Platznot mit doppelter Tugend

  • Moderne Schatulle mit Käselöchern und Anleihen an der Wiener Werkstätte - das Nobelhotel Topazz von Lenikus.
    foto: standard/anna blau

    Moderne Schatulle mit Käselöchern und Anleihen an der Wiener Werkstätte - das Nobelhotel Topazz von Lenikus.

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Nach dem Wiener Nobelhotel Topazz wird der Immobilienentwickler Lenikus demnächst auch das dazugehörige Hotel Lamée eröffnen. Die Existenz beider Häuser ist Synergieeffekten zu verdanken

Wien - Die Wiener Innenstadt ist um einen futuristischen Käselaib reicher. Am Lichtensteg 3, wenige Meter vom Hohen Markt entfernt, eröffnete der Immobilienentwickler Lenikus kürzlich das Vier-Sterne-plus-Hotel Topazz. Das dazugehörige Partnerhotel Lamée, das auf der Parzelle schräg vis-à-vis errichtet wird, befindet sich kurz vor Fertigstellung. Ende September soll auch hier zum ersten Mal das Bettzeug gewechselt werden.

Auffälligstes Merkmal des Topazz, das ursprünglich ein Bürohaus werden sollte, ist die mokkabraune Mosaikfassade mit ihren 30 ovalen Fenstern. "Es ist ein Hotel, das seine Augen in die Stadt öffnet", sagt Architekt Erich Bernard vom Wiener Büro BWM. "Durch die unverwechselbar geformten Fensternischen, in die man sich auch hineinlegen kann, nimmt man die Aussicht auf Wien viel bewusster wahr." Es grenzt an ein Wunder, dass ein derart erfrischendes, zeitgenössisches Hochhaus in der Innenstadt ohne Hürden realisiert werden konnte. Behörden und Anrainer waren kommentarlos einverstanden.

Gemütliche Schmuckschatullen

Als Kontrast zu den Emmentaler-Löchern in der Fassade stammt das Innenleben vom Wiener Innenarchitekten Michael Manzenreiter. Er entwarf eine moderne Schwülstigkeit aus Leder, Plüsch und quietschenden Farben. "Der Bauherr wollte ein typisches Wiener Hotel", erklärt Manzenreiter. "Also habe ich mich an der Wiener Werkstätte orientiert und die Zimmer als gemütliche Schmuckschatullen interpretiert." Möbel, Lampen, Stoffe, Tapeten, ja sogar Kordeln wurden bis ins letzte Detail eigens entworfen.

Doch das Topazz zeichnet sich nicht nur durch sein Design und durch einen entsprechenden exklusiven Service aus, sondern vor allem durch seine kaum zu unterbietende Grundstücksgröße. Die gesamte Parzelle misst gerade einmal 154 Quadratmeter - und ist damit kleiner als so manche Altbauwohnung in den Palais rundherum.

"Das Grundstück ist echt winzig", bestätigt Christiane Weissenborn, Geschäftsführerin der Lenikus Hotel und Gastronomiebetriebs GmbH. "Es ist kaum vorstellbar, dass sich auf dieser Fläche ein Hotel mit acht Stockwerken und vier Zimmern pro Etage ausgegangen ist." Mit 32 Zimmern - acht davon mit einer eigenen Loggia - ist es eines der kleinsten Nobelhotels Wiens.

Zwei Hotels, eine Zentrale

Aus der Platznot wurde eine Tugend gemacht: Der Frühstücksraum liegt im Untergeschoß - "wir versuchen das U-Wort zu vermeiden und sagen lieber Salon dazu" - und ist über einen großen Deckendurchbruch mit der Lobby verbunden. Wer bei Frühstücksei und selbst fabriziertem Rhabarbersaft nach oben blickt, kann die Innenstadt-Passanten durch die große Glasfassade aus der Froschperspektive beobachten. Lustige Untersicht.

Fragt sich nur: Wie kann man ein derart kleines Hotel in dieser Lage gewinnbringend betreiben? Gar nicht. Aus diesem Grund kaufte das Lenikus auch die Parzelle des sich schräg gegenüber befindlichen Hauses auf, das 1934 von Heinrich Schmid und Hermann Aichinger geplant wurde. Da, wo sich einst Teppichhändler, Büros und Wohnungen befanden, entsteht nun eine weitere Lenikus-Nobelherberge mit 22 Zimmern und zehn Suiten, die auf den Namen Lamée hört. Für die Planung zeichnet BEHF verantwortlich.

Zwei unterschiedliche Marketing-Konzepte, eine Verwaltungseinheit, eine gemeinsame Haustechnik-Zentrale - sehr praktisch. "Ohne die technischen und kaufmännischen Synergieeffekte der beiden Häuser würde sich so ein kleines Projekt wahrscheinlich niemals rentieren", sagt Weissenborn. "Und auch so ist die Amortisationszeit recht hoch. Es gibt sicherlich Projekte, die sich schneller rechnen."

Nicht mit Hotelketten messen

Elf Millionen Euro inklusive Innenausstattung kostete der Neubau des Topazz, mit weiteren zwölf Millionen Euro wird der Lamée-Umbau zu Buche schlagen. Die Nächtigungspreise sollen sich eines Tages bei rund 250 Euro pro Zimmer einpendeln, die angepeilte Auslastung in beiden Häusern beträgt 80 Prozent.

Konkurrenz zu den vielen geplanten Vier- und Fünf-Sterne-Betten in der Bundeshauptstadt - insgesamt wird Wien in den kommenden Jahren um mehr als 4500 Hotelzimmer wachsen - sieht man nicht. Weissenborn: "Wir wollen uns nicht mit den großen Hotelketten messen, sondern mit den kleinen Wiener Hotels wie Hollmann's Beletage und Do & Co. Das ist unser Maßstab." (Wojciech Czaja, DER STANDARD, 14./15.7.2012)

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24 Postings

bitte meidet alle dieses hotel, denn es wurde auf unmenschliche und unwürdige verhältnisse erbaut, dieser herr lenikus ist ein absch*** der über leichen geht. ich kenne ihn persönlich und er kennt keine skrupel! dem sind mieter, verhandlungspartner, mitmenschen egal! ein korrupter mensch!

Ein wahrer Sympathieträger.
Irgendwie ein Westentaschenoligarch. Zuerst Kohle scheffeln ohne Skrupel (siehe http://www.augustin.or.at/article1337.htm oder auch http://www.wienerzeitung.at/themen_ch... laene.html ), sich später zwecks Imagepolitur gegen heftigen Widerstand bei den Grünen anbiedern, ein paar Künstler kaufen, einen Heurigen und ein paar Luxushotels dazu und dann freundliche Nasenlöcher zeigen.

zitat: aber jetzt, welches ich absolut bestätigen kann

"Wer bei Frühstücksei und selbst fabriziertem Rhabarbersaft nach oben blickt, kann die Innenstadt-Passanten durch die große Glasfassade aus der Froschperspektive beobachten. Lustige Untersicht."

D.h. Damen in kurzen Röcken sollten außen herum gehen?

in

dem ding ist soviel wiener werkstätte wie schweiz in einem emmentaler vom hofer

hab mir die bude angesehen und muss sagen für wiener

verhältnisse ordentlich. wenig personal, alles funktionell, design super. von aussen lässig und ansprechend. gefällt mir; kann die nächsten 500 jahre so bleiben dann bauma a neue hütte!

Lamee und Topazz - Strippernamen

das Objekt

passt ja dann auch so gut zur Architektur der Umliegenden Gebäude, wie ein Emmentaler.

Was die zeitgenössische Architektur in Wien betrifft, so dürfe es weder eine Guideline der Planungsabteilung der Stadt noch eine besondere Sensibilität gegenüber der Architekturgeschichte der eignen Stadt geben.

Irgendwie ist das alles ein unglaubliches Baudurcheinander. Dachböden weg - unter dem fadenscheinigen Motto "Eins Draufgesetzt" (Schicker grrrr....), dann irgendwas obenauf gesch...en. Wenn man z.B. diese Westbhf. "Wolkenspange" betrachet (übrigens das einzige Gebäude, das bei mir tatsächlich Übelkeit hervorruft), dann diese komische Widmungen am Gürtel, wo völlig form-und planlos "dahergebaut" wird, kann man nur sagen, Wien - gute Nacht.

wie wahr!

der neue westbahnhof ist wirklich ein geschwür sondergleichen!
Dieses Möchtegern CCTV mitten in Wien ist ein peinlicher versuch, einen bürokomplex zu vertuschen.

hier kann man den architekten geisseln, aber vor allem die ÖBB und die Stadt Wien, die solch ein Ungetüm, welches in spätestens 10 Jahren saniert oder abgerissen wird, genehmigt haben.

De gustibus non esse disputandum

Darum sage ich frisch von der Leber weg: Das ist übelste Stadtverschandelung. Das hässliche kleine Hotel wird sich nie rechnen und schon nach zwei Jahren zugrunde gehen, das üble Bauwerk wird bleiben. Und Lenikus und Weissenborn werden sich neuen Projekten zuwenden.

Lenkius in der Google-Suche durchgefallen

Kein netter, der Herr Lenikus!
Dank Herrn Faymann hat er gute Geschäfte gemacht!

http://www.ots.at/presseaus... terschreck

grueneellensohn-faymann-verkauft-staedtische-wohnhaeuser-gezielt-an-spekulanten

http://www.ots.at/presseaus... h-billiger

http://www.ots.at/presseaus... pekulanten

Schön!

- dass mal etwas wirklich gelungenes Modernes in Wien realisiert wird. Mehr davon und weniger 08/15-Glasfassaden!

Zimmer €250 pro Nacht

Leitende Angestellte €1250 brutto pro Monat (siehe Stellenangebote).

Ich weiß warum ich dieser Branche den Rücken gekehrt habe...

Weil du keine Ahnung von dem Geschäft hast??

Sollte das jetzt witzig sein?

Sid sie Sadist?, Ausbeuter oder nur ignorant?

er/sie ist LEIDER realist:

http://derstandard.at/133963973... mmo-Preise

in diesem zusammenhang muss man über das wirtschaftssystem an sich sprechen!

Ein weiterer Versuch, sich vom Image des aimmobilien-Spekulanten rein zu waschen.

Gelingt es diesmal? Oder bleibt ein Haut Gout?

Lügen, Lügen, Lügen!

Wer war hier einverstanden? Wer wurde gefragt? Dieser Sumpf aus Politik, Baugewerbe und Architektenlobby gehört trockengelgt. Das Hotel könnte überall (Wuppertal, Essen, ...) stehen. Wieder wurde ein Stück Wiener Flair zerstört. In Florenz war man nicht so dumm und hat nach dem Abklingen einer Glanzperiode, der Renaissance, deren Bauten zerstört. In Wie ist man so dumm und zerstört die Bauten der Monarchie. Denkmalschutz ist modern, weil weitblickend.

also ich find es sehr wienerisch! Erinnert mich ein wenig an die Flaktürme.

HAAHA

hr.lauritz

sie haben das abgerissene Gebäude wohl nie gesehen, sonst würden sie hier nicht so einen Schwachsinn von sich geben.

ich hab's gesehen und kann nur sagen: gegen das, was dort jetzt steht, war das alte haus wunderschön. das dunkelbraune ding ist weder harmomisch, noch schön, nur abstus.

trösten sie sich

in 25 bis 30 jahren (spätestens) ist das gebäude auch wieder abgerissene vergangenheit...oder verfällt als ruine (wie dieses alu-haus in der favoritenstrasse - ein "architektonischer meilenstein")...

nebenbei: um 250 euro die nacht in wien will ich schon besseres als ein mini-zimmer und frühstück im keller...

nun

das abgerissene Gebäude stammte aus den 30er Jahren und war vielleicht baugeschichtlich nicht relevant - hatte aber einen seltsamen und guten Charme, der der Stadt wirklich zuträglich war. Man hätte da alte gebäude ohne weiteres modernisieren können, oder wenn schon "weg damit" dann hätte man vielleicht etwas wirklich Gutes einfordern müssen. Diese komische halb-gute Architektur finde ich provinziell, irgendwie "osteuropäisch-modern" und zeugt einfach von einem Mangel an Geld (Motto: "lustige Idee statt Qualität"). Statt nach Beyoglu (liebe diese Stadt) zu glotzen sollte man vielleicht lieber mal in Rotterdam oder Berlin nachsehen, wie man zeitgenössisch wertvoll bauen kann. Absurd, z.B. dass in Wien strassenseitige Balkone verboten sind

grosses grün

für den letzten satz

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