Feiernde Jugendliche wühlen IT-Branche auf

15. Juli 2012, 17:23
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US-Realityshow "Silicon Valley" entzweit im Vorfeld, Zuckerberg-Schwester produziert

Palo Alto/Wien - Es wirkt wie eine dieser ganz normalen Realityshows, wie sie das Fernsehen gern für jugendliches Massenpublikum bereithält: Eine Handvoll gut gebauter Mädels und Jungs, viel nackte Haut, wilde Partys, Feiern, Tanzen, Trinken, schnelle Autos, Haare flattern im Wind und Werbesprüche, die Erwartungshaltungen definieren: "Silicon Valley - das ist Highschool mit smarten Kids, die sehr viel Geld besitzen."

Wie am Reißbrett entworfen, dachten vermutlich die TV-Manager des NBC-Senders Bravo, als sie die Show für kommenden Winter ankündigten. Mit dem folgenden Wirbel hatten sie womöglich nicht gerechnet: Seit April will der Sturm der Entrüstung über die Realityshow Silicon Valley nicht abflauen. Auf pseudoreale Lustbarkeiten aus dem Tempel der Hightech-Industrie haben deren Bewohner wenig Lust: "Pfui! Bleibt in L. A.!", rief der Unternehmer Kevin Rose per Twitter Bravo zu. Die IT-Branche fürchtet um ihren Ruf und dass der Fortschrittsglaube vom sündigen Fernsehen erschüttert wird.

"Es ist ziemlich eindeutig, dass sie uns als The Jersey Shore ohne braunen Teint verkaufen wollen", unkte die Technologiejournalistin Sarah Lacy in Anspielung auf die Italo-Muskelprolls von MTV, die derzeit im Realitykosmos die Helden des ganz Tiefen sind.

"Spannende Möglichkeiten"

"Schock, Hedonismus und vorhersehbare Erzählstränge", erwartet Forbes -Kommentator Ewan Spence. Bis zur Ausstrahlung würden einige Leute sehr beunruhigt sein, spekulierte der Journalist. Weil die Protagonisten mit dem Grundgerüst US-amerikanischer IT-Unternehmen spielen: "Und ich nehme an, dass sie sehr wenig tun können, um die Geschichte zu ändern, die Bravo bereits beschlossen hat zu erzählen", sagt Spence.

Mark Zuckerbergs ältere Schwester Randi produziert die Show und erweist sich in der Debatte als echtes Mitglied der Familie: "Wo andere Risiken sehen, sehe ich spannende Möglichkeiten." Zuckerberg rechtfertigte sich über Facebook für ihr Engagement: Die Show komme zur richtigen Zeit, denn angesichts des wirtschaftlichen Klimas sei es positiv zu bewerten, wenn "Mainstreammedien Unternehmer- und Gründergeist feiern und Leute, die Innovationen verfolgen, in der Öffentlichkeit als erstrebenswert porträtieren".

Schlechtes Image kann die Hightech-Metropole im Moment tatsächlich am allerwenigsten brauchen. Palo Alto, das Zentrum des Silicon Valley in Kalifornien, verliert an Anziehungskraft: Das soziale Netzwerk Pinterest übersiedelt nach San Francisco. Finanzielle Vergünstigungen lockten bereits Twitter, Facebook-Spieleentwickler Zynga und die Mietplattform Airbnb.

Die Entrüstung lässt nicht nach. Eben lieferte die New York Times einen Beitrag. Bravo schweigt - und genießt den Medienrummel. (Doris Priesching, DER STANDARD, 16.7.2012)

  • Feiern in "Silicon Valley": Die wilden Partys der Jungen in der IT-Metropole sind etablierten IT-Managern ein Dorn im Auge.
    foto: screenshot

    Feiern in "Silicon Valley": Die wilden Partys der Jungen in der IT-Metropole sind etablierten IT-Managern ein Dorn im Auge.

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