Einfach widerlich

Kommentar |

Mit ihrem Kampf gegen das Amstettner Frauenhaus rückt die FP-Stadträtin Brigitte Kashofer die Kleinstadt abermals in ein schlechtes Licht

Amstetten hat es wahrlich nicht leicht. Zwar ist seit dem Fall F. einige Zeit vergangen, man kann den Namen der Mostviertler Kleinstadt nun wieder aussprechen, ohne schief angeschaut zu werden. Aber dann kam vor gut einem Jahr diese Sache mit der (mittlerweile aberkannten) Hitler-Ehrenbürgerschaft, die die Stadt ins rechte Eck rückte. Und jetzt ist es wieder die FPÖ, die mit einer ganz untergriffigen Kampagne gegen das örtliche Frauenhaus wettert.

Die federführende Stadträtin zieht schon länger gegen angebliche Undinge wie Gender-Mainstreaming und Frauenförderung ins Feld. An Frauenhäusern stört sie, dass dort den Frauen geholfen wird, ohne die Männer zu befragen. Wie stellen sich die Blauen das vor? Eine verängstigte Frau läutet an der Tür, und die Sozialarbeiterin sagt: Warten Sie kurz, wir rufen Ihren Mann an und fragen ihn, warum er Sie geschlagen hat? Nicht ohne Grund sind die Adressen solcher Einrichtungen geheim.

Zur Ehrenrettung Amstettens ist zu sagen, dass sich die Stadt von der FPÖ nicht von ihrer Unterstützung des Frauenhauses abbringen lässt. Ungute Stimmung schüren die freiheitlichen Pamphlete aber allemal. Mandatare mit zweifelhaftem Gesellschafts- und Geschichtsbild finden sich an allen Ecken und Enden in der Partei. Mit dem Ansinnen, wehrlosen Frauen Hilfe zu verweigern, erreicht das eine neue Dimension, die einfach nur zum Kotzen ist. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 14./15.7.2012)

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