"Downton Abbey": Adel und Spitzen

Doris Priesching
16. Juli 2012, 19:01
  • Der Erste Weltkrieg stellt die Adelsfamilie vor Aufgaben. Der Lord (Hugh
 Bonneville) stellt sich tapfer, Herzoginmutter Violet (Maggie Smith, 
Dritte von rechts) mit spitzer Zunge: Erfolgsserie "Downton Abbey".
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    Der Erste Weltkrieg stellt die Adelsfamilie vor Aufgaben. Der Lord (Hugh Bonneville) stellt sich tapfer, Herzoginmutter Violet (Maggie Smith, Dritte von rechts) mit spitzer Zunge: Erfolgsserie "Downton Abbey".

Britische Ware hatte es im amerikanisch dominierten Serienmarkt nicht leicht - Seit dem Kostümdrama "Downton Abbey" ist das anders

Wien - Nach zwei Staffeln sah es für kurze Zeit so aus, als warte auf Lord und Lady Grantham eine bange Zukunft. Nicht dass die britische Herrschaftsfamilie und ihre Dienerschaft Schicksalsschläge nicht wieder aufrecht und tapfer überstehen könnte - natürlich kann sie das. Aber was nur würde sie tun ohne die kluge und altehrwürdige Gräfin Violet Crawley?

Gut, die Frage beschäftigte mehr das TV-Publikum, das in Violet-Darstellerin Maggie Smith regelrecht verschossen ist. Aber tatsächlich wäre der Erfolg der Dramaserie Downton Abbey ohne sie fraglich. Die weise Adelsmutter lockert das steife Gehabe ihrer Verwandtschaft mit spitzer Zunge auf und legt mit ihren süffisanten Kommentaren die Verkorkstheit ihrer Zeit frei: "Ich hasse altgriechische Dramen, in denen alles hinter der Bühne passiert."

Aber gottlob: Der im April angekündigte Abgang erwies sich als Zeitungsente. Dame Maggie bleibt in der dritten Staffel ab September und danach im Ensemble, versprach ITV. Und bis dahin ist die Welt ohnehin in Ordnung. Der Abosender Sky startet die zweite Saison am Mittwoch. Autor Julian Fellowes gewährt seiner Heldin ausgiebig Raum für Sarkasmus. Mit ihr taucht er wieder ein in die Welt der Herrschenden und Dienenden im England Anfang des 20. Jahrhunderts, als sich die Welten der oberen und unteren Zehntausend immer mehr vermischen.

Stand in der ersten Staffel noch der Untergang der Titanic am Beginn des Geschehens, so sorgt nun abermals ein Brief am Frühstückstisch für geänderte Umstände: "Jeder Mann, mit dem ich je getanzt habe, scheint tot zu sein!", schluchzt Tochter Sybill. Kein unerklärliches Schicksal: Die Zeit des Ersten Weltkriegs mitsamt ihren einstürzenden Hierarchien bestimmen die Handlung. Sybill will im Lazarett helfen, dafür plant ein Hausmädchen, sich in Seidenlaken zu betten.

International erfolgreich

Ein ähnliches Konzept der Zeitenwende verfolgte der mit Gosford Park oscarprämierte Drehbuchautor Fellowes mit einer neuen Fassung von Titanic dieses Frühjahr. Aus den Perspektiven von Adel, Bürgertum, Dienerschaft erzählte er den Untergang des Luxusdampfers. Der Vierteiler trug klar Fellowes Handschrift, aber allzu oft in Parallelitäten endende Erzählstränge verwirrten: Die Fernseh-Titanic ging unter.

Als Dramaserie konnte Downton Abbey nicht nur in Großbritannien, sondern auch am internationalen Markt bestehen. Wo immer die Crawleys die Wohnzimmer betreten, sind sie gern gesehen, inzwischen in mehr als hundert Ländern. Dagegen verschwinden kritische Stimmen, die in der zweiten Staffel längst nicht mehr Charme und Feinschliff im Miteinander der Standesvertreter sehen und die Zwischentöne unter zu viel Kriegskitsch vermissen.

Zu Weihnachten droht im britischen Fernsehen trotzdem ein Kampf der Kostüme: Um gegen Downton Abbey des Privatsenders ITV zu bestehen, setzt die BBC ihre Spezialwaffe ein: Hebammen, die in den Fifties durch die Straßen Londons radeln, um rechtzeitig zur Stelle zu sein. Call the Midwife ist neben Downton Abbey der Briten liebste Dramaserie. Im Fall von Maggie Smith gibt es doppelt Grund zur Vorfreude: Mit Shirley MacLaine als Tante aus Amerika sind weitere scharfe Wortgefechte garantiert. (Doris Priesching, DER STANDARD, 17.7.2012)

"Downton Abbey"

Hierzulande auf DVD und ab Mittwoch in zweiter Staffel auf Sky.

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Warnung

Die Serie beginnt zwar ganz vielversprechend, entwickelt sich dann aber schon im Laufe der ersten Staffel zu einer Art Schnittmenge der schlechtesten Momente von Rosamunde Pilcher und Jane Austen. Die Charaktere und Handlungsstränge sind unvorstellbar stereotyp und überhaupt wird dann alles fürchterlich (ich meine richtig fürchterlich!) kitschig. Die zweite Staffel ist vor lauter billigem Pathos dann ohnehin kaum erträglich. (Hab sie dann auch nicht fertig gesehen).

Wer sowas mag, bitte, aber Downton Abbey als herausragende Serie zu qualifizieren ist Unsinn. Das bleibt Nischenware fürs geneigte Publikum.

Ausnahme: die großartige Maggie Smith, die ist wirklich komisch.

eine der besten serien der letzten zeit!

mit einer (wie eh immer) großartigen Maggie Smith (möge sie uns noch sehr lange erhalten bleiben!)

- Lady Grantham: "You are quite wonderful the way you see room for improvement wherever you look. I never knew such reforming zeal."
- Mrs. Crawley: "I take that as a compliment."
- Lady Grantham: "I must have said it wrong."

Elizabeth McGovern (Cora) hat auch noch andere Interessen: http://www.sadieandthehotheads.com/

Wo immer die Crawleys die Wohnzimmer betreten, sind sie gern gesehen, inzwischen in mehr als hundert Ländern.

Und in Österreich haben wohl alle Sender die Serie verschlafen

Sky sendet es doch.

läuft schon im schweizer tv

seit zwei wochen im zweikanalton

Stimmt, sehr löblich vom SF, die strahlen aber im Moment die erste Staffel aus (Teil 3 und 4 sind noch ausständig)

Aber das lässt ja hoffen, dass die weiteren Staffeln irgendwann noch folgen!

korrekt

auf Sky war die erste Staffel schon im letzten Jahr zu sehen. Sky zeigt nun die zweite Staffel

Wieso sind in Österreich solche Serien nicht möglich.

weil es einfach an guten schauspielern und drehbuchschreibern mangelt? der englische markt ist doch einiges größer. immer die gleichen 5 schauspieler in österreich in unterschiedlichen sendeformaten verkraftet man einfach nicht.

weil der orf noch immer an seinem sell and leaseback-vertrag über die gesamten csi-serien laboriert.

und irgendwie müssen die ja auch noch diese ganzen Rosamund Pilcher-, Inga Lindström- (und da gibt es noch so eine tante, deren namen ich vergessen habe)-schmagauken zu bester sendezeit unterbringen.
da bleibt kein platz mehr für was anderes ....

Es gab mal eine

Serie dieser Art, das Ringstrassenpalais war ein Abklatsch von Haus am Eaton Place (Upstairs Downstairs) das zeitgleich auch im ORF sehr erfolgreich war. War eine sehr gute Serie.

haben sie downton abbey schon gesehen? ich wollte gerade fragen, ob es mehr oder weniger ein remake von upstairs downstairs ist? sie scheinen sich ja auszukennen.

BBC hat 2 neue Staffeln von Upstairs Downstairs 2010 bzw. 2012 ausgestrahlt, falls es Sie interessiert und Sie es noch nicht wussten. (Eine weitere wird es nicht geben)

nein, wusste ich nicht... danke :-)

"ob es mehr oder weniger ein remake von upstairs downstairs ist?"

.
nein, eigentlich nicht.
es funktioniert zwar auf gleicher basis (herrschaft und dienerschaft), aber trotzdem kann man es nicht als remake sehen.

auf jeden fall absolut sehenswert! :o)

Nein ich meinte

Das Ringstrassenpalais war eine Art Österr. remake von Upstairs Downstairs hat sich aber nach einiger Zeit von der Idee freigespielt und wurde relativ Eigenständig.

die assoziation kam auch gar nicht vom ringstraßenpalais. es war halt nur das erste, was mir beim lesen des artikels eingefallen ist. die ählichkeit ist ja offensichtlich.

Die Serie lief schon auf Sky und ist ich auf DVD erhältlich. Brillantes Ensemble, ganz große Unterhaltung! Billiger Abklatsch ist DAS jedenfalls keiner!

diese Serie auf deutsch zu schauen, geht aber gar nicht. zu interessant, zu lebhaft, zu schön ist die "sprachfärbung" in der Küche, der unterschied zwischen upperclass und "footman", und jetzt noch ein irischer Chauffeur :-).
und carson ist sowieso der Hammer

Es geht dann, wenn man keine Ahnung davon hat, dass sich Herkunft und sozialer Status im englischen Sprachraum sprachlich extrem wider spiegelt

Wenn man darüber jedoch Bescheid weiß, kann man über eine deutsche Synchronfassung bestenfalls schmunzeln

spiegelt sich auch im deutschen wider

nur wird das im D- und Ö-fernsehen permanent ignoriert.

danke an die verantwortlichen in den Sendern, die daran schuld sind, daß man mittlerweile nur mehr den deutschen synchron einheitssprech hört.

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