Blatter-Vorwürfe nur ein "Ablenkungsmanöver"

16. Juli 2012, 20:19
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Ehemaliger FIFA-Direktor Tognoni: "Alles ist unter Aufsicht von Sepp Blatter geschehen"

Köln - Das Match Blatter vs DFB geht weiter. Die Korruptions-Vorwürfe von FIFA-Präsident Joseph S. Blatter wegen der deutschen WM-Bewerbung 2006 lassen die Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und des damaligen Organisationskomitees kalt. "Wenn Sepp Blatter meint, er müsse komische Nebelkerzen werfen, kann er uns damit nicht verwirren", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

Auch der damalige WM-Bewerbungschef und spätere WM-OK-Präsident Franz Beckenbauer hatte nur Kopfschütteln für die Aussagen des stark in der Kritik stehenden FIFA-Boss übrig. "Klarstellung: Das Abstimmungsergebnis für die WM 2006 war 12:11 (nicht 10:9) und die enthaltene Stimme war schriftlich Deutschland zugesichert", twitterte er am Montag.

Für den langjährigen FIFA-Direktor Guido Tognoni sind die Blatter-Vorwürfe indes nur ein "Ablenkungsmanöver". "Er braucht einen Befreiungsschlag. Aber das ist ein Schuss in den eigenen Fuß, denn alles ist unter Aufsicht von Sepp Blatter geschehen", sagte der langjährige Mediendirektor der FIFA im ARD-"Morgenmagazin" und erhob schwere Anschuldigungen: "Unter der Präsidentschaft von Sepp Blatter sind Dinge geschehen, die eigentlich nicht in einem Fußball-Betrieb geschehen sollten." Das Exekutivkomitee des Internationalen Olympischen Komitees wird sich laut IOC-Chef Jacques Rogge auf seiner Sitzung in London mit der FIFA-Schmiergeld-Affäre beschäftigen.

Im Interview mit dem SonntagsBlick hatte Blatter erklärt: "Gekaufte WM ... Da erinnere ich mich an die WM-Vergabe für 2006, wo im letzten Moment jemand den Raum verließ. Und man so statt 10 zu 10 bei der Abstimmung ein 10 zu 9 für Deutschland hatte." Auf die Nachfrage, ob er, Blatter, vermute, die WM 2006 in Deutschland sei gekauft gewesen, antwortete der Schweizer: "Nein, ich vermute nichts. Ich stelle fest."

"Er wusste über jedes Detail Bescheid"

Tognoni ("Blatter steckt in einem Überlebenskampf") erklärte dazu: "Der Deutsche Fußball-Bund hat damals den Rahmen des Möglichen ausgeschöpft und zwei Jahre lang harte Lobbyarbeit betrieben." DerSchweizer  sprach von Gefälligkeiten vonseiten des DFB, so den Abschluss von Freundschaftsspielen, die normalerweise nicht stattgefunden hätten. "Sepp Blatter war immer dabei. Er hätte es damals stoppen können, er wusste über jedes Detail Bescheid. Jetzt im Nachhinein zu kommen, finde ich billig", betonte Tognoni. Dieser hatte von 1984 bis 2003 in verschiedenen Exekutivfunktionen in der FIFA und der UEFA gearbeitet. Zwischen 2001 und 2003 war der Jurist als FIFA-Marketingdirektor tätig und gilt als Intimkenner der FIFA.

Der deutsche Liga-Präsident Reinhard Rauball hatte Blatter in einem Telefonat am vergangenen Freitag aufgrund der jüngsten Enthüllungen um Schmiergeldzahlungen an FIFA-Spitzenfunktionäre zum Rücktritt aufgefordert, und auch Niersbach war am Wochenende auf Distanz zum FIFA-Chef gegangen. (sid, 16.7.2012)

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