Regierungspartei in Tunesien fordert Strafen für Gotteslästerung

17. Juli 2012, 09:09
  • Rached Ghannouchi hat den Platz an der Parteisonne verteidigt.
    foto: reuters/souissi

    Rached Ghannouchi hat den Platz an der Parteisonne verteidigt.

Islamistische Ennahda bestätigt Ghannouchi als Parteichef - Will moderaten Islam mit Moderne verbinden

Tunis - Tunesiens regierende islamistische Ennahda-Partei hat auf ihrem Parteitag religiöse Angelegenheiten thematisiert. So forderten die Delegierten, Gotteslästerung unter Strafe stellen. Zum Abschluss des fünftägigen Parteikongresses in Tunis beschlossen die Delegierten ein Programm, dass unter anderem die Kriminalisierung der Beleidigung des Heiligen vorsieht, wie der Vorsitzende des Kongresses und Minister für Gesundheit, Abdelatif Mekki, bekanntgab.

Auf dem Parteitag wurde auch Parteivorsitzender Rached Ghannouchi im Amt bestätigt. Ghannouchi verteidigte seinen Posten an der Parteispitze gegen elf andere Bewerber. Darunter befanden sich auch Sadek Chorou und Habib Elouz, die als Hardliner gelten und Ennahda dazu bringen wollten, islamisches Recht in die neue Verfassung zu integrieren.

Moderater Islam mit der Moderne verbinden

"Wir träumen von einer wunderbaren Verbindung eines moderaten Islams mit den Errungenschaften der Reform und der Moderne", sagte Ghannouchi nach seiner Wahl. Das Projekt der Ennahda-Partei sei "ein Zivilisationsprojekt, das alle Tunesier vereinen kann", sagte der 71-jährige Parteiführer. In ihrem auf dem Kongress verabschiedeten Programm setzt sich die Partei zum Ziel, einen "zivilen Staat inspiriert von den muslimischen Werten und den menschlichen Errungenschaften" zu verwirklichen und die Zivilgesellschaft zu stützen und zu stärken.

Die Delegierten erklärten unterdessen ihre Unterstützung für ein rein parlamentarisches Staatssystem aus. Ennahda war aus der Wahl zur Verfassungsgebenden Versammlung im Oktober - der ersten Abstimmung nach dem Sturz von Präsident Zine El Abidine Ben Ali im Jänner 2011 - als stärkste Partei hervorgegangen. In der Versammlung, die bis zum Herbst ein neues Grundgesetz ausarbeiten soll, hat sie aber keine Mehrheit. Sie stellt gemeinsam mit zwei Mitte-links-Parteien die Regierung. Diese treten für ein System ein, das dem Präsidenten mehr Macht gibt.

Der Kongress war für Ennahda, deren Mitglieder unter Ben Ali gewaltsam verfolgt wurden, der erste Parteitag seit 1988. Ursprünglich als Ableger der Muslimbrüder gegründet, vertritt die Partei heute eine moderate Linie. Sie hat insbesondere versichert, nicht darauf zu bestehen, dass das islamische Gesetz der Scharia in der neuen Verfassung als Grundlage der Gesetzgebung festgeschrieben wird. Die säkulare Opposition fürchtet dennoch, dass Ennahda eine langsame Islamisierung des Landes anstrebt. (APA/Reuters, 17.7.2012)

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Demokratie und Menschenrechte sind mit salafistisch-wahabitischen Islamismus nicht vereinbar, weil sie der Scharia widersprechen und die kommt ja laut diesen Fanatikern ja nicht von Mohammed sondern direkt von Gott höchstpersönlich.

Womit jeder, der "ungläubig" ist automatisch zum Gotteslästerer für die wird, und jeder gezwungen wird so zu leben wie diese Fanatiker es vorschreiben, wenn ihm sein Leben lieb ist.

Demokratie ist für die doch nur ein Mittel, an die Macht zu kommen, dann ist es aus damit. Und dann ist es aus mit allen Rechten für Nicht-Sunniten-Wahabiten, für Linke, Kritiker und Frauen. Und aus mit dem Urlaubsland Tunesien.

Ich habe große Angst um die nichtarabischen uralten Kunstschätze in Ägypten, wirklich.

Karel, deine Musik stinkt!

so, was steht laut Sharia jetzt an?

Dreißig Jahre Karel hören.

OIC-Politik

Habs ja erst vor ein paar Tagen hier gepostet:
Eines der aktuellen Hauptziele der "Organisation für islamische Zusammenarbeit" (OIC, bitte googeln) ist die Verankerung des religiösen Kritikverbotes in der UN-Charta. Deshalb macht das jedes Mitgliedsland natürlich auch bei sich zu Hause.

Ich beantrage in die UN-Charta aufzunehmen, dass sich Länder mit der Scharia als Grundlage nicht "Republik" nennen dürfen.

Ich beantrage, dass blutige Diktaturen sich mit ihren Untaten nicht mehr ständig auf Gott rausreden dürfen, die sollen das Wort "Gott" nicht mehr verwenden dürfen!

Das wird denen stark imponieren.

Religiöse

Diese ganzen religiösen Politiker nerven unheimlich, alle rausschmeißen und zwar weltweit.

All diese antireligiösen Schwafler und Polemiker nerven unheimlich. Alle rausschmeißen und ...

und ... von Messdienern durchbumsen lassen?

Super ist die Kritik an der Regierung dann auch gotteslästerlich weil diese ja von Gott auserkoren ist ?

ja natürlich, darauf läuft es doch raus, weil die Fanatiker ja Prediger, Machthaber, Richter und Henker in einer Person sind und sich als Stellvertreter Gottes auf Erden aufspielen.

Sonderbar, wie wenig Durchsetzungsvermögen Menschen einem allmächtigen Gott zugestehen.
Wenn ich an einen Gott glaubte, würde ich es ihm überlassen zu entscheiden , wann er sich gelästert fühlt und wie er darauf reagiert.

Ein tiefgläubiger Mensch kann sich durch die Häresie eines andern sehr gekränkt fühlen, sodass ihm die große Gnade Gottes, nicht einzugreifen, zuwider sein könnte.

Also bedarf es der Maßregeln durch Menschenhand.

Menschen, die andere foltern, steinigen, quälen, vermumen, versklaven etc. betrachte ich nicht in der Gnade Gottes stehend, sie sind nicht heilig, sondern das genaue Gegenteil.

Ja, aber wie Sie etwas weiter unten selber feststellen, ist uns nicht gegeben, den Willen Gottes zu ergründen.

Oder?

Gerade erschien mir der Heilige Geist und sprach also zu mir:

"Mein Sohn, du darfst mich Arschloch nennen!"

Ich tat ihm den Gefallen.

Mit Ihrer Logik ist es nicht weit her. Ein tiefgläubiger Mensch unterwirft sich dem Beschluß Gottes. Wenn er
Gott "ausbessert" ist das Hybris. Und die mögen die
Götter quer durch die Götterwelt absolut nicht.

Und die Fanatiker wissen ja selbstherrlich immer ganz genau, was Gott will, offenbar besser als Gott.

Wenn der Mensch so perfekt wäre, wie sie ihn in ihrer Logik voraussetzen, bedürfte es des Nachdenkens über Häretiker nicht, denn dann gäbe es keine Häresie.

Moralische Verletzungen sind zutiefst menschlich und haben mit Gottesurteilen nichts zu tun.

Wenn der Mensch so unperfekt ist,

wie Sie sagen, hat das Nachdenken über Häretiker eh keinen Zweck, denn dabei käme dann nichts als sophistischer Blödsinn heraus.

Zum einen sind nicht alle Menschen im selben Ausmaß imperfekt.
Zum andern sollten sie nicht von sich auf andere schließen.

Zum einen sind alle Menschen imperfekt und zum anderen leben manche noch im Plusquamperfekt.

Da dürfen's auch gern. Aber ansonsten haben sie ihre Flossen von allem zu lassen, wo Gesetzgebung draufsteht.

Und auch dort, wo staatliche Steuererhebung draufsteht. Wenn's ihre Zaubervorstellung bezahlt haben wollen, müssen's halt Eintritt nehmen.

Die Gesetzgebung bleibt jenen vorbehalten, die Uneigennutz über Gier und Geiz stellen; außerdem den wahrhaft erhabenen Geistern.

Attribute, die ihnen offenbar fremd sind. Abgesehen von ihrer Gier nach Defäziösem und dem Geiz mit Sophistischem.

Die Gesetzgebung ist eine Frage der politischen Kräfteverteilung.

Und ansonsten können Sie auf Ihrer heilgen Wolke 23 entschwinden, wohin sie immer möchten. Guten Flug!

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