Neuer Apothekerpräsident: E-Medikation muss praktikabel sein

15. Juli 2012, 08:11
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"Aber nur Teil eines Medikations-Managements" - Apothekerkammer will verstärkt die neuen Medien nützen

Wien - Umbruch in der Österreichischen Apothekerkammer: Am 20. Juni wurde mit Max Wellan (44) erstmals in der Geschichte der Standesvertretung der derzeit 5.700 Apotheker ein Angestellter zum Präsidenten der Österreichischen Apothekerkammer gewählt. Wellan setzt auf "Unaufgeregtheit" in der Standespolitik und auf moderne Kommunikationskonzepte in der Betreuung von Kunden bzw. Patienten. "Die E-Medikation ist für mich nur ein Teil des ganzen Medikations-Managements. Sie muss in den Apotheken praktikabel sein", erklärte er in einem Interview mit der APA.

Wellan ist seit rund 15 Jahren in der Standesvertretung tätig. Seit 1997 fungierte er als Vizepräsident der Apothekerkammer Wien, seit 1998 als Mitglied des Präsidiums der Österreichischen Apothekerkammer. Seinen Berufsstand mit derzeit rund 1.320 öffentlichen Apotheken in Österreich sieht er gut positioniert: "Die Apotheken sind sehr gut aufgestellt bei den Kunden und Patienten. Da besteht ein hohes Vertrauen zu uns. Wir haben in Österreich eine saubere und kompetente Arzneimittelversorgung über die Apotheken. Die Qualität stimmt."

Neue Medien nutzen

Doch gerade hier gebe es natürlich weiteres Entwicklungspotenzial. Der Apothekerkammerpräsident: "Wir haben direkten Kontakt zu den Patienten. Wir sind persönlich haftbar für das, was wir tun - das gibt Sicherheit für unsere Kunden. (...) Es gibt aber die Herausforderung der neuen Medien. Ihre Verwendung wollen wir intensivieren, zum Beispiel über spezielle Apps."

Das Ziel ist ein "Medikations-Management", eine mit den behandelnden Ärzten abgestimmte Betreuung vom "Vor-Screening" über die Beratung bei Abgabe von Arzneimitteln bis hin zur Förderung der Compliance der Patienten. Wellan nannte Personen mit chronischem Asthma als Beispiel: "Erstens gibt es noch immer viele unentdeckte Asthmatiker. Wir wollen in Frage kommende Personen entdecken helfen. Wer je durch einen Strohhalm geatmet hat, weiß, wie es ihnen geht. Asthma ist eine lebenslange Erkrankung. Wir wollen hier beispielsweise mit einem Computer-App, das ein Tagebuch enthält, das Management erleichtern. Wir machen unsere Patienten mündig, indem wir ihnen erklären, wofür die verschiedenen vom Arzt verschriebenen Medikamente sind. Warum man dabei manche Arzneimittel als Asthmatiker ständig (z.B. anti-entzündliche Substanzen; "Controller"), andere wiederum im Bedarfsfall (Bronchien-erweiternde Mittel; "Reliever") einnehmen sollte. Wir können auch erklären, wie man die dabei verwendeten Inhalationsgeräte verwendet. Daran muss man auch immer wieder erinnern."

Die Zusammenarbeit mit den Ärzten sei dabei natürlich sinnvoll und wünschenswert. Der Standespolitiker: "Natürlich sollte so ein App nicht allein für den Kontakt mit dem Apotheker da sein, auch für die Kommunikation mit dem Arzt."

Pilotversuch

E-Medikation sei da nur ein - wichtiger - Teil. Nach dem Pilotversuch in mehreren Regionen Österreichs in den vergangenen Monaten wären da die Lehren zu ziehen. Wellan: "Die E-Medikation muss in den Apotheken praktikabel sein. Die Stellungnahmen der Ärzteschaft sehe ich ähnlich. Das System sollte eine Unterstützung sein. Das ist eine vernünftige Sache. Wir treffen uns mit den Ärzten darin, dass die E-Medikation in der Praxis umsetzbar sein muss." Dies bedeute beispielsweise, dass in den Apotheken die E-Medikations-Software direkt in die Apotheken-EDV eingebunden sein müsse. Der Apothekerkammerpräsident: "Wir wollen wissen, welche Arzneimittel an den Patienten abgegeben wurden." Das sei für Interaktionsprüfung etc. notwendig. Und, so Wellan: "Es kann nur so funktionieren, dass alle Apotheken an dem System teilnehmen. Für die Patienten ist die geplante Opt-Out-Möglichkeit vernünftig." (APA, 15.07.2012)

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