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Einmal will er noch kandidieren, und dann ist Schluss. So hat es Tayyip Erdogan am Wochenende bei einer Parteiveranstaltung in der Provinz versprochen. Der türkische Premier meinte sein Amt als Vorsitzender der Regierungspartei AKP. In Wirklichkeit hat Erdogan noch ganz andere Pläne: 2014 möchte er das Amt des Staatspräsidenten von Abdullah Gül übernehmen. Dann braucht er einen Nachfolger. Der ist nun aufgetaucht: Numan Kurtulmus, Islamist seit langen Jahren und Chef der kleinen Partei der Volksstimme (HAS).
Ihn will Erdogan in die Regierungspartei lotsen. "Für eine neue Türkei sind wir in Gespräche eingetreten", bestätigte Kurtulmus. Der fromme Mann könnte der nächste Vorsitzende der AKP sein, heißt es, ja gar Erdogans Nachfolger im Amt des Regierungschefs. Der türkische Premier stellt in diesen Tagen die Weichen für den Verbleib seiner konservativ-muslimischen Partei an der Macht.
Kurtulmus, jetzt 53, ist Erdogans Alter Ego: fünf Jahre jünger als der Regierungschef, wie Erdogan in Istanbul geboren, aber von der konservativen Schwarzmeerküste stammend und aus demselben politischen Lager. Beide waren Ziehsöhne des Islamisten Necmettin Erbakan, der in den 1990er-Jahren kurz regierte.
Neuer Anstrich
Erdogan brach 2000 mit Erbakan und gründete die reformorientierte AKP, Kurtulmus blieb bis 2010 beim Führer des doktrinären Islamismus: antiwestlich, anti-israelisch, gegen den EU-Beitritt der Türkei, die islamische Bourgeoisie der AKP kritisierend, deren Frauen Kopftücher von Hermès tragen.
Als Erbakan seinem Sohn Fatih führende Parteifunktionen übertragen wollte, war Schluss. Kurtulmus verließ die Saadet-Partei - die Partei der Glückseligkeit. Sehr viel ruhiger auftretend als Erdogan, könnte Kurtulmus der AKP einen neuen Anstrich geben, den sie nach zehn Jahren an der Macht gebrauchen kann - ein wenig mehr links, ein bisschen moralischer. Erdogan habe eingesehen, dass er einen politischen Nachfolger brauche, keine Übergangsfigur, schrieb der Kolumnist Yusuf Kanli, der viele türkische Regierungen kommen und gehen sah. (Markus Bernath, DER STANDARD, 17.6.2012)
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Erdogans Erfolg hängt weniger am Islam, sondern an der Wirtschaft. Wäre die Wirtschaft nicht so gut gelaufen, wäre er längst weg. Er hat es verstanden, ein islamisches Ponzi System zu etablieren. Mit allem, was da zu gehört. Bauboom, Arbeiterrechte beschnitten. Es ist eine neoliberale Wirtschaftspolitik, die seine Klientel begünstigt. Und er lässt auch die etablierten Kräfte der Wirtschaft gewähren, er weiss halt, das er die braucht, zum einen als Feigenblatt nach aussen, zum anderen wegen dem Kapital und der Erfahrung bzw. Kontakten ins Ausland. Die meisten Türken sehen das islamische bei Erdogan eher als Spleen, denn als Gefahr.
Mal gespannt wie es mit dem wirtschaftlichen Boom weitergeht, sobald kein getarnter sondern ein offizieller Islamist an der Macht ist.
Dass es Frauen dann wieder schwer haben werden, ist wohl allen klar. Atheisten und Homosexuellen wirds nicht anders ergehen.
Einzige Frage: darf dann an Schulen etwas unterrichtet werden, dass es nicht zu Zeiten des Propheten gab? Weil danach darfs ja nix neues geben...
Feuer in Istanbul
http://www.rt.com/news/ista... -fire-362/
Hintergründe ?
Mich würde die Definition des Begriffes "Islamist" interessieren.
Auch wenn dieser Begriff keine Bedeutung haben sollte, man darf nicht einen Begriff den man für Osama angewendet hat für diese zivilisierte türkische Politiker verwenden und damit gleichsetzen.
Bitte in Zukunft darauf achten liebe Redaktion.
wäre die Türkei nicht so ein hochgerüsteter Bauernstaat mit reellen Ambitionen zur (orientierungslosen) Regionalmacht.
Militärischer Vasall zu sein schadet einer gesunden Entwicklung, siehe Kolumbien, Iran...
sie sollten auch ev. beachten dass ohne den marshall-plan auch so mancher staat in europa noch ein "bauernstaat" wäre. zu zeiten des kalten Krieges gab es eben mehr oder weniger nur die usa, die die türkei hatte. und aufgrund der geographischen lage und daraus resultierenden spannungen gab es eben nur diesen ausweg.
Was für eine falsche Info! Prof. Erbakan hat Herrn Kurtulmus bis zum Ende unterstützt als Parteiführer.
Er ist aus anderen Gründen gegangen, aber sicher nicht wegen dem, wie es oben geschildert wird.
Und 2020 will er sich zum Kalifen und rechtmässigen Nachfolger des Propheten ausrufen lassen.
PS: Kennen wird den "Präsidententrick" nicht schon von wem anderen? Mir fällt da Putin ein.
weiterhin mit vollem Tempo in Richtung islamistischer Gottesstaat. Erdogan der große "Reformer" machts möglich und ich weiß nicht wie oft sich Atatürk schon im Grab umgedreht hätte ob dieses Rückfalls in vorsintflutliche Zeiten..
jetzt sind 10 jahre vergangen, seit dem die AKP die macht in der türkei hat. sie hatte soger genügend sitze um alleine die verfassung zu ändern, die hat die armee entmachtet. und siehe da, noch immer kein gottesstaat. schon komisch.
wann geht es denn los? und selbst wenn, in der türkei gibt es nachweislich freie demokratische wahlen. wenn die leute die akp wählen, und ein gottesstaat eingerichtet wird, hatt sich das volk dafür ausgesprochen.
kommt aus einer ecke ideologischer sekten, die selber der vergangenheit angehören. noch nie war die türkei erfolgreicher als jetzt und das passt weder den islamisten, die erdogan als zionisten, freimaurer und kirchenbauer denunzieren, noch kemalistischen dinosauriern und pkk extremisten, die erdogan genau des gegenteils bezichtigen. ein mann der mitte, das müsst ihr extremisten aushalten.
Sie mich zuordnen, selbst bezeichne ich mich jedenfalls als linksliberal und sehe mich dabei nicht als Extremist. Gerade aus dieser Sichtweise heraus lehne ich jegliche Bevormundung bzw. Einschränkung durch eine Religion oder sonstige totalitäre Ideologie entschieden ab. Und falls es Sie tröstet, ich fange mit hiesigen Spinnern, die unbedingt einen Gottesbezug in die Verfassung schreiben wollen und die fanatisch an Glaubenssymbolen wie Kruzifixe in öffentlichen Gebäuden und Schulen festhalten, genauso wenig an wie mit islamistischen Eiferern, die am Liebsten alle Frauen zumindest unter Kopftüchern und die gesamte Bevölkerung nur gehorsam und asketisch leben sehen wollen. Leider sind in der Türkei gerade solche Leute an der Macht.
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