Brand in 152 Meter hohem Wohn- und Bürogebäude in Istanbul

Hunderte Menschen aus "Polat Tower" gerettet - Medienbericht: "Anblick wie am 11. September"

Istanbul/Wien - Die Feuerwehr hat einen spektakulären Großbrand in einem Istanbuler Hochhaus am Dienstag unter Kontrolle gebracht. Lodernde Flammen schlugen am Dienstagvormittag aus der Fassade des Büro- und Wohnhochhauses "Polat Tower" in einem Nobelviertel im europäischen Teil der türkischen Metropole Istanbul. Brennende Fassadenteile stürzten wie Feuerbälle von dem 152 Meter hohen Bau herab. Das Vordach über dem Eingangsbereich brannte ebenfalls lichterloh - und das in unmittelbarer Nähe eines Krankenhauses und einer Tankstelle.

Viel hätte nicht gefehlt, und Istanbul hätte wirklich vor einer Tragödie gestanden, sagte Stadtteilbürgermeister Mustafa Sarigül. Offenbar verhinderte nur die Sprinkleranlage ein Übergreifen auf das Innere des Gebäudes. Der Istanbuler Oberbürgermeister Kadir Topbas sprach von einer "Warnung": Denn längst nicht alle Gebäude in Istanbul verfügen über moderne Sicherheitssysteme.

42 Geschoße evakuiert

"Ein Anblick wie am 11. September" habe das brennende Hochhaus geboten, kommentierte die Online-Ausgabe der Zeitung "Hürriyet". Angestellte von Geschäften im "Polat Tower" berichteten von einem Feuer in einer dort untergebrachten Bankfiliale. Innerhalb kurzer Zeit seien die Korridore voller Rauch gewesen. Sicherheitsbeamte hätten den "Polat Tower" mit seinen 42 Geschoßen anschließend sofort evakuiert. Der Rauch des Feuers war kilometerweit zu sehen.

Nach ersten Erkenntnissen der Behörden könnte eine Panne in einer Klimaanlage einen Funkenflug ausgelöst und Isoliermaterial an der Außenwand des Gebäudes in Brand gesetzt haben. Teile der Glasverkleidung gingen zu Bruch und stürzten in die Tiefe. Eine Privatklinik und eine Tankstelle in der Nähe wurden evakuiert, alle Straßen der Umgebung vorsorglich gesperrt. Bei den Löscharbeiten erlitten zwei Feuerwehrleute leichte Verletzungen, doch die rund 1.500 Angestellten und Bewohner des Hochhauses kamen mit dem Schrecken davon. Sogar die sieben in den Wohnungen gehaltenen Hunde wurden evakuiert.

Prominente Wohnungsbesitzer

Benannt nach Firmenchef Adnan Polat, einem Bauunternehmer und ehemaligen Vorsitzenden des türkischen Fußballmeisters Galatasaray Istanbul, hat der Bau aus Glas und Beton in unmittelbarer Nähe des Edelviertels Nisantasi viele türkische Promis als Wohnungskäufer angezogen, darunter den Popsänger Mustafa Sangal und den ehemaligen Fußballstar Sergen Yalcin. Einige Wohnungsbesitzer in dem vor zehn Jahren fertiggestellten Gebäude klagen allerdings über undichte Fenster und andere Mängel.

Dennoch lobten Behördenvertreter nach der überstandenen Gefahr die Sicherheitsvorkehrungen im "Polat Tower" mit seinen Brandsensoren, Sprinkleranlagen und Feuertreppen als vorbildlich. Den Lokalpolitikern ist klar, dass die meisten anderen mehrgeschoßigen Wohn- und Geschäftsgebäude in Istanbul bei einem solchen Brand zu tödlichen Fallen für die Bewohner geworden wären.

Bürgermeister Topbas versprach noch am Brandort strenge Kontrollen der Feuerpolizei bei Neubauten - doch er weiß selbst, dass das in einer so großen, eng bebauten und höchst erdbebengefährdeten Metropole mit 15 Millionen Menschen nicht reicht. Erst vor wenigen Wochen hatte der Bürgermeister Zahlen bekanntgegeben, die den Istanbulern kalte Schauer über den Rücken jagten: Die Stadt verfüge über 1,6 Millionen Gebäude, sagte Topbas - und bei mindestens 70 Prozent von ihnen sei gegen bauliche Vorschriften verstoßen worden. (APA/Susanne Güsten, 17.7.2012)

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