Teure Mieten in der Wiener City: Bücher müssen Uhren weichen

16. Juli 2012, 19:44
  • Diese Kombination aus Kupferstich und Radierung von Carl Schuetz zeigt den Kohlmarkt im Jahre 1786. Heute ist er eine der bekanntesten Luxusmeilen Wiens.
    foto: apa/wien museum

    Diese Kombination aus Kupferstich und Radierung von Carl Schuetz zeigt den Kohlmarkt im Jahre 1786. Heute ist er eine der bekanntesten Luxusmeilen Wiens.

Kohlmarkt für alteingesessene Geschäfte unleistbar

Wien - In Kürze wird die Buchhandlung J. Berger am Kohlmarkt in der Wiener Innenstadt schließen. Ihr Ende kam unspektakulär: Geschäftsführer Gottfried Berger war letzten Winter gestorben, die Weiterführung ist bei einer Geschäftsgröße von knapp 30 m2 (inkl. Büro) nicht mehr rentabel, vor allem nicht, wenn die Miete sukzessive "auf das Niveau der ortsüblichen Mietpreise angehoben wird", wie ein Freund der Besitzerfamilie es leidenschaftslos ausdrückt.

Ortsüblich bedeutet so viel wie unbezahlbar. Nun ist es ja nicht so, dass der Kohlmarkt erst vor Kurzem in den Ruf einer wenn auch Internationalität nur imitierenden Luxusmeile gekommen ist. Spätestens ab der Errichtung der Hofburg haben die Kohlenhändler den k.u.k. Detailhändlern Platz gemacht. Er wurde zur Adresse für Demel, Goldman & Salatsch, Rozet und Fischmeister und andere mehr. Das kleine, feine Buchgeschäft, das sich mit besonderen Schaufenster-Arrangements um sein Publikum bemühte, wurde seit 1931 von der Familie Berger geführt.

Breitling als möglicher Ersatz

Einziehen soll nun Breitling. Man wird dann in hundert Metern Umkreis gerade noch ein Buchgeschäft vorfinden, keinen Zeitschriftenladen mehr, aber dafür rund zwei Dutzend Läden, in denen jeder, der wissen will, wie spät es ist, Uhren um bis zu einer halben Million kaufen kann. Und irgendwann werden auch die letzten Läden für den Bedarf, mit dem Wien so gern für sich wirbt ("Kultur"), Geschichte geworden sein.

Wer noch einen Geschmack davon bekommen will: Bei Berger ist Ausverkauf. (Michael Freund, DER STANDARD, 17.7.2012)

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in Deutschland...

...sieht inzwischen eine Stadt wie die andere aus, überall die gleichen Ramschläden, eben auf Nobelniveau...

solangs den world of mozart (oder was immer das ist) und einen nordsee gibt kanns nicht so schlimm sein mit den mieten
das gleiche am graben
da gibt es noch immer haufenweise absolute ramschläden

Das letzte gallische Dorf fällt

vae victis.

schade - die innere stadt wird wieder uninteressanter.

ein Grund mehr, die Stadt zu umfahren, statt sie lustvoll zu durchqueren.

Die Schlampengeschäfte und die Touristenwürmer mit dem Fähnchen vorne dran, die alle Theorie von der Intelligenz der Schwärme Lügen strafen, Fremde, die sich benehmen, als hätten sie Eintritt gezahlt, auf der Strasse herumstehen und gehen, wo Räder und Autos fahren sollten, gehen mir ohnedies auf ganz empfindliche Körperteile....

...

SHIT !!!! Es wird mir sehr fehlen !!!!

Schade...

...eben solche (kleinen) Geschäfte, die schon eine lange Geschichte und Tradition haben, tragen zur eigenartigen Atmosphäre einer Stadt bei.

Sorry, Leute, aber eine Luxusmeile (oder 500m) mit den ueblichen globalen Marken ist fuer den Markt asiatischer Touristen einfach Pflicht. Ich find es also gut, wenn ein paar Weltmarken dort einziehen anstelle von Buch- und Fischgeschaeften.

Na eh super!

Schaut halt eine Stadt wie die andere aus, und wenn man auf die Prada, Gucci, etc. Auslagen schaut kann's schon mal passieren, dass man nicht weiß ob man jetzt in Mailand, Moskau, New York oder Wien ist...

....also ob ich in NYC oder Wien bin weiß ich zu jeder Sekunde. Kanns sein, dass "ma" noch nicht aus Wien rauskommen sind und einfach nur motschgern wolln?
;-)
Wobei mir der Kohlenmarkt auch am Popo vorbei geht.

Ja, das kann man moegen oder nicht. Aber aufhalten kannst Du das auch nicht. Das ist der Wunsch der Einkaufenden, und wenn Du was anderes willst, mach eine Kollekte und kauf die schuetzenswerten Haeuser auf.

Ansonsten bleibt es den Eigentuemern der Haeuser ueberlassen, ob sie an ein Buchgeschaeft oder ein internationales Modehaus vermieten. Und die vermieten an das Modehaus, weil die besser zahlen. Und die zahlen besser, weil sie mehr Geschaeft machen. Und die machen mehr Geschaeft, weil die Kunden das so wollen.

So einfach ist das.

Sorry Mann, aber so einfach ist das nicht, ist es nie, es sei denn man schaut auf die Welt mit simplem Gemüt.
Woher wissen Sie denn was die Kunden wollen? Und welche Kunden werden denn berücksichtigt?
Vielleicht setzt man dem "Kunden" etwas vor ohne dass dieser besonders viel Wahl hat? Ich bin zum Beispiel ein Bücherkunde. Muss ich mir jetzt eine Uhr anstatt eines Buches kaufen? Die Masse selten recht.

Nicht ich weiss, was die Kunde wollen, sondern jene Leute, die Mietvertraege fuer Gesschaefte abschliessen.

Und dass Du Buecher willst, ehrt dich, aber wie oft hast Du denn in diesem Laden gekauft?

Das Endziel der Menschheit ist offensichtlich wie Dünnschi** über den gesamte Globus fein verteilter Einheitsbrei aus Industrie und immer gleichen Shopping-Centern.

Ich bin mir sicher, wir brauchen trotzdem immer mehr Autobahnen und Flüge.

Floridsdorf muss Floridsdorf bleiben!

Nein, nein. Wir brauchen keine Strassen zwischen Simmering und Floridsdorf. Und auch keine Flugverbindung mit London.

Wie konnten wir nur das einzigartige Floridsdorf aus 1820 mit den immer gleichen Billas, Bipas und Strassenbahnen wie in Simmering zerstoeren???

Tragisch,....

und es gibt auch schon Autos und Flugzeuge, das in den Rand - und Aussenbezirken Mietverhältnisse wie im 1Bezirk herschen darauf ist zu achten die Zeit anhalten können wir alle nicht.

Finde ich

tragbar. War unlängst dort um ein wenig zu stöbern und wurde forsch gefragt, welches Buch ich suchen würde. Als ich meinte, ich würde mich gerne ein wenig umsehen, wurde mir mitgeteilt, dass das Geschäft zu klein hierfür sei und ich sagen möge, welches Buch ich will und sonst bitte gehen solle. Andere Kunden würden etwas kaufen wollen (zu sehen waren keine). Offenbar wurde die einzige USP eines Buchgeschäfts im Stöbern und ansehen eines Buchs besteht. Sehe den Unterschied zu Amazon dann gar nicht mehr.

Ist das wahr?

ernsthaft?
ein Wahnsinn

omg wird wohl der wirkliche grund seinb wieso es kunkurs gegangen ist

Und wieder mal wird der öster. Name veröffentlicht!

Das Problem ist ja nicht so sehr, dass andere Geschäfte einziehen, sondern dass es immer irgendwelche austauschbaren (Flagship)stores von internationalen Ketten sind.

In einer beliebigen Einkaufsstrasse kann man inzwischen kaum mehr unterscheiden, in welcher Stadt oder welchem Land man sich befindet, überall nur die selben Fetzenläden, unterbrochen nur von Junkläden a la McD und Starbucks... man sieht höchstens, dass man nicht in Ö ist, wenn neben McD auch noch Burgerking, Subway et al. vorkommen.

Siehe Berlin und leider auch manche Pariser Straßenzüge. Deprimierend.

Das ist der Lauf der Welt

Und wieder ist Wien ein stueck moderner geworden.

uhren gibts vermutlich länger als wien, also nix mit modern.

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