Auch Anleihegläubiger sollen in Spanien bluten

16. Juli 2012, 17:02
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Auch private Anleihehalter mit vorrangigem Gläubigerstatus sollen zum Forderungsverzicht gezwungen werden, will die EZB

London - Die Europäische Zentralbank (EZB) will bei der spanischen Bankenrettung einem Zeitungsbericht zufolge auch privilegierte Gläubiger bluten lassen. Wie das "Wall Street Journal" (WSJ) am Montag unter Berufung auf drei Insider berichtete, hat EZB-Chef Mario Draghi auf dem jüngsten Treffen der Euro-Finanzminister gefordert, auch private Anleihehalter mit vorrangigem Gläubigerstatus zum Forderungsverzicht zu zwingen, sollten Banken abgewickelt werden.

Das wäre eine Abkehr von der bisherigen Notenbankposition und ein riskantes Unterfangen, denn es würde vor allem die Investoren treffen, deren Vertrauen die Euro-Retter eigentlich zurückgewinnen wollen. Die EU-Kommission zeigt sich dem Bericht nach wenig aufgeschlossen gegenüber dem EZB-Vorstoß.

Gläubigerstatus

Normalerweise stehen die Anleihe-Investoren der sogenannten Senior-Tranche in der Rangordnung der Gläubiger auf einer Ebene mit den Kundeneinlagen. Sie genießen also größtmöglichen Schutz vor Zahlungsausfällen und stehen bei Insolvenzen ganz vorne in der Schlange, um ihre Mittel zurückzuerhalten. Im bisherigen Verlauf der Krise wurden bevorzugte Gläubiger deshalb noch nie zur Kasse gedrängt - selbst bei absoluten Härtefällen wie den irischen Banken blieben sie durch immensen Einsatz von Steuergeldern ungeschoren.

Bisher war die Notenbank stets vehement dagegen, private Investoren zu belasten. So hatte die EZB beispielsweise beim griechischen Schuldenschnitt eindringlich davor gewarnt, auf diese Weise einen Vertrauensverlust an den Finanzmärkten zu riskieren. Damals war es die Politik, die darauf drängte, private Gläubiger mit ins Boot zu nehmen.

Laut "WSJ" stemmt sich die EU-Kommission dagegen. "Es ist klar, dass vorrangige Gläubiger nicht mit einbezogen werden", zitiert das Blatt einen Sprecher der Kommission. Die EZB wollte sich auf Nachfrage nicht äußern. Die Notenbank sei bei den spanischen Bankenhilfen lediglich als Berater tätig, sagte ein Sprecher.

In der vergangenen Woche hatten die Pläne zur spanischen Bankensanierung bereits für Empörung bei Kleinsparern gesorgt. Denn Privatanlegern, die in nachrangige Schuldverschreibungen und Vorzugsaktien von spanischen Banken investiert haben, drohen auf jeden Fall Abschreibungen. Diese Papiere wurden in Spanien in großem Stil als Sparprodukte an Kleinanleger verkauft.

EZB schweigt

Die EZB will ihre angebliche Kehrtwende bei der Behandlung von Gläubigern nicht kommentieren. Ein Sprecher der Zentralbank sagte dazu am Montag auf Anfrage von Reuters lediglich: "Die EZB berät, wenn sie darum gebeten wird. Der Rat der EZB ist dazu da, sicherzustellen, dass die Behandlung vorrangiger Gläubiger von Anleihen gemäß den EU-Regeln erfolgt." (APA/Reuters, 16.7.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bankensanierung in Spanien.

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