Dialoge zwischen den "zwei Amerikas"

16. Juli 2012, 13:48
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4.500 Geistes- und Sozialwissenschafter treffen sich derzeit beim Amerikanisten-Kongress an der Universität Wien

Wien - An der Universität Wien hat am Sonntag ein sechstägiger Amerikanisten-Kongress begonnen - einer der größten Kongresse im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften, die je in Österreich stattgefunden haben. 4.500 Geistes- und Sozialwissenschafter präsentieren beim "54. International Congress of Americanists" (ICA) ihre aktuellen Forschungsergebnisse. Der regionale Schwerpunkt liegt dabei auf dem wirtschaftlich aufstrebenden Lateinamerika. Bis zu 60 Prozent der ICA-Teilnehmer stammen aus diesem Raum. Diskutiert werden politische, soziale und wirtschaftliche Entwicklungen, aber auch Umwelt- und Energiepolitik und Menschenrechte.

Das Generalthema von "54 ICA" lautet "Building Dialogues in the Americas". Den Organisatoren - der Universität Wien, dem Österreichischen Lateinamerika-Institut LAI und dem Museum für Völkerkunde - geht es, wie betont wird, um die Überwindung regionaler und disziplinärer Grenzen in den Forschungsgebieten. Neben rund 470 Symposien finden im Audimax der Uni von Montag bis Freitag vier Plenarveranstaltungen statt.

Themen-Auszug

In einer der Plenarsitzungen wird Alberto Acosta, ecuadorianischer Ökonom sowie ehemaliger Energie- und Bergbauminister, über das Konzept von "Buen Vivir" ("Gutes Leben") referieren, in dem es um ein harmonisches Zusammenleben und einen sorgsamen Umgang mit den Ressourcen geht. Grundthema einer Tagung im Vorfeld des Amerikanisten-Kongresses war die "Sozial-ökologische Transformation und Energiepolitik in Lateinamerika und Europa". Die 70 Teilnehmer, 20 davon aus Staaten Lateinamerikas, fanden sich zu einem "transnationalen Erfahrungsaustausch" zusammen, wie der Politologe Ulrich Brand im Gespräch betonte.

Die Wirtschaftswissenschafterin Ana Esther Cecena von der Autonomen Universität in Mexiko-Stadt ist Expertin zum Thema Militarisierung, Pablo Bertinat von der Universität Buenos Aires forscht über Energiefragen in Südamerika. Neben dem Institut für Politologie der Uni Wien zeichnen das Renner-Institut und die Rosa-Luxemburg-Stiftung (Brüssel) für die Tagung verantwortlich.

Als Beispiel für mögliche Auseinandersetzungsfelder nannte Brand "das lateinamerikanische Paradoxon", nämlich den Widerspruch, dass linke Regierungen, die mit Versprechen an die indigene Bevölkerung antreten, trotzdem die Ressourcen-Ausbeutung weiter betreiben, um sich auf diese Weise politische Verhandlungsspielräume zu verschaffen. HGOs und Forscher pochen dagegen auf Nachhaltigkeit. (APA/red, derStandard.at, 16.7.2012)


Link
International Congress of Americanists (ICA)
(bis 20. Juli an der Universität Wien)

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uni:view - Amerika in Wien

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