Angriffe galten Rebellen

15. Juli 2012, 16:33
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Damaskus dementiert Einsatz von Artillerie und Helikopter - Syrische Regierung: Es starben 37 Kämpfer und zwei Zivilisten

Damaskus - Der Angriff in der Kleinstadt Tremseh (Treimsa) hat nach Einschätzung der UN-Beobachter gezielt syrischen Aufständischen und Oppositionellen gegolten. Allem Anschein nach seien vor allem Häuser von "Deserteuren und Aktivisten" attackiert worden, erklärte eine UN-Sprecherin am Samstag nach einem Besuch von Beobachtern in Tremseh. Die syrische Regierung wies den Vorwurf zurück, dort Panzer, Artillerie und Helikopter eingesetzt zu haben.

Bei den Kämpfen um die mehrheitlich sunnitische Kleinstadt im Westen der Provinz Hama seien am Donnerstag zahlreiche Waffentypen eingesetzt worden, darunter Artillerie, Granatwerfer und leichte Schusswaffen, erklärte UN-Sprecherin Sausan Ghosheh. Ein Schulgebäude sei ausgebrannt und fünf weitere Häuser durch Brände beschädigt worden. "Es gab Blutlachen und Blutflecken in den Räumen mehrerer Häuser sowie Patronenhülsen", sagte die Sprecherin.

Nur leichte Waffen benutzt

Mit der Einschätzung, dass sich die Angriffe gezielt gegen Aufständische gerichtet hätten, widersprach Ghosheh der Darstellung der Opposition, wonach die Armee die Kleinstadt wahllos bombardierte und fliehende Zivilisten erschoss. Die Beobachter sollten am Sonntag zu weiteren Erkundungen nach Tremseh zurückkehren. Nach Angaben der Beobachter war die Zahl der Toten noch unklar.

Syriens Außenamtssprecher Jihad Makdissi wies den Vorwurf zurück, die Armee habe in Tremseh Panzer, Helikopter und Artillerie eingesetzt. Es seien nur Truppentransporter und leichte Waffen benutzt worden, sagte der Sprecher. Er wies auch erneut den Vorwurf der Opposition zurück, in dem Ort sei ein Massaker verübt worden. "Es war kein Angriff der Armee auf Zivilisten, sondern Kämpfe zwischen der regulären Armee und bewaffneten Gruppen."

Unter Berufung auf eine anonyme Quelle, die bei der Beisetzung der Toten in Tremseh zugegen gewesen sei, sagte Makdissi, es seien 37 Bewaffnete und zwei Zivilisten getötet worden. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte dagegen die Opferzahl mit mindestens 150 Toten angegeben, darunter zahlreiche Aufständische. Damit wäre es das blutigste Massaker seit Beginn des Aufstands gegen Staatschef Bashar al-Assad im März 2011.

Die Gewalt hielt unterdessen unvermindert an. Armee und Milizen stürmten laut Aktivisten am Samstag die Ortschaft Cherbet Ghasale in der südlichen Provinz Daraa. Westlich der nordsyrischen Stadt Aleppo waren am Samstagabend über sechs Stunden Explosionen und Schüsse zu hören. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden am Samstag 115 Menschen getötet, unter ihnen 50 Zivilisten. Am Sonntag starben 15 weitere Menschen.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon forderte Peking bei einem Telefongespräch mit dem chinesischen Außenminister Yang Jiechi auf, seinen Einfluss zur Umsetzung des Friedensplans des Sondergesandten Kofi Annan einzusetzen. Ban hatte zuvor gewarnt, sollte der UN-Sicherheitsrat den Druck auf die Führung in Damaskus nicht erhöhen, wäre dies eine "Lizenz für weitere Massaker". China und Russland haben bisher im Sicherheitsrat jede Androhung von Sanktionen verhindert. Ban reist in den kommenden Tagen nach China, während Annan am Montag in Moskau erwartet wird.

Irans Außenminister Ali Akbar Salehi erklärte am Sonntag die Bereitschaft seines Landes, ein Treffen zwischen Regierung und Opposition zur Lösung des Konflikts auszurichten. Der Iran ist der engste Verbündete Syriens. (APA, 15.7.2012)

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    Demonstranten nach dem Freitagsgebet in Houla bei Homs.

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