Kalkulation

Einserkastl13. Juli 2012, 19:09
74 Postings

Wrabetz: "Wir" wären schon längst weg vom Küniglberg, wenn nicht die "Idiotie" des Denkmalschutzes wäre

Alexander Wrabetz hat sich das immer so vorgestellt: Das ORF-Zentrum am Küniglberg wird an Immobilienfirmen verklopft. Mit dem Erlös wird das neue ORF-Zentrum in Wien-St. Marx finanziert. Das hat noch zwei für Wrabetz sehr angenehme Nebeneffekte: Erstens kann man den Neubau so dimensionieren, dass ein weiterer Personalabbau möglich wird; zweitens ist die mächtige Wiener SPÖ dann ganz zufrieden mit Wrabetz.

Grundsätzlich kann man so kalkulieren. Ob der Neubau in St. Marx nicht die Gefahr einer Kostenexplosion birgt; ob da aufgrund undurchschaubarer Grundstücksverhältnisse nicht Skandalpotenzial vorhanden ist - das muss ein Generaldirektor aber auch mitbedenken.

Wrabetz sagte jetzt implizit, dass er das in Kauf nehmen würde. "Wir" wären schon längst weg vom Küniglberg, wenn nicht die "Idiotie" des Denkmalschutzes wäre. Es sei eine "Zumutung", dass man deshalb gezwungen werde, "ein sanierungsbedürftiges Zweckgebäude, das seine Lebenszeit längst erfüllt hat, mit riesigem Aufwand noch einmal herzurichten".

Nur ist dieses Gebäude ein Signalbau der Zweiten Republik. Der Schöpfer des ORF, Gerd Bacher, hat es bewusst von einem Meister der Moderne wie Roland Rainer bauen lassen. Ein Zeichen für den Rundfunk eines Kleinstaates, der dem Land Identität geben soll. Auch das muss ein ORF-Top-Manager einkalkulieren. (Hans Rauscher, DER STANDARD, 14./15.7.2012)

Zum Thema

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Das ORF-Zentrum am Küniglberg.

Share if you care.