Brüsseler Justizpalast gefährdet Mitarbeiter und Besucher

16. Juli 2012, 14:56
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Inspektoren kritisieren neben baulichen Zerfallserscheinungen das elektrische System, ungenügende Evakuierungspläne und die unsachgemäße Lagerung von Gasflaschen und Waffen

Brüssel - Der Justizpalast in Brüssel, eines der imposantesten Gebäude der Stadt, gefährdet Besucher und Mitarbeiter. Zu diesem Schluss kommt ein Inspektoren-Bericht. Der zum UNESCO-Welterbe gehörende Bau stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist stark sanierungsbedürftig.

Die Bilder, welche im französischsprachigen belgischen Fernsehen RTBF zu sehen sind, erinnern an eine Bauruine: Die Bodenplatten heben sich bei jedem Schritt, aus den Mauern ragen Äste und Stromkabel, Teile der Decke liegen in einer der Eingangshallen und in einigen Büros sind zahlreiche Kübel aufgestellt, um das Regenwasser aufzufangen, das durch das Dach dringt.

Rund dreißig Vergehen stellten die Arbeitsinspektoren kürzlich fest. Nebst den baulichen Zerfallserscheinungen kritisieren sie das elektrische System und ungenügende Evakuierungspläne.

Explosionsgefahr

Schwerer noch wiegen die Flüssiggase, Waffen und Gasflaschen, die im Keller als Beweisstücke für verschiedenen Fälle lagern. Die Lagerung sei unsachgemäß und es bestehe Explosionsgefahr. Laut einem Experten würde ein privates Gebäude mit solchen Mängeln gesperrt und jeglicher Zugang untersagt.

"Angesichts der Schwere der Verstöße und der möglichen Konsequenzen für das Wohlbefinden der Mitarbeitenden und Besucher des Justizpalastes muss der Arbeitgeber die Situation sofort in Ordnung bringen", zitierte RTBF am Sonntagabend aus dem Bericht.

Lösungen bis September

Bis im September will eine Arbeitsgruppe aus Vertretern des Justizministeriums und der Bauverwaltung Lösungen präsentieren, sonst drohen hohe Strafen. Bis dahin soll die Arbeit im Justizpalast ihren gewohnten Gang nehmen.

Dabei sorgte das riesige Gebäude mit seinen 27 Gerichtssälen schon früher für Schlagzeilen. Ein Brand im Jänner verursachte schweren Sachschaden. Gelegt wurde er von einem Bekannten eines Angeklagten, um die Fortsetzung eines Prozesses zu verhindern.

Der Mann gelangte einfach ins Innere: Der Palast mit seiner weithin sichtbaren goldenen Kuppel war lange Zeit ohne jegliche Sicherheitskontrolle betretbar, es kam immer wieder zu Befreiungsaktionen von Angeklagten. Erst seit Anfang Juni werden nun elektronische Zugangskontrollen getestet, die 28 Eingänge sollen auf zwei reduziert werden. (APA, 16.7.2012)

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