Amnesty: Syrische Rebellen verletzen Menschenrechte

14. Juli 2012, 13:39
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Würden allerdings im Vergleich zu den Verbrechen der Regierungstruppen verblassen - UN-Beobachterteam inspizierte Umgebung des Ortes des Massakers

Damaskus/Beirut - Amnesty International liegen nach eigenen Angaben Beweise aus Syrien vor, die Menschenrechtsverletzungen auch durch Rebellen belegen. Im Vergleich zum gewaltsamen Vorgehen der Regierungstruppen verblassten diese allerdings, sagte Donatella Rovera, die kürzlich für Amnesty mehrere Wochen in Syrien verbrachte, am Freitag in Washington. Einzelne Aufständische hätten gegen die Menschenrechte verstoßen, indem sie Soldaten von Präsident Bashar al-Assad gefangen genommen, geschlagen und getötet hätten. "Sie fangen Leute, und wir haben Beweise gesehen, wie sie sie geschlagen haben ... und in einigen Fällen haben sie sie getötet", sagte Rovera der Nachrichtenagentur Reuters nach einem Vortrag am Zentrum für Strategische und Internationale Studien.

Unbewaffnete angegriffen

Rovera betonte, dass in erster Linie die Regierung für die eskalierende Gewalt verantwortlich sei. Assads Truppen hätten ganze Dörfer angegriffen, um den sich ausbreitenden Aufstand zu unterdrücken. Berichte deuteten daraufhin, dass Assad-treue Kämpfer in einigen Fällen Kliniken und Häuser in Brand gesetzt hätten, um Rebellen aufzustöbern. Zunehmend griffen sie auch unbewaffnete Zivilisten an, darunter Gesundheitspersonal, das verletzte Rebellen behandelte, die nicht in Krankenhäusern aufgenommen worden seien. So seien drei medizinische Assistenten kürzlich festgenommen worden. "Nach einer Woche wurden ihre Leichen mit eindeutigen Folterspuren gefunden. Ihre Nägel waren herausgerissen, ihr Zähne fehlten ... und die Leichen waren angezündet worden. Damit sollte eine klare Botschaft gesendet werden, dass es keine gute Idee ist, bei solchen humanitären Aufgaben mitzumachen."

Zuletzt gab es im Zuge der zunehmenden Gewalt wiederholt Berichte über Massaker. So sollen am Donnerstag Regierungstruppen nach Angaben der Opposition unter Einsatz von Hubschraubern, Panzern und Artillerie den Ort Tremseh in der Rebellen-Region Hama angegriffen haben. Zu der Zahl der Toten gibt es unterschiedliche Angaben, sie reichen von 100 bis über 200. Im syrischen Staatsfernsehen wurden wie häufig in solchen Fällen "bewaffnete terroristische Gruppen" verantwortlich gemacht. Unabhängige Angaben liegen nicht vor.

Insgesamt wurden nach Angaben der oppositionellen Beobachterstelle für Menschenrechte seit Beginn des Aufstands gegen Assad im März 2011 mehr als 17.000 Rebellen, Zivilisten und Regierungstruppen getötet.

UN-Beobachter inspizieren Umgebung von Tremseh

Nach dem verheerenden Blutbad im syrischen Tremseh haben UN-Beobachter die Umgebung des Dorfes inspiziert. Nach UN-Angaben vom Samstag näherte sich ein Beobachterteam am Freitagabend dem Ort des Massakers bis auf sechs Kilometer. Das Gemetzel in Tremseh, bei dem nach Angaben von Aktivisten am Donnerstag bis zu 250 Menschen getötet worden waren, hatte weltweit Entsetzen ausgelöst und die Diskussion über ein internationales Eingreifen angeheizt.

Auf Bildern und in Videos im Internet waren UN-Fahrzeuge nahe Tremseh zu sehen, die von Menschen umringt wurden. Sie zeigten den Beobachtern blutgetränkte Kleidung und Überreste von Granaten. "Das sind russische Waffen", rief ein wütender Mann in einer Videoaufnahme. Russland ist der wichtigste Waffenlieferant des Regimes von Machthaber Bashar al-Assad. Die Veto-Macht blockiert im UN-Sicherheitsrat alle Resolutionen, die ein schärferes Vorgehen gegen Damaskus ermöglichen würden.

Bei einer Explosion in dem vorwiegend christlichen Ort Mahradeh kamen nach Angaben des oppositionellen Syrischen Beobachtungszentrums für Menschenrechte vom Samstag mindestens vier Menschen ums Leben. Unter den Toten seien zwei Frauen und ein 13 Jahre alter Bub, das andere Opfer sei ein Mitglied der Sicherheitskräfte. Zahlreiche Menschen wurden durch die Explosion nahe einer Sicherheitsbehörde nach Angaben von Aktivisten verletzt. Mahradeh liegt ebenso wie Tremseh in der Unruheprovinz Hama. (APA, 14.7.2012)

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