei solchen aussagen ernst nehmen, echt wahr?

Ich wuerde ja gerne manchmal mit Global 2000 u.dgl. sympathisieren, aber dann kommt immer wieder so eine rein ideologische aussage die schon beim ersten kleinen fact-check durchfaellt. Wer ernst genommen werden will muss auch gewissenhaft arbeiten und nicht so diletantisch.

Sie wirken aber auf mich auch nicht gerade so, als haetten sie die beiden Studien einem Fakt-Check unterzogen. Sie halten die Global-2000 Studie fuer unglaubwuerdig, weil sie von Global-2000 kommt, geben sie es zu.

Seit die Kernenergie kommerziell genutzt wird wird versucht, Befuerworter als technisch informiert, Gegner als Laien darzustellen. Man sollte das nicht unueberprueft uebernehmen.

Na weil der Uhrig so ein Experte fuer eh alles ist....

Da gibts Leute die beschaeftigen sich mit dem Thema jeden Tag 5 tage die Woche 20-30 Jahre. Haben viel Arbeit hinneingesteckt und kennen sich dann halbwegs aus.

und dann gibts Luete die lesen ein bisschen was oder auch nicht und sind dann Experte fuer alles was gefaehrlich ist.

Mich würde interessieren, was z.b. Uhrig dazu befähigt, sich als "Experte" zu titulieren. Einen einschlägigen Lebenslauf habe ich nicht gefunden

Sie schliessen vom Lebenslauf des Experten auf die Qualititaet der Arbeit. Das kann natuerlich hilfreich sein, man kann aber auch gaenzlich daneben liegen. Besser, man liest und bewertet gleich den Bericht selbst.

Ich hab uebrigens weder den Bericht gelesen, noch kenn ich den CV von Uhrig. Mich nerven nur die Reflex-Postings Pro-Atomkraft=Fachkenntniss, Kontra=Wappler, meist von Postern, deren Fachwissen auch noch ausbaufaehig waer.

Der ist Germanist.
Der kann vielleicht gut rechtschreiben aber der hat nichts Naturwissenschftliches oder Medizinisches studiert und kann daher relevante Studien nicht beurteilen.

Klar kann man sich wissen ausserhalb seines Fachgebietes aneignen. Hoffentlich tut das auch jeder. Aber das heist noch lange nicht das man auch Experte ist.

Experte ist man dann wenn man sich zu einem Nischenthema sehr sehr gut auskennt.
Einer der Experte fuer eh alles ist kann kein Experte sein weil kein Ehrlicher Wissenschafter kann alle arbeiten beurteilen. Das waehre so als wie wenn ich Elektrotechnik studiere und dann einmal ein Medizinisches Paper beurteile und einmal etwas ueber Chemie weil Ladungen gibts ueberall.

Ich traue mir selbst nur bedingt zu, Studien aus anderen Fachbereichen zu interpretieren. Das überlasse ich lieber jemandem, der in diesem Bereich selbst arbeitet, und das erkenne ich nur anhand seiner bisherigen Publikationen. Aus dem Grund meine Frage nach dem CV.

Ich stört hier, dass bei Atomkraftgegnern automatisch noble intent sowie fachliche Befähigung angenommen wird, während Befürworter entweder als Lobbyisten oder uninformiert dargestellt werden.
Kromp hat zum Thema in den letzten 15 Jahrens nichts Relevantes publiziert, und bei Uhrig konnte ich bisher auch nichts finden.

Greenpeace weiß alles viel besser

Greenpeace kann auf die Kommastelle genau ausrechnen, wieviele Krebstote es wegen Fukushima geben wird. Es gibt ja auch solche genauen Zahlen betreffen Tod durch Feinstaub etc.
Obwohl bis jetzt in Fukushima nur Tote durch den Tsunami betrauert wurden und es noch keinen Todesfall gegeben hat, bei welchem Tod durch Feinstaub als Todesursache angegeben ist.
Im Prinzip sind diese Aussagen nur ideologische Spekulationen um sich selbst wichtig zu machen.
Beweisen kann man weder das Eine noch das Andere. Aber die Grüngläubigen lauschen mit offenem Mund den Horrorgeschichten von Greenpeace und Co.

einen viertel krebstoten?

und die ganz deppadn verharmlosen diesen jahrzentelangen massenmord

obwohl die Diskussion über AKWs durchaus wichtig und angebracht...

...wäre, wenn sie sachlicher und mit besseren Argumenten geführt würde:

Anscheinend scheinen doch viele die Relation vergessen zu haben: Beim Erdbeben und Tsunami selbst kamen mehr als 10 mal so viele Menschen ums Leben wie in der Worst-Case-Prognose hier (die auch zu hinterfragen ist)

(Natürlich ist jeder vermeidbare Tote einer zuviel. Und das Reaktorunglück wäre mit einem vergleichsweise geringen Aufwand - höhere bessere Schutzmauer - vermeidbar gewesen. Aber bei Krebstoten kann man nicht einmal sagen, dass eine konkrete Person wegen dem Unglück gestorben ist, es kommen immer viele Risikofaktoren zusammen.)

Ich frage mich immer, was Atom-Experten zu Experten macht.

Mark Jacobson ist Professor für Ingenieurswissenschaften und bekannt für seine Computersimulationen auch im Bereich der Energiewirtschaft (durchaus mit dem Ziel, die Welt auf "erneuerbare" Beine zu stellen). Siehe hier:
http://www.stanford.edu/group/efm... shima.html

Reinhard Uhrig, auf der anderen Seite, ist Germanist. Was macht ihn zum Experten? Wie kommt er zu seinen Behauptungen? Und was ist konkret an Jacobsons Berechnungen falsch?

Nur zu sagen, das glaube ich nicht, ist wertlos.

Auch für ihn fand Austritt von radioaktien Substanzen nur im Zeitraum vom 11.3.-1.4.2011 statt, was nicht den Tatsachen entspricht.

frag mich ob sich die leute auch von einem germanisten neurochirurgisch behandeln lassen wuerde oder auch nur das knie nach einem sportunfall zusammenflicken lassen wuerde. ....

... aber zu kernphysik u.dgl. soll er jetzt irgendwas stichhaltiges beizutragen haben?

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