AMS: "Es ist explodiert wie ein Druckkochtopf"

Gerald John
15. Juli 2012, 17:50
  • Der ehemalige Firmenpartner bekam fünf Aufträge vom Ministerium, in dem sie an zentraler Stelle arbeitete: Petra Draxl sieht daran nichts Verfängliches.
    foto: standard/fischer

    Der ehemalige Firmenpartner bekam fünf Aufträge vom Ministerium, in dem sie an zentraler Stelle arbeitete: Petra Draxl sieht daran nichts Verfängliches.

Petra Draxls Bestellung zur Wiener AMS-Chefin geriet nicht nur wegen Postenschachers, sondern auch wegen fragwürdiger Auftragsvergaben in die Kritik

Wien - Der Start in den neuen Job hätte kaum holpriger ausfallen können: Von politischen Querelen war der Amtsantritt von Petra Draxl als neue Chefin des Wiener Arbeitsmarktservice (AMS) überschattet. Die 50-Jährige steht nicht nur im Verdacht, Günstling von Postenschacher zu sein. Sie geriet auch wegen einer Auftragsvergabe an die Firma ihres ehemaligen Geschäftspartners in Kritik.

Nun nimmt Draxl Stellung - und legt Details zu ihren Geschäftsbeziehungen offen.

Wie der Standard berichtete, geht es um Beteiligungen, die sie mit Karl Zehetner an diversen, auf Arbeitsmarktprojekte spezialisierten Firmen hielt. Als sie jedoch im September 2009 als Abteilungsleiterin für den Europäischen Sozialfonds (ESF) ins Sozialministerium wechselte, habe sie alle Verbindungen gekappt, sagt Draxl. Deshalb sei auch nichts Verfängliches daran, dass Zehetner - wie sie darlegt - im Bereich Arbeitsmarkt und ESF fünfmal direkter oder indirekter Auftragnehmer des Ministeriums wurde.

Widerspruch vom Firmenbuch

Draxls Problem: Das kroatische Firmenbuch widerspricht ihr. Demnach hielt sie gemeinsam mit Zehetner nicht nur bis Oktober 2011 eine Beteiligung an einer Firma mit dem Namen BIT. Wie Draxl nun einräumt, führt sie das Register bis heute noch als Geschäftsführerin eines weiteren Unternehmens namens Kastra.

Auch die kroatischen Beteiligungen habe sie allesamt rechtzeitig abgestoßen, beteuert Draxl. Die anderslautenden Vermerke im Firmenbuch erklärt sie im ersten Fall mit den langsamen Behörden und im zweiten mit Säumigkeit Zehetners bei der von Komplikationen gebremsten Liquidierung der Firma. Beide Unternehmen seien extra für einzelne Ausschreibungen in Kroatien gegründet worden, aber letztlich Papiertiger geblieben, weil die Aufträge an Konkurrenten gegangen waren, sagt Draxl: "Zu meiner Zeit hat es kein einziges Geschäft gegeben."

Doch abgesehen davon: Warum vergab das Sozialministerium fünf Aufträge just an einen Geschäftsmann, dessen ehemalige Firmenpartnerin an prominenter Stelle im Ministerium saß? Es gebe in dem Bereich nicht viele spezialisierte Anbieter, sagt Draxl. Die meisten Bewerber rissen sich um lukrative Arbeitsmarktprojekte, Zehetner hingegen biete technische Hilfe bei der Abwicklung der Fördergelder an. Überdies sei Freunderlwirtschaft a priori ausgeschlossen worden: Sobald bei einer Ausschreibung die ehemals gemeinsame Firma Public Management ins Spiel gekommen sei, sagt sie, "musste ich alle Entscheidungen an Vorgesetzte abgeben".

Vorwürfe klären

Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) selbst hat alle Unterlagen an die Staatsanwaltschaft geschickt, um die Vorwürfe klären zu lassen. Dennoch machte er Draxl zur AMS-Chefin - gegen scharfen Protest von der Wirtschaftskammer: Die (Wiener) SPÖ habe eine gefällige Kandidatin durchgedrückt, obwohl die bisherige Vize-Chefin Inge Friehs beim Hearing Erste geworden sei.

Dass hinter ihrer Wahl ein politisches Ränkespiel stehe, ist für Draxl " nicht nachvollziehbar". Sehr wohl glaubt sie aber, dass die Stimmung im Wiener AMS schon lange gebrodelt habe: "Nun ist alles wie ein Druckkochtopf explodiert." Verbesserungsbedarf sieht sie einigen, etwa bei der Vermittlung schlecht qualifizierter Jobsucher: Viele würden in AMS-Kursen "im Kreis" geschickt. (Gerald John, DER STANDARD, 16.7.2012)

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Das AMS ist - was Ausschreibungen betrifft - ein einziger Korruptionssumpf!

1) Aufträge gehen an Bewerber, die schon auf den ersten Blick die personellen Voraussetzungen nicht erfüllen, weil sie statt Trainern Praktikanten einsetzen und Löhne angeben, die nicht plausibel sind!

2) Mitbewerber werden mit fadenscheinigen Ausreden (meist Formalismen) aussortiert

3) Klagen und Einsprüche gegen Auftragsvergaben nach Ausschreibungen sind an der Tagesordnung!!!

Arbeitslos

Ich kann nur sagen gehört privatisiert.Der was arbeitslos ist oder wird kann zu95% nichts dafür. Aber die Wirtschaft soll auch dafür schauen wenn die Person entlassen wird das die Person auch wieder einen Job bekommt und die Mängel was die Person hat wird zur Schulung geschickt. Das die Person nicht mehr entlassen werden kann wegen beruflicher Unfähigkeit.Wenn es an menschlicher Seite fehlt wird er auch auf einen Benimmt Dich Kurs.

die Millionentöpfe der Armutsbewirtschaftung

schön unter dem Vorwand der "Qualifikation".

In Österreich ist man nämlich nur arbeitslos, weil man "minderqualifiziert" ist.

Darum sucht ja die Wirtschaft so verzweifelt und händeringend nach Facharbeitern. (die 5.000 IT-Inder warten ja auch noch alle auf die Ö-Card)

Ein Bedingungsloses Grundeinkommen würde sich folgendermaßen rechnen: Streichen von

x) AMS
x) BIT, Mentor & Co

und schon ist's finanziert.

- oder funktioniert am Ende der ganze Staat genau so:
Leute am Drücker (0,1%) ziehen den letzten Rest aus denen in der Hierarchie unter ihnen (99,9%)?

ein druckkochtopf explodiert nicht, dazu hat er eben ein überdruckventil

aber das scheint diese vorzeige-spoe-quoten-tu...i halt noch niemand gezeigt zu haben - vielleicht sollte sie mal einen ams/bfi kochkurs belegen?

Wollte einmal von BIT einen Kostenvoranschlag für eine Schulungsmaßnahme bekommen:

Antwort: Gibt es nicht, dürfen wir nicht ...
Kosten dürfen nur BIT und das AMS kennen.

Jeder der selber KV für Schulungsmaßnahmen bei seriösen Schulungsfirmen einholt, kann sich das sparen, weil BIT ua. Firmen immer ohne Bekanntg. der Kosten gewinnen.

Wenn man bei BIT (damals) gelandet war, dann war die zwingende Voraussetzung die Absolvierung eines Bewerbungtrainings (auch wenn man ein solches bereits nachweislich erfolgreich absolviert hatte) oder des EDCL.

Ohnen diese (wochenlangen) Zwangskurse gab es keine Chance auf fachbez. Schulung. So wird zusätzllich Umsatz bei den "Schulungs"unternehmen generiert.

Der EDCL-Kurs nat. auch für IT-Fachkräfte auf Senior-Level.

Schulungen selber zu bezahlen gilt beim AMS als Arbeitsunwilligkeit.

Es ist tatsächlich eine sehr eigenwartige Praktik, dass Arbeitslose die Kosten ihrer Kurse nicht erfahren dürfen, die allerdings verständlicher wird, wenn man die oft gigantischen Kosten von Pimperlkursen kennt.

Die Menschen jammern, wenn sie für einen Installateur Geld bezahlen müssen, ohne zu bedenken, dass für diese Arbeit jahrelange Ausbildung, körperliche Anstrengung und ein gewisses handwerkliches Talent notwendig sind. Macht dieser Installateuer einen Fehler bei der Gasheizung, fliegt möglicherweise das Haus in die Luft.

Gleichzeitig zahlt man oft gleich hohe oder sogar höhere Stundensätze für "Berater", deren Ausbildung aus einem Pimperlkurs, deren "Arbeit" aus Wiederkäuen von Worthülsen besteht und deren Beratung mehr oder weniger effektlos im Winde verweht.

Das ist nicht korrekt

wenn Sie die AMS Zuschlagsliste einsehen, brauchen Sie nur die Gesamtsumme durch Teilnehmerzahl dividieren! Da gibt's Kuriositäten genug! Siehe AMS Wien Service Seite bei Ausschreibungen.

Ein solcher Pimperlkurs-Coach war ein ehem. Studienkollege von mir. Der machte Einzelbetreung für Langzeitarbeitslose. Der hatte selber nicht einmal eine Ahnung wie eine Bewerbung aussehen sollte. Dabei waren das defakto Bewerbungskurse, wo man dem AL genau auf die Finger schauen sollte, wo es denn nicht klappt beim Bewerben.

Diese "Coaches" leben selber wohl oft in prekären Verhältnissen und können den AL nicht wirklich helfen, denn sonst hätten sie ja selber eine ordentliche und gut bezahlte Anstellung.

Von daher können diese exorbitanten Kurskosten also nicht herrühren.

Nein, natürlich nicht, diese Coaches arbeiten um wenig Geld, sind allerdings meist auch sehr unqualifiziert.

Das Geld fließt zu den Firmen, die diese Kurse veranstalten.

Viele mögen unterbezahlt sein. Einige werden direkt aus Kursen heraus rekrutiert. Und dann gibt es noch solche, die nebenher zum Beispiel einen Friseurladen betreiben, oder andere Geschäfte. Die meiste Zeit aber, stehen diese Leute in Diensten von zB. BFI, und überwachen dort Arbeitslose beim schreiben von Bewerbungen.

Bei vielen mag das Entgelt nicht einmal unterbezahlt sein, wenn man ihre mageren Fähigkeiten ansieht - man möge es mal mit den Stundensätzen vieler Angestellte/Arbeiter vergleichen.

Das Ärgerliche ist, dass dieser Erwachsenen-Zwangskindergarten als "Ausbildung" um unser aller Geld teuer angekauft wird.

Was ist das?

"... Abwicklung der Fördergelder"
"...hingegen biete technische Hilfe ..."

Gedankenkonstrukt: die "anderen" wollen lukrative Arbeitsmarktprojekte. aber hier ging es um technische (EDV?) HILFE für die "Abwicklung" der Fördergelder. z.B:
erkundigen, WO die "Förder"gelder liegen?
WER zu bei den Anbietern zu kontaktieren ist?
Formulare ausfüllen?
Laufzettel bereitstellen?
Erklären, wie man Konten einrichtet?
Geldflüsse abrufen?
Geldflüsse kontrollieren?
und was man "technisc"h sonst noch so alles HELFEN könnte, um die Führung des AMS zu unterstützen.

Wird dadurch das Budget für die Erwerblosen vermindert?
Wenn das AMS die Infrastruktur stellen würde, könnten einige erfahrene Erwerbslosen gegen Bonus diesen Job auch übernehmen ...

Das AMS belastet die Wirtschaft, weil arbeitswillige und ausbildungwillige Menschen in wochen- und monatelangen Dodelkursen dahintümpeln.

Es geht nur darum diverse Schulungsfirmen, besser gesagt, deren *Inhaber* das finanzielle Auskommen zu sichern.

Vor den echten Kurstagen (2x50 Minuten!) müssen sie bis zu 3 mal anreisen nur um ein paar Zettelchen auszufüllen (Ja das sind schon die ersten drei "Kurstage").

Mit Daten ausfüllen die sie schon beim AMS unterschrieben und mit Ihrem Blut beschworen haben.

Diese auf Monate hingestreckten Dodelkurse kosten wahrscheinlich mehr als man den meisten AL-Versicherten in einem Monat an AL-Bezug ausbezahlt. Wirkung nahe 0.

Dieses System kann man nur liquidieren, da ist nichts mehr zu reparieren.

Ich war immer schon ein bissl neugierig, wer hinter den Auftragnehmern der supertollen AMS-Kurse steht.

Ob allerdings die hier Genannte nicht auch bloß eine Figur vor Hintermännern ist ist natürlich fraglich.

Da geht es um stetig fließende Millionenbeträge, und es naschen nicht nur WIFI und BFI, sondern auch diverse Partei/Freunde mit.

Das ganze AMS gehört endlich zerschlagen und neu organisiert, es ist wohl eine der katatrophalsten Institutionen, die unser Land zu bieten hat, und die zuständigen Politiker haben es recht gut geschafft, den Volkszorn über die versickernden Beiträge auf die Arbeitslosen umzulenken.

Arbeitsvermittlung hat das AMS ja ohnedies noch nie geboten, aber bloß verwaltende Tätigkeit hätte den Zugang zum Geldfluss erschwert.

Ja, am Beispiel "AMS" konnten wir life verfolgen, was "Privatisierung" so alles mit sich bringt!

eine stimme der vernunft gegen das bashing

petra draxl ist seit der zweiten hälfte der 80er jahre in der arbeitsmarktpolitik tätig. sie hat in diesen jahren mehrmals "die seiten gewechselt", kennt also das geschäft von beiden seiten - aus sicht der behörde und aus sicht einer privaten anbieterin - was bitte ist daran so schlecht und verwerflich?
ihre konkurrentin dagegen war in den letzten jahrzehnten immer an derselben stelle - dem ams wien - tätig und hat damit diverse skandale um die vergabe von aufträgen an bestimmte anbieter mit zu verantworten. was die beauftragung draxl's ex-gechäftspartners anbelangt - wenn man sich die kolportierten summen anschaut, geht es hier um peanuts im vergleich zum vergabeskandal am ams wien.
lasst sie bitte einfach mal arbeiten!

Sie schreiben ganz richtig:

"... kennt das GESCHÄFT von beiden Seiten...".

Bei dem Geschäft hat sie und ihr (angeblicher) nicht - mehr Partner genug verdient.

die gehört in einen ihrer "Aktivierungskurse"

wo man lernt sich in der Früh zu waschen und nicht im Pyjama aus dem Haus zu gehen.

hat sie dermaßen einmal die Seite gewechselt, können wir weiter reden ....

welche seiten, die parteiseite wohl nicht, immer dick in der roten freunderlbrühe herumgeschwommen

zig unabhängige personalauswahlverfahren haben die nun ins amt gesetzte dame hinter den anderen kandidatInnen gereiht.

dass solche geschobenen besetzungen im öffentlichen österreich des jahres 2012 immer noch funktionieren ist nicht mehr oder weniger als eine riesensauerei!

jene leute, die objektivierungskommissionen so offensichtlich ins knie f....n, bzw. dieses veranlassen gehören fristlos von ihren ämtern entlassen und vor gericht gestellt. sonst hört dieser affenzirkus einfach nie auf!

...

hundstorfer samt der korrupten psychologenpartie aus dem ams entfernen und hunderte opfer pro jahr einsparen...

AMS - Firmenverflechtung

was wusste der Minister - wird wohl nicht befragt werden

Da muss ein schwarz-rot-blauner Wettbewerb laufen:

"Was geht bei dem depperten Wahlvieh noch alles eine?"

Grün ist noch in der Qualifikation (ESM).

Wäre hoch an der Zeit für die Druckkochtöpfe im Land, endlich zu explodieren.

Eigenartig

quer über alle Medien - vor allem quer über alle Poatings - zieht sich ein "Sturm der Entrüstung" betreffend der AMS GF Besetzung. Jeder weiß oder glaubt zu wissen, welche korrupten Vorgänge - natürlich politisch motiviert und individuell nutzbringend - ablaufen. Gleichzeitig wird eine Märtyrerin geschaffen, die den Schmarrn 18 Jahre mitgetragen hat und eine Neue präsentiert, die schon anfänglich ordentlich "sumpft" ! 3 Kandidaten gab es - wieso fand sich niemand mit "weißer Weste"? Bin nicht unbedingt Freund der ministeriellen Entscheidung, der Anderungsbedarf wurde zwar erkannt ( nicht von den Schwarzen) - aber Ruhmestat war dies wahrlich keine. Vermutlich wird Chaos prolongiert - oder Frau Draxl?

das ist eigentlich alles nur noch ohne worte....

.....musste sämtliche Entscheidungen an Vorgesetzte abgeben, wenn´s um die Vergabe an die Exfirma ging ?-na für was war´s dann da, die Fr. Draxler, zum Delegieren an die Vorgesetzten ???
".....gibt nicht viele spezialisierte etc. auf dem Gebiet"..., bla, bla bla
ich kann gar nicht soviel essen, wie ich kotzen wollte bei solchen Vorgängen in der Republik & das ist nur ein solcher Vorgang von 100erten jeden Tag.....Bananenrepublik ist stark untertrieben & eientlich eine Verharmlosung der Sitten in Ö.

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