Magyarische Magie

15. Juli 2012, 17:59
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Kálmáns "Gräfin Mariza" in der Sommerarena Baden

Baden bei Wien - Beschauliches Baden. Zwischen gut erhaltenen älteren Häusern flanieren gut erhaltene ältere Menschen im milden Schein des Abendlichts. Der allgemeine Schlendrian kennt als Ziel die städtische Arena; bescheiden schmiegt sich dieses kleine Juwel zum Haupte des Casinos an die sanften Hügel des Kurparks.

Kreuzen hier schon seit Ende Juni Die drei Musketiere in einer musikalischen Bearbeitung von Ralph Benatzky ihre Klingen, so wird das vergnügliche Treiben der Bühne Baden in der Sommerarena um paprikalastigen, gulaschsaftigen Operettenadel erweitert: Emmerich Kálmáns Gräfin Mariza herrscht hier seit dem Wochenende mit Stolz, Geld und reichlich Dienerschaft.

Mit der Magie des Magyarischen, dem in diesem Genre über Jahrzehnte arg strapazierten Agens komödiantischer und erotischer Entwicklungen, suchte ja auch die "Silberne Operette" Glanz und Publikumsgunst zu erreichen. Und sie erreicht Letzteres noch immer: Begeisterung und Freude brechen sich Bahn, wenn Baron Koloman Zsupán (komödiantisch stark: Thomas Markus) in fettem Ungarischdeutsch schweinische Gedanken hegt und wenn Lisa (sympathischer Wirbelwind: Kerstin Grotrian) vorerst verzweifelt, dass diese nicht ihr gelten. Ein noch originaleres Ungarischdeutsch als Markus spricht Tibor Szolnoki (Fürst Populescu), während Heinz Zuber als Tschekko so gekonnt "behmelt", wie er Pointen setzt.

Gräfin Mariza (Hege Gustava Tjønn) und Graf Tassilo (Thomas Sigwald) lassen zwar wiederholt Zigeunerweisen und -geigen vor den Liebeskarren spannen, sprechen aber natürlich, wie sich das für den Adel auch nach dem Zusammenbruch der Monarchie noch gehört, Hochdeutsch. Sigwald kommt stimmlich bis auf kleine Gefahrenmomente nobel durch seine Partie, Tjønns Sopran weist leichte Gebrauchspuren eines bewegten Bühnenlebens auf - was sie aber durch ihre enorm souveräne, schöne, Hitchcock-blonde Erscheinung vergessen zu machen versteht.

Schwer aus dem Gedächtnis löschen kann man das potthässliche Bühnenbild (Susanne Thomasberger), in welchem sich die von Isabella Fritdum routiniert in Szene gesetzten Liebeshändel ereignen, erinnerlich bleibt auch das von László Gyükér mit Verve und Feingefühl geleitete, angenehm musizierende Orchester der Bühne Baden. Wie sagt der Diener Penizek so schön: "Der Rest sind Geigen." (end, DER STANDARD, 16.7.2012) 

Bis 6.9.

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