Lange Haftstrafen für G-8-Demonstranten

16. Juli 2012, 10:08
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Bis zu 15 Jahre Gefängnis wegen Krawallen vor elf Jahren in Genua

Rom - Elf Jahre nach den brutalen Krawallen beim G-8-Gipfel in Genua sind vier italienische Globalisierungsgegner inhaftiert worden. Für eine fünfte Demonstrantin wurde die Haftstrafe ausgesetzt, weil sie Mutter eines Kleinkindes ist. Das Kassationsgericht, die dritte und letzte Instanz im italienischen Strafsystem, hatte am Freitag zehn Demonstranten wegen Plünderungen und Verwüstungen zu Strafen zwischen sechs und 15 Jahren Haft verurteilt. Dabei waren die Strafen gemildert worden, die ein Berufungsgericht in Genua im Oktober 2009 gefällt hatte.

Für die anderen Globalisierungskritiker beschloss das Kassationsgericht, dass strafmildernde Umstände berücksichtigt werden müssen. Darüber wird jetzt das Berufungsgericht befinden. In zweiter Instanz waren die zehn Globalisierungskritiker zu Haftstrafen von insgesamt 98 Jahren verurteilt worden.

"Ungerechtigkeit hat gesiegt"

"Ungerechtigkeit hat gesiegt", protestierte Rechtsanwalt Francesco Romeo, Verteidiger eines der verurteilten Globalisierungsgegner. Er unterstrich die riesige Kluft zwischen den hohen Strafen und den Schäden, die die verurteilten Globalisierungsgegner angerichtet hatten. Er bezog sich auch auf die milderen Strafen, zu denen das Kassationsgericht vergangene Woche leitende Kräfte der Polizei wegen Übergriffen auf Demonstranten verurteilt hatte.

Anders sieht die Lage die Genueser Staatsanwältin Anna Canepa, die die Ermittlungen gegen die Globalisierungsgegner geführt hatte. "Genua hat während des G-8 eine dramatische Situation erlebt, wie es in Italien seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr der Fall war. Genua ist von Personen verwüstet worden, die andere Demonstranten daran gehindert haben, auf demokratische Weise gegen die G-8 zu protestieren", so die Staatsanwältin.

25.000 Unterschriften waren zur Unterstützung einer Petition gesammelt worden, mit der man den Freispruch der zehn Globalisierungskritiker forderte. Die Petition wurde von mehreren Intellektuellen und Politikern unterzeichnet. (APA, 16.7.2012)

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