Der Hintern als Zeitvertreib

Ansichtssache |
foto: orf/arte/d.r.

Der ganze Welt dreht sich um den Hintern. Glauben Sie nicht? Dann haben Sie die Arte-Dokumentation "Blickfang Po" am Sonntag auf ORF 2 wohl leider versäumt.

Angetreten war sie mit dem Versprechen, "verborgene Ansichten" des Hinterns aufzudecken. Heraus kam eine Peepshow auf Privatfernsehniveau: Werden dort B- und C-Prominente auf Themen wie "Die peinlichsten Hits der 90er" losgelassen, plauderten in der Po-Doku Schriftsteller, Tänzer und andere Experten über ihre Beziehung zum Hintern.

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Adriana Karembeu, als Supermodel und Fußballerehefrau quasi eine Po-Koryphäe, teilt ihr Fachwissen: "Ein guter Po muss rund sein." Ein Bildkünstler geht noch weiter: "Der Po ist der letzte Schliff, der einen Körper außergewöhnlich macht." Glücklich, wer einen hat! Aber auch für Problem-Pos gibt es Lösungen. Eine farbige Choreografin dazu: "Wenn du einen Po hast, beweg ihn, damit man sieht, was du hast. Wenn du keinen hast - setz dich."

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Begleitet wird diese praktische Lebenshilfe durch Filme, in denen Männer auf der Straße einer Frau auf den Hintern glotzen. Alle. Auch Frauen sehen wir (wesentlich kürzer) einen Männerarsch angaffen. Merke: Alle tun es. Fremden Menschen auf den Allerwertesten zu glotzen ist das Normalste von der Welt - oder wie einer der Schriftsteller stolz verkündet: "Ich bin Po-Voyeur. Damit verbringe ich meine Zeit."

Das wollte man eigentlich gar nicht wissen. Eine geschlagene Stunde hat man sich nackte Hintern angeschaut, und was kommt dabei raus? Dass Menschen sich gegenseitig gerne auf den Po schauen. Und dass das auch irgendwie mit Sex zu tun hat. "Verborgene Ansichten"? Für den Arsch. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 17.7.2012)

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