Martinz: In der Doppelmühle

Kommentar16. Juli 2012, 18:01
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Josef Martinz ist eine Belastung für die ÖVP, die sich bemüht, jeglichen Korruptionsverdacht loszuwerden

Josef Martinz hat es nicht leicht: Seine Verteidigungslinie kann er ohne Gesichtsverlust nicht ändern, Schuldeinsicht ist ihm schon aus politisch-taktischen Gründen nicht möglich. Wenn er, wie es ihm der Richter Manfred Herrnhofer empfiehlt, ein Geständnis ablegt, kann er vielleicht mit einer milden Strafe rechnen. In die Politik könnte er aber nach so einem Umfaller nicht mehr zurück - also muss er die Unschuldsvermutung für sich selbst aufrechterhalten.

Dass Richter Herrnhofer so dringend zu einem Geständnis rät, lässt für Martinz allerdings erst recht nichts Gutes erwarten: Nachdem die Justiz die Causa Birnbacher jahrelang wenig ernst genommen hatte, könnte nun in erster Instanz eine unbedingte Haftstrafe verhängt werden. Was nach den selbstgesteckten Regeln ebenfalls bedeuten würde, dass sich Martinz aus der Politik verabschieden muss. Er steckt also in einer Doppelmühle.

Das könnte alles als persönliche Angelegenheit eines Provinzpolitikers, der seine Kompetenzen möglicherweise überzogen hat, abgetan werden. Daran wäre allenfalls interessant, dass dies sehr typisch für das System Haider gewesen ist. Es geht aber um mehr: Josef Martinz ist eine Belastung für die ÖVP, die sich bemüht, jeglichen Korruptionsverdacht loszuwerden. Die Kärntner Zustände färben dabei auf die Bundespartei ab - und das ist sehr unangenehm ein Jahr vor der Nationalratswahl. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 17.7.2012)

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