Klogebühren: Wie man Kunden frustriert

Kommentar16. Juli 2012, 14:03
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Offenbar werden Freiräume vom Zahlzwang heutzutage nur durch Gerichtsurteile erwirkt

Vor kurzem, mitten in den Hundstagen, ging es um das Glas Leitungswasser im Kaffeehaus. Jetzt ist der Streit ums Abkassieren bei dringlichen menschlichen Bedürfnissen am anderen Ende angelangt. Die ÖBB meint, es sei recht und billig, wenn der Klogang in Bahnhöfen kostenpflichtig ist: mit dem Argument, dass bahnfinanzierte Toiletten nur Bahnkunden gratis zur Verfügung stehen müssten - nicht hingegen Fremdnutzern, Bahnhofsshoppern etwa oder gar Obdachlosen, die sich mangels Gebühreneintreibens und/oder Überwachungspersonals niederschwellig einnisten könnten. Mit dem Resultat, dass der Einfachheit halber eben alle zur Kasse gebeten werden.

Nun mag dieser Begründung zwar eine gewisse marktwirtschaftliche Logik innewohnen. Doch der aus ihr folgende Kundenfrust sollte den Verantwortlichen zu denken geben. Wer, etwa in Provinzbahnhöfen, je mit Harndrang, aber unpassendem Kleingeld vor verrammelten Klotüren stand oder aber in Stadtbahnhöfen vom Personal an die Zahlpflicht erinnert wurde, weiß, was peinlich ist.

Zudem reiht sich die Bahnhofklogebühr - übrigens schon lang ein Missstand - in die zunehmende Unwirtlichkeit des öffentlichen Raums ein. Harte, kleine Bänke in Parks, kein Platz, um kostenfrei zu verschnaufen: Offenbar werden Freiräume vom Zahlzwang heutzutage nur durch Gerichtsurteile erwirkt. (Irene Brickner, DER STANDARD, 16.7.2012)

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