Der tragische Hofnarr

16. Juli 2012, 17:28
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Intendant Karel Drgac zeigt heuer in der Burg von Gars am Kamp "Rigoletto" - Die Freiluftoper ist bis in die Nebenrollen erstklassig besetzt

Gars am Kamp - Eine Narrenkappe, vier Meter hoch, in ihre Hälften zerlegbar, mit Treppen und Nischen: Das ist sinnigerweise das Bühnenbild zu Giuseppe Verdis Rigoletto, ergänzt durch rote und schwarze Schiebewände, dahinter das Mauerwerk einer Burgruine und bis 5. August in der Waldviertler Gemeinde Gars zu sehen.

Große Freiluftoper ohne Verstärkeranlage, an der Wiege Österreichs, nämlich der Babenbergerburg, die auf einem Felsen über dem Kamptal thront - dieses Projekt geht heuer schon ins 23. Jahr, kann auf bisher 300.000 Besucher zurückblicken und ist das Werk von Karel Drgac, ehemaliger Operndirektor in Prag und Brünn, der sich in Gars um alles kümmert: Intendanz, Regie, Bühnenbild.

Für die tragische Geschichte um den Hofnarren Rigoletto, der unwillentlich seine eigene Tochter Gilda töten lässt, hat Drgac wie gewohnt ein internationales Ensemble zusammengestellt: Der Italiener Giuseppe Altomare sang bei der Premiere die Titelpartie, die Albanerin Linda Kazani war eine stimmlich großartige Gilda, der Mexikaner Jose Ortega sang die Tenorpartie des Herzogs von Mantua, das Orchester kommt aus Bratislava und Dirigent Florian Krumpöck aus Wien.

Ein Musik- und Schauspielerlebnis, das bis in die Nebenrollen erstklassig besetzt ist: Der serbische Bass Nenad Jakovljevic als Graf Monterone und der russische Bass Oleg Korotkov als Bandit Sparafucile sorgen mit sicherer tiefer Stimmlage und darstellerischer Glaubhaftigkeit für Gänsehaut beim Publikum.

Ein spezielles Lob für die Verfasser des Programmhefts: Eine derart informative Werkgeschichte bekommt man selten zur Lektüre, speziell bei einer Freiluftaufführung. So erfährt man, dass die Zensur diese Verdi-Oper beinahe verhindert hätte: Venedig, wo Rigoletto 1851 uraufgeführt wurde, stand ja damals unter österreichischer Herrschaft, und den k. u. k. Zensoren war der Stoff zu unmoralisch. Außerdem durfte der König von Frankreich nicht als Wüstling dargestellt werden. Verdi wollte schon alles hinschmeißen, ließ sich dann aber auf den Kompromiss mit dem fiktiven Herzog von Mantua ein. (Harald Steiner, DER STANDARD, 17.7.2012)

Gars am Kamp, bis 5. 8., 20.00

 

 

  • "Unmoralische Geschichte" in Gars am Kamp: Giuseppe Altomare (als Rigoletto) und Madina Serebrykova als Gilda.
    foto: opernair

    "Unmoralische Geschichte" in Gars am Kamp: Giuseppe Altomare (als Rigoletto) und Madina Serebrykova als Gilda.

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