Die Parkpickerl-Prüfung

Blog | Eric Frey
17. Juli 2012, 13:20

Rot-Grün muss es schaffen, die Wiener von den Vorteilen der Kurzparkzonen zu überzeugen

Ich wohne in einem Wiener Parkpickerl-Bezirk (Mariahilf), in dem ich ohne Kurzparkzonen wohl kaum Parkplatz finden könnte. Der Preis von derzeit rund 170 Euro im Jahr (oder weniger für zwei Jahre) verblasst im Vergleich zu den übrigen Autokosten.

Ich kann daher überhaupt nicht begreifen, wie irgendein Bewohner eines unter Parkplatzmangel leidenden Bezirks (und das sind heute schon fast alle) gegen die Ausdehnung der Kurzparkzone sein kann – schon allein aus persönlichen Gründen. Benachteiligt werden nur die Autofahrer, die nicht im Bezirk wohnen, und daher auch nicht abstimmen dürfen.

Dazu kommt, dass die hoch gerühmte Lebensqualität von Wien eine Folge des akzeptablen Verkehrs und der guten öffentlichen Verkehrsverbindungen ist. Man muss schon besonders uneinsichtig sein, um die Einschränkung des Pendlerunwesens als Schikane zu sehen.

Kritisch können höchstens die sein, die Kurzparkzonen für ein zu schwaches Mittel halten und mehr – also eine City-Maut oder gar Fahrverbote – fordern.

Dennoch steht die öffentliche Meinung offenbar skeptisch bis ablehnend der Ausdehnung von Kurzparkzonen gegenüber. Das hängt vielleicht mit dem jüngsten Reigen an Gebührenerhöhungen zusammen, ist aber in sich nicht schlüssig.

Das ist für die Wiener Stadtregierung eine große Herausforderung, der sie sich stellen muss. Wenn jedes rationale Argument für Parkpickerl spricht, dann muss es möglich sein, die Wähler davon zu überzeugen.

Deshalb wäre es besser, wenn Bürgermeister Michael Häupl und Grünen-Chefin Maria Vassilakou zuerst die Bürger befragen und erst dann die neuen Kurzpackzonen einführen würden. Die verfassungsrechtlichen Bedenken wären wohl überwindbar. 

Nun geht es darum, die besseren Argumente zu bringen und gegen das Gebrüll von rechtspopulistischen Parteien (zu denen leider auch die Wiener ÖVP zählt), Autofahrerclubs und den Boulevardmedien anzukämpfen. Das muss einer professionellen Stadtregierung eigentlich gelingen. Die kommende Volksbefragung ist daher eine Art von Reifeprüfung für Rot-Grün.

Aber was ist, wenn sie scheitern, wovon viele Kommentatoren ausgehen? Dann wäre das ein Armutszeugnis für diese Stadt und für ganz Österreich. Die Qualität eines Gemeinwesens lässt sich auch daran messen, ob langfristig sinnvolle, aber kurzfristig schmerzhafte Maßnahmen politisch durchsetzbar sind. Dänemarks Energiepolitik gilt hier als Musterbeispiel, wie der US-Politologe Francis Fukuyama und zuletzt der Spiegel dargestellt hat.

Wenn die Bürger von einer weltweiten bewunderten grünen Musterstadt nicht bereit sind, den Trend zu immer mehr Autoverkehr zu stoppen, dann ist etwas faul in dieser Gesellschaft. Dann gehören wir eher ins verlotterte Südeuropa als in vorbildhafte Nordeuropa. Und wenn ein populärer Bürgermeister diese Botschaft nicht rüberbringen kann, dann hat auch er versagt. (Eric Frey, derStandard.at, 17.7.2012)

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Umwelt

Ich kann nicht nachvollziehen warum, immer über kosten bzgl. Parkpickerl diskutiert wird,aber in Wirklichkeit keiner der Umwelt die von der Verkehrplanung errechneten ca. 11 cent pro km der Umwelt zahlen will. Dieser werden eben nicht dem Autofahrer verrechnet...

ich verstehs auch nicht..

ich wohne links der Währingerstrasse im 18. Bez seit jahren betteln wir schon um ein Parkpickerl. Wenn ich nach 18h nach hause komme kann ich mein Auto höchsten hochkant abstellen. Dann gab es diese äußerst obskure Abstimmung. Wo alle im 18. befragt wurden auch die jenseits der Vororteline, ohne Ankündigung und extrem kurzfristig ohne Aufklärung was, wann, wo und jetzt ist es angeblich für immer vom Tisch!!!! Dafür stehen von So. Abend bis Fr. Nachmittag die Pendler mit Kennzeichen von Oberwart bis Bregenz und Lettland bis Luxemburg auf mind. 35% der Stellflächen. Sehr super und die ÖVP haut sich als volksnahe Partei auf die Brust

Parkpickerl JA

ich hab damals im 15. bezirk gewohnt, wo sie das parkpickerl rund um die stadthalle eingeführt haben...
davor hab ich manchmal 1 stunde lang (!) parkplatz gesucht, vor allem in der nacht, keine chance..
danach hab ich halt den kleinen 2-jährlichen betrag gezahlt und hab IMMER einen parkplatz direkt vor der haustür gehabt.
war so viel mehr komfort für wenig preis. vor allem wenn ich bedenke, was mich eine garage mitten in der stadt gekostet haben würde...

Dort wo es Sinn macht, wird eh keiner was sagen.

Aber generell für etwas abcashen ist unrichtig. Es gibt Stadtteile die höchstens zu 60% ausgelastet sind.
Hetzendorf ist so Beispiel.

Liest man die meisten Postings hier, könnte man meinen

es gibt mehr Befürworter für das bloße abcashen der Stadt Wien.
Das ist natürlich nur oberflächlich gesehen so, denn hier geistern viele Grüne herum, die ihrer "Partei>" die Stange halten wollen. Die Mehrheit der ohnehin schon geplagten Autofahrer wird natürlich dagegen sein.
Ich kenne persönlich auch niemanden, der diesem Unsinn zustimmen würde.
Und OHNE Befragung wird es NICHT mehr gehen und das ist gut so! Es reicht nämlich!
Normalerweise, wären es nicht die Grünen und Roten, sondern Blau oder Schwarz.... was gebe es da für einen shitstorm?

Lenkungsmaßnahmen

zur Eindämmung des Autoverkehrs, dazu gehört auch eine Parkplatzbewirtschaftung, wird von den Autofahrern und deren Vertreterclubs reflexartig als Abcashmaßnahme abqualifiziert. Sie fühlen sich ohnehin schon über Gebühr belastet. Aber solange am Wochenende so absurde Fahrzeuge wie Quads, 3-Räder mit Formel1 Hinterrädern und Easyrider-Lenker, oder benzinfressende 59-Chevis, in die Erholungsgebiete ausschwärmen, ist offensichlich die Schmerzschwelle noch lange nicht erreicht. Des sog' I !!

Hirn einschalten...

...ganz Wien Kurzparkzone

Jahrespickerl, mit dem ich überall stehen kann kostet € 50,--
Nichtwiener zahlen € 100,--

Touristen erhalten Tages+Wochentickets

und alle Verwaltungsgebühren rund um alle Pickerln werden abgeschafft...

Eben das geht sich ja nicht mehr aus in der Stadt! Wenn jeder Wiener überall mit dem Auto hinfährt u überall parken kann dann

gibts weder ein Vorwärstkommen noch einen Parkplatz... Wenn jeder überall stehen kann u nicht nur im Wohnbezirk dann wird weiter stundenlang gekreist auf Parkplatzsuche... Wenn jeder Pendler mit dem Auto kommt gibts kein Parken u kein fahren mehr... Das Einzige v ihrem Vorschlag was Sinn macht: Tages oder Wochentickets f Touristen/Verwandte. Wenn zu jedem Wiener Parkpickerl 2x 1 Woche Besuchertickets dazugegeben würden dann könnte sich das mit den Parkplätzen ausgehen, besonders wenn viell Besucher eh in der Urlaubszeit kommen wo einige Wiener-Autos aus der Stadt draussen sind...

Ihr Vorschlag wäre ja wirklich nur eine Geldbeschaffungsmaßnahme ohne Verkehrslenkungseffekt!

In Grossstädten gibt es eine gute Öffi-Struktur -

hier sollten alle Autos (außer Behinderte oder Einwohner) ein Fahrverbot erhalten!

Wir haben längstens dafür bezahlt, also wofür noch eine Gebühr???

Was kommt als nächstes? Gesteigbenutzungsgebühr für Fußgänger?

ich find es gut, dass vorher keine befragung stattfindet. bei dem populistischen geprälle der övp und fpö in verein mit krone-österreich-heute ist keine vernünftiger dialog denkbar.
die stadtregierung soll ihre projekte jetzt mal durchziehen, wie sie es geplant hat.

ohne auf die Bürger zu hören? Sie finden das wirklich so toll dass die Stadtregierung das einfach so durchzieht ohne das Volk zu befragen? Wäre das auch so wenn sie FPÖ (mögen wir verschont bleiben) das machen würde? Demokratie muss für alle gleich sein! Bei einschneidenden Entscheidungen sollte das Volk immer mitentscheiden dürfen!

welchen grund gibt es, zu diesem thema eine volksbefragung auszutragen?
was ist das für eine "einschneidene entscheidung"? das parkpickerl? ;-)
wann hat es jemals in österreich zu parkplatzfragen volksbefragungen gegeben?
verkehrsfragen eigenen sich generell sehr schlecht für direkte demokratie. ja, ich finde die stadtregierng soll das durchziehen, wie sie es geplant hat. das ist immerhin die gewählte regierung. so ist das in einer demokratie!

Demokratisch gewählt und diktatorisch bestimmen dann diese "Demokraten" über uns?

Wie gehts ihnen eigentlich?
Wissen sie eigentlich, das der Herr Bürgermeister ein Problem hat, wo andere Beamte längstens die fristlose bekämen?

was ist daran diktatorisch, wenn eine stadtregierung kurzparkzonen einführt?
wo jemals in der welt wurde eine volksbefragung wegen kurzparkzonen und anrainerparkplätzen durchgeführt. das thema ist völlig ungeeignet für eine volksbefragung und wahrscheinlich noch dazu gegen die stadtverfassung.

politik für sich selber

das problem der rotgrünen stadtregierung ist dass sie politik nur für sich selber machen. innerhalb vom gürtel, wo die meisten der genossen wohnen, wo ohne anstrengung alles zu fuss oder mit rad erreichbar ist, kann man leicht mit parkpickerl um sich werfen. bissl weiter auswärts, wo die nächste ubahn schon ein hatscher weit weg ist oder man stundenlang im bus herumgurken darf, bis man mal wo ist, klingt parkpickerl nach drohung. der regierung täte es gut, mal die perspektive zu wechseln, dann wüsste sie dass vorher attraktive atlernativen geschaffen werden müssen.

Hatscher....

Ja nicht zu viel bewegen - der Fettbauch könnte darunter leiden ...

so weit ich weiß wohnt maria vassilakou irgendwo im gebiet zwischen 16. und 17.

so weit draußen ist das parkpickerl ja gar nicht geplant. und was man nicht vergessen wollte: die ausweitung des parkpickerls und der genaue granzverlauf wurde nicht von der stadtregierung im alleingang beschlossen, sondern jeder betroffene bezirk hat das selbst beschlossen. also das argument mit den innenbezirken geht ins leere.

Nun gibt es anscheinend wirklich Menschen, denen eine neue staatliche Gebühr von € 170,-- zusätzlich für eine Leistung, die man bis jetzt ohne extra Gebühr bekam, wurscht sind. Hätte ich nicht gedacht, aber OK, wenns ideologisch rein passt, lässt man sich anscheinend gerne pflanzen.
Was mich stört ist, wenn jemand so tut, als ob man etwas für das Geld bekommen würde, was man nicht sowieso schon bezahlt hat (Infrastruktur). Die Steuer- und Abgabenlast in Ö ist groß genug, dass sich die Benutzung des öffentlichen Raums, auch in Zukunft für Autofahrer ausgehen sollte.
Wer glaubt, dass es hier nur um Pendler, also um "Andere" geht, irrt. Der Autofahrer selbst, dient den Grünen als Feindbild. Und das kann ich nicht akzeptieren.

du verstehst da offensichtlich etwas nicht: du bekommst jetzt ja keine leistung für die nicht-gebühr. denn parkplatz findet man in den betroffenen gebieten jetzt kaum.
durch die 170 euro wird sich die situation verbessern. d.h. du erhälts als anrainer die möglichkeit, in der kurzparkzone deines bezirks dauerhaft zu parken.
ist das keine leistug für dich?
diese leistung ist sogar sehr billig angeboten, wenn man die kosten des innerstädtischen grund und bodens betrachtet.

alles lug und trug...

... das hanebüchene argument der grünen, dass es ein MEHR an parkplatz gibt, ist erstunken und erlogen. siehe 2. bezirk. hier findest du ab 18 uhr alles - nur keinen parkplatz. mag sein, dass das kurzfristig so sein wird, wenn dann aber ALLE ihr parkpickerl haben, oder - auch das wird ja so gern übersehen - noch MEHR autos angemeldet werden, haben die neuen parkpickerl-bezirke dasselbe dilemma wie bisher bzw. wie die alten... es bleibt, was es ist: abzocke, um die leeren stadtkassen zu füllen und wahlhlfe für strache...

mehr autos werden im dicht verbauten gebiet in wien auch nicht mehr angemeldet werden. die erfahrung zeigt, dass gerade durch maßnahmen wie das parkpickerl oder verkehrsberuhigung die anzahl der anmeldungen sinkt.

hanebüchen ist deine argumentation, nicht die der grünen.

kann es sein, dass du den sinn des parkpickerls nicht verstanden hast? dann erklär ist ihn dir mal:
in den betroffenen bereichen gibt es eine kurzparkzone, d.h. alle autos dürfen zu den tageszeiten nur mehr 2 bzw. 3 stunden hier parken. ausgenommen davon sind autos mit einem anrainerpickerl, das natürlich - wie der name schon sagt - nur anrainer bekommen. diese dürfen unbegrenzt die parkplätze in ihrem bezirk benutzen.

jeden denkenden menschen sollte daher klar sein, dass sich durch einführung einer kurzparkzone mit anrainerpickerln der parkplatzdruck reduziert. denn die nicht-anrainer des bezirks dürfen hier nur kurz parken. es gibt dann also keine dauerparker von außerhalb des bezirks mehr.

Schauens mal die Parkplatzsituation im 12. und im 5 an... Ist nur der Gürtel dazwischen...

12.er gratis parken, 1,5h kreisen bis man ein platzerl findet wo man bis in der Früh um 6 hoffentl keinen Strafzettel bekommt oder weggeschleppt wird...

5. Bezirk: Easy parken vor der Haustüre...

Mehr Autos werdens hoffentlich nimmer werden in Wien.
Wenn jeder sein Parkpickerl hat werden trotzdem die "Nicht Anrainer Autos" woanders parken müssen: Daher mehr Parkplätze für Anrainer mit Parkpickerl!

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