Nordkoreas Armeechef überraschend entlassen

16. Juli 2012, 06:49
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Staatliche Nachrichtenagentur nennt "Krankheit" als Grund - Experten sehen mögliche Machtkämpfe innerhalb der Staatsführung

Seoul - Die überraschende Entmachtung des nordkoreanischen Armeechefs Ri Yong-ho (69) hat Spekulationen über Zerwürfnisse innerhalb der Führung des stalinistisch geführten Landes befeuert. Ri sei aufgrund einer Erkrankung von all seinen Ämtern entbunden worden, berichtete am Montag die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA. Südkorea bezeichnete die Amtsenthebung Ris als "äußerst ungewöhnlich", während Experten mögliche Machtkämpfe dahinter vermuteten.

Der Beschluss, Ri seiner Ämter zu entheben, sei am Sonntag bei einer Sitzung des Politbüros der Partei der Arbeit Koreas gefallen, berichtete KCNA. Zur Begründung nannte die Agentur eine Erkrankung, die aber nicht näher erklärt wurde. Ri war seit 2009 Chef des Generalstabs der Streitkräfte. Er war zudem Vize-Chef der einflussreichen Militärkommission der alles dominierenden Arbeiterpartei und Mitglied des Präsidiums des Politbüros. Von all diesen Aufgaben wurde Ri laut KCNA nun entbunden.

Der Vize-Marschall galt als Vertrauter des im Dezember gestorbenen Machthabers Kim Jong-il, aber auch von dessen Sohn und Nachfolger Kim Jong-un. Ri war einer von sieben ranghohen Vertretern aus Partei und Militär, die bei dem Trauerzug für Kim Jong-il mit dem neuen Machthaber direkt neben dem Wagen mit dem Sarg liefen. Er galt deshalb als eines der Mitglieder des engsten Führungszirkels in Pjöngjang, die Kim Jong-un bei der Übernahme der Macht unterstützten.

Ri wurde in den vergangenen Monaten regelmäßig an der Seite von Kim Jong-un (circa 29) gesehen. Ihr Verhältnis zueinander wurde angesichts zahlreicher gemeinsamer Besuche bei den Streitkräften als vertrauensvoll interpretiert. Der entlassene Armeechef begleitete Kim Jong-un noch vor gut einer Woche bei einer Gedenkzeremonie zum Todestag von dessen Großvater, Staatsgründer Kim Il-sung.

Verwunderung in Südkorea

Die Entmachtung Ris wurde im benachbarten Südkorea mit Verwunderung aufgenommen. Das für die Annäherung der beiden koreanischen Staaten zuständige Vereinigungsministerium bezeichnete die Bekanntgabe durch KCNA als "äußerst ungewöhnlich". Die Situation in Nordkorea werde weiter "mit Interesse" verfolgt, sagte ein Ministeriumssprecher in Seoul.

Die Vorgänge im Machtzirkel in Pjöngjang gelten als so gut wie undurchschaubar. Wer Nachfolger von Ri wird, war zunächst unklar. Beobachter vermuteten hinter der Entlassung des Armeechefs mehrere Gründe. Womöglich sei Ri bei Kim Jong-un in Ungnade gefallen oder habe einen Machtkampf innerhalb des Militärs verloren, sagte Yang Moo-jin von der Universität für Nordkorea-Studien in Seoul der Nachrichtenagentur AFP. Aus gesundheitlichen Gründen würden Partei- oder Militärführer in Nordkorea selten entlassen. Ähnlich äußerte sich Choi Jin-wook vom staatlichen Institut für Nationale Vereinigung in Seoul.

Paik Hak-soon vom Sejong-Institut mutmaßte, das Kim Jong-un mit der Entlassung Ris die Oberhoheit der Arbeiterpartei über das einflussreiche Militär stärken wolle. "Jong-un wird sicherstellen, dass jetzt die Partei die übergroße Armee kontrolliert." Vermutlich werde Kim nun einen jüngeren Offizier einsetzen, der engere Verbindungen zur Arbeiterpartei habe und sich leichter kontrollieren lasse, sagte der Nordkorea-Experte.

Vermutlich habe Ri gegen die Versuche der Partei, ihren Einfluss zu stärken, protestiert, sagte der südkoreanische Forscher Cheong Seong-chang. Seine Entlassung zeige, dass selbst Vertraute von Kim Jong-un "über Nacht gefeuert" werden könnten. Die nordkoreanische Armee ist mit 1,2 Millionen Soldaten eine der größten der Welt. Sie verfügt über eine maßgebliche Stellung im Land und wird mit Unsummen gefördert, während Millionen Nordkoreaner Hunger leiden. (APA, 16.7.2012)

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    Ri Yong-ho wird in Zukunft nicht mehr an der Seite von Kim Jong-un auftauchen.

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