Munich-Re-Chef will Großbanken zerschlagen

17. Juli 2012, 10:42
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Souveränitätsrechte sollten nach Brüssel abgetreten werden, sagt der Vorstandschef der weltgrößten Rückversicherung

München - Munich-Re-Vorstandschef Nikolaus von Bomhard hat die Zerschlagung der systemrelevanten Großbanken gefordert. Dass solche Banken auf jeden Fall gerettet werden müssten, sei "ein Konstruktionsfehler des Systems", sagte der Chef der weltgrößten Rückversicherung Munich Re (Münchener Rück) am Montagabend in München. "Wir brauchen fundamentale Änderungen am Finanzmarkt", sagte Bomhard. "Too big to fail (zu groß zum Scheitern, Anm.) darf es nicht mehr geben." Regeln und Kontrollen müssten verschärft, Investment- und Kreditgeschäft getrennt werden: "Ich bin Anhänger des Trennbankensystems."

Künftig müssten die Investoren auch am Misserfolg viel stärker beteiligt werden - "sonst werden Risiken nie richtig bepreist", erklärte Bomhard. Staatsschuldenkrise und Bankenkrise seien unheilvoll verknüpft und schaukelten sich gegenseitig hoch. Die Sparer und damit auch die Versicherungen seien die Leidtragenden der extrem niedrigen Zinsen. "Das stresst uns ganz gewaltig", sagte Bomhard. Die Assekuranz habe es zunehmend schwer, die notwendigen Erträge am Kapitalmarkt zu erwirtschaften.

Kürzere Leine

So konkret wie bisher kein Chef eines Dax-Konzerns fordert Bomhard weitere politische Reformen, um den Euro zu retten. Vor allem die Banken will der Vorstandschef des weltgrößten Rückversicherers eng an die Leine legen, indirekt spricht er sich sogar für eine Zerschlagung der Deutschen Bank aus. Die Politik müsse eine Vision für mehr Europa entwickeln und diese den Menschen näher bringen. Für EU-Länder bedeute dies: Mehr Souveränitätsrechte abgeben, mehr Automatismen schaffen, den Europäischen Rat, in dem die nationalen Interessen der Regierungschefs immer wieder scharf aufeinanderprallen, umgestalten und die Exekutive in Brüssel teilweise vom Volk wählen lassen.

Der Euro werde überleben, sagte von Bomhard. "Unklar ist aber in welcher Form." Die Gemeinschaftswährung sei für Europa ein wichtiger Mosaikstein, aber wohl zu früh eingeführt worden. Die Maastricht-Kriterien habe maßgeblich auch Deutschland aufgeweicht. Von den Politikern in den europäischen Hauptstädten forderte der bestens vernetzte Manager, dessen Unternehmen mit Kapitalanlagen von mehr als 200 Mrd. Euro einer der größten Investoren überhaupt ist, mehr Führung, Transparenz und Ehrlichkeit. Das große Ganze müsse entworfen, weniger die einzelnen Schritte erklärt werden. Das sei nicht zuletzt für Investoren am Kapitalmarkt enorm wichtig - ein großes Ziel setzen und dann die Umsetzung angehen. "Mit Trippelschritten ist man nie vor der Welle."

Mehr Europa

Die Lehre aus der Krise könne nur lauten: "Wir brauchen mehr Europa." Unter anderem müsse darüber nachgedacht werden, zumindest Teile der EU-Exekutive direkt vom Volk wählen zu lassen. In Deutschland seien Übertragungen von Rechten auf die EU-Ebene mit Zweidrittelmehrheit dank einer staatstragenden Opposition möglich.

Auf Ebene der Unternehmen sieht der langjährige Versicherungsmanager vor allem eine schärfere Regulierung der Banken als Schlüssel. Die unheilvolle Verknüpfung von Staaten und Banken - wie zuletzt bei der Rettung der spanischen Geldhäuser - müsse durchbrochen werden. Banken müssten auch Pleitegehen können und nicht ständig mit Steuergeldern aufgefangen werden, weil sie zu groß und vernetzt seien. Das klassische Geschäft müsse vom schwankungsanfälligen und riskanteren Investmentbanking getrennt werden. Damit spricht sich von Bomhard, ohne den Namen der Deutschen Bank zu nennen, beispielsweise für eine Aufspaltung des Frankfurter Instituts aus. Investoren müssten zudem zwingend an Wertpapierverlusten beteiligt werden, damit wieder besser mit Risiken umgegangen werde. "Die Gläubigerbeteiligung ist unverzichtbar." Notfalls müssten Kredite teurer werden.

Von Bomhard kämpft seit längerem dafür, Banken und Versicherer anders zu behandeln, weil die Assekuranzen die Finanzkrise nicht ausgelöst hätten. Mit Blick auf seine Branche sagte er: "Wir sitzen im selben Boot wie die Sparer." Man könne nicht ewig mit den historisch niedrigen Zinsen leben. "Das stresst uns gewaltig." Für Lebensversicherer forderte er sogar, bestimmte Verbraucherschutzrechte zurückzudrehen, um den Firmen wieder mehr Luft zu verschaffen. (APA, 17.7.2012)

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    Dass große Institute gerettet werden sollen, hält der Chef des weltgrößten Rückversicherers für einen Fehler und fordert indirekt eine Zerschlagung.

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