"Geldregen brachte Neid nach Schladming"

15. Juli 2012, 12:03
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Der Rausschmiss des Planai-Bahnen-Chefs nährt Gerüchte, es könnte weit mehr dahinterstecken als ein Rechtsstreit um dessen Gehalt. Es geht um die WM 2013 und 400 Millionen Euro

Graz - "Mir ist absolut nichts vorzuwerfen", sagt Ernst Trummer, "diese Hinrichtung auf offener Bühne schmerzt schon." Auf der Autobahn, eine Stunde vor der Pressemitteilung des steirischen Landeshauptmann-Vizes Hermann Schützenhöfer (ÖVP), habe er erfahren, dass er als Chef der Planai-Hochwurzen-Bahnen, an denen das Land mehrheitlich beteiligt ist, hinausgeschmissen werde. Trummer im Gespräch mit dem Standard: "Nach so einem Tiefschlag beginnt man natürlich, eins und eins zusammenzuzählen." Es sei ihm nun einiges klarer geworden, warum er über Nacht vom sportlichen Großereignis Ski-WM 2013, das seine Planai-Bahnen federführend managen, abgezogen worden sei. Das werde wohl in der rechtlichen Auseinandersetzung mit dem Land noch erörtert werden. Mehr könne er momentan dazu nicht sagen.

Vorwurf und Rechtfertigung

Trummer wird von Schützenhöfer vorgeworfen, er habe ohne die "Generalversammlung" der Planai-Bahnen - also ohne ihn als Eigentümervertreter - zu kontaktieren, den Dienstvertrag vom Aufsichtsrat abändern lassen, um zusätzlich für seine Tätigkeit beim laufenden Falkensteiner-Hotelprojekt, an dem die Planai-Bahnen beteiligt sind, ein zweites Geschäftsführergehalt zu beziehen. Der Aufsichtsrat, dessen Spitze mit Trummer demissionierte, hätte dies nicht genehmigen dürfen, sagte Schützenhöfer.

Trummer hält dagegen, dass für die Vertragsänderung sehr wohl der Aufsichtsrat zuständig gewesen sei, er habe dazu "klare rechtliche Expertisen". Den Rechtsstreit werden in den nächsten Monaten die Anwälte beider Parteien ausfechten.

Steckt etwas dahinter?

Schützenhöfers Radikalkur bei den Schladminger Planai-Bahnen nährt inzwischen Spekulationen, dass der Gehaltsstreit nicht die einzige Ursache für den überraschenden Rausschmiss gewesen sei. Es geht hier bei der Ski-WM in Schladming immerhin um ein 400-Millionen-Euro-Projekt, bei dem nicht nur die regional mächtigen Planai-Bahnen, die Gemeinde, die Ortskaiser und das Land, sondern auch der ÖSV mitmischt.

In den letzten Monaten soll es zu einer Reihe schwerer Konflikte zwischen ÖSV-Chef Peter Schröcksnadel und Planai-Boss Trummer gekommen sein. Es geht um Vormacht und Geschäfte, von Lichtleitsystemen bis zu radikalen Erweiterungen der Zuschauerkapazitäten. Trummer legte sich auch mit den örtlichen Wirten an. Er plante mit den Planai-Bahnen einen eigenen Hüttenbetrieb - in direkter Konkurrenz zu den ansässigen Hüttenwirten.

Hoffen auf den Reibach

In der Bevölkerung beklagen Betroffene indessen, der Geldregen habe "Neid, Missgunst und Niedertracht" nach Schladming gebracht. Allein das Land schüttet über Schladming mindestens 200 Millionen Euro aus - dies, obwohl das Land einen rigorosen Sparkurs fahren und vom Sozialbereich bis zu den Spitälern weitere 400 Millionen Euro einsparen muss, um nicht einen Budgetcrash zu produzieren.

Etliche im 4500-Einwohner-Ort Schladming fürchten bereits den Tag danach: Wer wird die Kosten für die Erhaltung der überdimensionierten neuen WM-Luxus-Infrastruktur zahlen? Wer finanziert die Erhaltung des opulenten First-Class-Kongresszentrums für 1500 bis 2200 Besucher? Skeptiker erinnern daran, dass selbst die Landeshauptstadt Graz große Kongresse ablehnen müsse, weil Hotelkapazitäten im oberen Sternebereich fehlen.

Der jetzt rausgeschmissene Ernst Trummer hatte vor Monaten gewarnt: "Wer glaubt, 2013 kommt der große Zaster, wird ein bitteres Erwachen erleben." (Walter Müller, DER STANDARD, 14./15. 7. 2012)

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    Schladming wird mit 400 Millionen für die Ski-WM 2013 hochgepuscht. Es mehren sich die Zweifel, ob die neue Infrastruktur von der Gemeinde auf Dauer finanziert werden kann.

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