Nach dem Geldabheben bestohlen: Laut Gericht muss Geldinstitut einen Teil zahlen

13. Juli 2012, 19:45
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Wien - Ein nun endgültig rechtskräftiges Urteil gegen die Bank Austria könnte dazu führen, dass sich bei Barauszahlungen am Bankschalter bald etwas ändert. Denn wenn jemand Opfer eines sogenannten Bankanschlussdeliktes wird, nachdem die Täter beobachten konnten, wie viel Geld behoben wurde, trifft die Bank ein Mitverschulden.

Im konkreten Fall ging es um die Pensionistin Renata F. aus Baden. Die hob im November 2009 in einer Bank-Austria-Filiale exakt 7838,30 Euro ab. Die damals 71-Jährige steckte das Geld in ihre Handtasche und ging zu ihrem Auto. Als sie dieses aufsperrte, verwickelte sie ein Unbekannter in ein Gespräch, die Tasche legte sie auf den Beifahrersitz. Offensichtlich gab es einen zweiten Täter: Denn als sie daheim die Tasche öffnete, war das Geldkuvert weg.

Die von Rechtsanwalt Georg Prchlik vertretene Frau klagte die Bank. Die Begründung: Der Schalterbereich sei leicht einsehbar gewesen, dennoch sei sie nicht darauf hingewiesen worden, dass es auch einen Nebenraum gegeben hätte, in dem sie das Geld unauffällig hätte bekommen können. Auch auf die Möglichkeit einer Überweisung sei sie nicht dezidiert aufmerksam gemacht worden.

Eine Argumentation, der sich das Handelsgericht Wien anschloss. Wie schon beim Erstgericht wurde entschieden, dass die Bank Austria ihrer Kundin die Hälfte des Schadens ersetzen muss. Unter anderem deshalb, weil es sich bei den knapp 8000 Euro im juristischen Sinne um einen " hohen Geldbetrag" handelt. Denn schließlich gäbe es bei den Automaten in den Selbstbedienungsfoyers - wohl aus Sicherheitsgründen - auch maximal 3000 Euro.

Bei der Bank Austria heißt es, man nehme die Entscheidung zur Kenntnis, es handle sich aber um einen Einzelfall. Allerdings: Ganz so auf die leichte Schulter scheint man das Urteil doch nicht zu nehmen. Denn derzeit wird man erst ab einem Betrag von 10.000 Euro in die sogenannten Diskretzonen gelotst. Nun will man prüfen, ob das nicht schon bei geringeren Beträgen passieren soll. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 14./15.7.2012)

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    Die Bank Austria muss einer Pensionistin nach einem Diebstahl fast 4000 Euro ersetzen.

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