Wirbel um angeblich wiederentdecktes Klimt-Bild

15. Juli 2012, 18:16
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Werk soll in Garage aufgetaucht sein - Experte ordnet "schlechte Dekorationsmalerei" Klimts Bruder Ernst zu

Linz - Ein angeblich verschollenes Bild des berühmten Malers Gustav Klimt hat am Sonntag für Aufregung gesorgt. Wie die "Krone" in ihrer aktuellen Ausgabe berichtetet, soll das Werk "Der trompetende Putto" am Freitag in einer Garage in der Nähe von Linz aufgetaucht sein. Einem Experten zufolge ist das Bild jedoch längst bekannt und definitiv nicht dem Schaffen des berühmten Künstlers zuordenbar.

Das mächtige Rundbild mit einem Durchmesser von etwa 170 Zentimeter soll jahrelang in einer Garage gelegen haben. Seinen ursprünglichen Stammplatz hätte das Werk in der Sandwirthgasse in Wien-Mariahilf gehabt, dem Atelier des berühmten Malers. Vor einigen Jahren wurde das Rundbild im Zuge von Umbauarbeiten für eine Liftanlage verstaut und soll dadurch verloren gegangen sein, bis der Garagenbesitzer einen Kunstsammler auf das Bild aufmerksam gemacht hätte.

"Dieses Werk geistert seit den 60er Jahren als Werk von (Gustav, Anm.) Klimt durch die Medien. Man versucht immer wieder, das Bild anerkennen zu lassen, gerade jetzt im 150-Jahr-Jubiläum", wird Alfred Weidinger, Klimt-Experte und Vizedirektor des Wiener Belvedere in Wien sowie Kurator der derzeitigen Klimt-Ausstellung, am Sonntag von ORF-Oberösterreich zitiert. In Recherchen für den Gustav-Klimt-Werkkatalog habe man Studien für dieses Gemälde von Ernst Klimt - dem Bruder Gustavs - gefunden.

"Reine Dekorationsmalerei"

Gegenüber der APA bekräftigte Weidinger seine Bedenken: "Es ist reine Dekorationsmalerei und eine schlechte noch dazu." Er selbst habe das Werk schon begutachtet und kenne die Geschichte mit dem Lifteinbau, wodurch das Werk verloren gegangen sein soll. "Es ist eine Arbeit von Franz Matsch und Ernst Klimt. Es haben sich Vorstudien erhalten und daher kann man hier eine eindeutige Zuordnung machen." Trotzdem ist er über jeden Klimt-Hinweis froh: "Meine Mitarbeiter und ich gehen jeder Meldung von Klimt-Bildern nach und nehmen es ernst", so Weidinger. Insgesamt gebe es noch "gut ein Dutzend" an verschollenen Werken des berühmten "Kuss"-Malers, die es aufzuspüren gilt.

Über den Wert des Bildes wollte Weidinger nicht sprechen: "Ich rede prinzipiell nicht über Summen." Würde das nun gefundene Bild versteigert, wie es der Kunstsammler in den Zeitungsberichten beabsichtigt, räumt ihm Weidinger wenig Chancen ein: "Jedes Auktionshaus tritt an uns heran, wenn es um Klimt geht. Und als Gustav Klimt-Gemälde kann ich es eindeutig nicht deklarieren." (APA, 16.7.2012)

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