Pongauer Posaunen für Spitzenmusik

15. Juli 2012, 12:41
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Ein kleiner Familienbetrieb in Bischofshofen fertigt in Handarbeit Instrumente für Orchester und Opern in der ganzen Welt

Salzburg - Martin Lechner senior ist kein Mann, dem es an Selbstbewusstsein mangelt: "Wenn ein Orchester mit einem Satz unserer Instrumente ausgestattet ist, dann ist das vom Klang unschlagbar", sagt der 60-Jährige. Seit bald 35 Jahren stellt der Pongauer in seinem kleinen Familienbetrieb in Handarbeit Blechblasinstrumente von höchster Qualität her. Zu den Kunden des Unternehmens zählen nicht nur Bläser aus zahllosen Musikkapellen: Rund 100 Orchester und Opernhäuser aus aller Welt schwören bereits auf die Handwerkskunst aus Bischofshofen.

"Wir wollen Instrumente bauen, die den individuellen Anforderungen eines Bläsers entsprechen. Der Klang, die Töne, die Intonation: Das muss alles passen", erklärt Sohn Martin junior (35), der gemeinsam mit seinem Bruder Christian (30) beim Vater gelernt hat. 2009 haben die beiden den Betrieb übernommen. "Spielen können sie überall auf der Welt gut", erzählt der Senior. "Aber der Klang macht den Unterschied aus. Der kann ohne die Handarbeit, die spezielle Art und Weise der Materialbearbeitung nicht erreicht werden."

Viel Arbeit

Rund 30 Stunden dauert es, bis aus Rohblech etwa eine fertige Trompete entsteht, bei größeren Instrumenten auch deutlich länger. Die Messingbleche werden zunächst zugeschnitten, gebogen und zu Röhren und Trichter verlötet. Dann gießen die Instrumentenbauer geschmolzenes Blei in das Rohr. Wenn dieses abkühlt ist, kann das Messing rundherum gebogen werden, ohne zu brechen. Falten werden so lange gehämmert und in Form gebracht, bis die Oberfläche glatt ist. "Die Luft muss gut fließen. Der Widerstand beim Reinblasen darf nicht zu leicht und nicht zu schwer sein", erklärt der Vater.

Die Arbeit erfordert Fingerfertigkeit und Geduld. Dann wird das Blei erneut erhitzt und wieder ausgelassen. Später werden die einzelnen Teile geschliffen und - noch bevor sie zusammengebaut werden - mit Edelmetall überzogen. "Wir vergolden oder versilbern die Instrumente, je nach Wunsch. Das ist ein enormer Unterschied im Klang. Silber erzeugt einen hellen Ton, Gold einen weichen." Jeder Mitarbeiter arbeitet übrigens von Anfang bis zum Ende an einem Stück. "Ein anderer ist einfach nicht so genau wie du selbst", sagt Sohn Christian. "Und ein Instrument muss rundum passen: Vom Mundstück bis zu den Ventilen."

300 Stück pro Jahr

So entstehen in der Werkstatt der Lechners rund 300 Blechblasinstrumente im Jahr: Zugposaunen und Barocktrompeten, Tubas und Flügelhörner - und manchmal auch sehr selten eingesetzte Instrumente: "Die Wagner-Tuba oder das Posthorn kommen nur in gewissen Stücken vor." Je nach Auftragslage betragen die Wartezeiten bis zu einem Jahr. Die Preise für Lechner-Instrumente liegen rund ein Drittel höher als bei industriell gefertigten Produkten. "Eine Spitzentrompete kostet bei uns etwa 4.000 Euro."

Besonders die Festspielzeit bedeutet für das Trio Hochsaison. "Da sind Weltklasseleute da. Das ist unsere Klientel", betont der Senior. "Die Musiker nutzen ihre Anwesenheit in Salzburg, um bei uns die Instrumente zu probieren." Die sind übrigens keine maßgeschneiderten Unikate. "Aber wir haben eine breite Palette an Modellen in allen Größen, die jeder für sich adaptierten lassen kann. Wir geben ein Fingerloch dazu oder bauen eine Trompete für einen Linkshänder um", erzählt Christian.

Per Zufall zum Beruf

Der Vater kam einst nur durch Zufall zum Beruf, als er zwischenzeitlich in einer Reparaturwerkstatt für Instrumente aushalf. Er leckte Blut und lernte in Deutschland das Handwerk des Blechblasinstrumentenbauers. 1978 gründete er in Bischofshofen seine eigene Firma. Zwei Jahre später blies bereits der erste Musiker der Wiener Philharmoniker in eine Lechner-Trompete. Herbert von Karajan persönlich habe ihm einmal angeboten, nach Berlin zu gehen und dort Instrumente zu bauen, erklärt der Senior. "Aber ich brauche Ruhe zum Arbeiten. Ruhe, die ich nur hier finde."

Heute lebt der Handwerksbetrieb von der Mundpropaganda. Werbung gibt es kaum. "Alles, was wir investierten, geht in die Entwicklung. Die Ansprüche der Musiker verändern sich, beim Spielverhalten, bei der Intonation. Das Niveau hat sich enorm gesteigert. Dem muss man Rechnung tragen." Darum variieren, adaptieren und experimentieren die Geschwister beim Bau der Instrumente. "Die Musiker sagen mir, wo ich hin muss. Diesen Input brauche ich für die Arbeit", betont Christian. "Das ständige Weiterentwickeln ist wichtig. Davon leben wir." (APA, 15.7.2012)

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    Bis dem Instrument Töne zu entlocken sind, ist einiges an Handarbeit nötig.

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