Waldbrände auf drei Kanarischen Inseln

17. Juli 2012, 17:05
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In Teneriffa brennt der Wald, 200 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. Feuerwehren und Militär kämpfen gegen das weitere Übergreifen der Flammen auf das Weltnaturerbe der Kanareninsel.

Eine Hitzewelle mit bis zu 40 Grad Celsius und kräftiger Kalima-Saharawind erschweren die Löscharbeiten bei den Waldbränden auf den spanischen Kanareninseln Teneriffa, La Palma und La Gomera. Diese haben am Dienstagnachmittag auf das Gebiet des Nationalparks um den Teide-Vulkan - seit 2007 Unesco-Weltnaturerbe - übergegriffen, was die Einsatzkräfte um jeden Preis verhindern wollten.

Seit Sonntag breiteten sich die Feuer im Süden Teneriffas rasant aus. Über 2000 Hektar Pinienwälder sind betroffen. Mehr als 200 Personen, darunter Touristen, mussten bisher evakuiert werden, wie die kanarische Lokalzeitung El Dia berichtet. "Außergewöhnlich stressig" sei der Kampf gegen die Flammen laut dem Präsidenten der Lokalregierung von Teneriffa, Ricardo Melchior von der nationalistischen Coalición Canaria: "Die Windbedingungen wechseln ständig."

Bedrohung für Tierwelt

"Ich sehe permanent Rauch nahe des Teide aufsteigen", sagt die Grazerin Verena Kindermann zum Standard. Seit eineinhalb Jahren ist sie Hochzeitsplanerin auf Teneriffa: "Der touristische Teil im Süden der Insel ist noch sicher. Bislang wurde auch keine meiner für diese Woche geplanten Strandhochzeiten abgesagt."

Bedrohlicher als für Heiratswillige ist die Situation für die einzigartige Tierwelt, warnte indes Cristina González von der Vogelschutzorganisation Birdlife. Der Bestand zahlreicher einheimischer Arten sei extrem gefährdet, betonte González, die im staatlichen Radio RNE die mangelnde Vorbereitung kritisierte: "Nach einem viel zu trockenen Frühjahr war ein problematischer Sommer vorhersehbar."

Auf der Nachbarinsel La Gomera, wo in der Nacht auf Dienstag mehr als 60 Menschen evakuiert wurden, waren die Brände rasch unter Kontrolle. Auf der Hauptinsel des Atlantik-Archipels La Palma hingegen spitzt sich die Lage weiter zu. Bei El Paso mussten mehr als 160 Einwohner in Sicherheit gebracht werden, der Katastrophenschutz forderte weitere Unterstützung vom Festland an.

Feuer auf Sizilien, in Montenegro und in Portugal

Im Norden der italienischen Insel Sardinien zwang am vergangenen Wochenende bereits ein regelrechter Feuersturm rund 800 Menschen in die Flucht. Mittlerweile sind auch im Süden Sardiniens, auf Sizilien und im süditalienischen Pollino-Nationalpark, den 2007 gelegte Brände stark in Mitleidenschaft zogen, zahlreiche Brandherde aktiv.

In Montenegro loderten gleich mehrere Waldbrände. Touristen mussten einen Hotelkomplex verlassen. Die Urlauber wurden zum Strand der kleinen Adria-Küstenstadt Sutomore geführt, wie die Nachrichtenagentur Beta am Dienstag berichtete. Einige hatten ihr Gepäck dabei. Die Feuerwehr habe die Flammen, die mehrere Häuser bedrohten, aber rechtzeitig eindämmen können. Das Land leidet seit Wochen unter extremer Hitze.

Auch in Portugal halten mehrere Waldbrände die Feuerwehr in Atem. Die drei schlimmsten Brände im Norden und in der Gemeinde Povoa de Santa Iria 30 Kilometer nördlich der Hauptstadt waren inzwischen aber weitgehend unter Kontrolle, teilte der nationale Zivilschutz (ANPC) am Dienstag mit. (Jan Marot aus Granada, DER STANDARD, 18.7.2012)

  • Rauchwolken über den Wäldern Teneriffas: Mehr als 2000 Hektar Pinienwald stehen hier in Flammen. Auch auf Mallorca, Sardinien und Sizilien kämpfen Einsatzkräfte derzeit gegen Waldbrände.
    foto: epa/cristobal garcia

    Rauchwolken über den Wäldern Teneriffas: Mehr als 2000 Hektar Pinienwald stehen hier in Flammen. Auch auf Mallorca, Sardinien und Sizilien kämpfen Einsatzkräfte derzeit gegen Waldbrände.

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    Die Feuerwehr auf Tenerifa konnte ein Übergreifen der Flammen auf den Nationalpark nicht verhindern.

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