Eiserne Lady für italienisches Staatsfernsehen

Kopf des Tages13. Juli 2012, 18:24
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Anna Maria Tarantola gleicht der ehemaligen britischen Ministerpräsidentin Margaret Thatcher nicht nur in ihren Führungsqualitäten

In der Banca d'Italia, der italienischen Zentralbank, hat Anna Maria Tarantola den Ruf einer eisernen Lady. Sie gleicht der ehemaligen britischen Ministerpräsidentin Margaret Thatcher nicht nur in ihren Führungsqualitäten: kompetent, konkret und mit einem harten Willen ausgestattet. Sie hat auch eine ähnliche Frisur und kleidet sich britisch-elegant.

Regierungschef Mario Monti hatte die 67-jährige Managerin als neue Rai-Präsidentin vorgeschlagen und damit alte Traditionen der Medienpolitik ignoriert. Nicht nur dass erstmals eine Bankerin dem durch Intrigen und Freunderlwirtschaft berüchtigten Staatsfernsehen vorsteht. Monti hatte die Vize-Generaldirektorin der Banca d'Italia ohne vorherige Absprache mit den Parteien ernannt. Diese Nominierung wurde nun vom neubesetzten Verwaltungsrat des Staatsfernsehens Rai einstimmig abgesegnet.

Während die Ernennung des Rai-Präsidenten bisher immer von der Regierung vorgenommen worden war, hatte beim Generaldirektor stets der nach politischem Proporz besetzte Verwaltungsrat das Sagen.

Über die Führungsqualitäten und wirtschaftliche Kompetenz von Tarantola gibt es keinen Zweifel. Die Mutter von zwei erwachsenen Töchtern ist bereits Anfang der 1970er-Jahre, nach dem Abschluss des Wirtschaftsstudiums an der Cattolica-Universität in Mailand und einem Master an der London School of Economics, in die Banca d'Italia eingetreten. Als Leiterin mehrerer Filialen in Nord- und Süditalien hatte sie zudem einschlägige Führungsqualitäten erworben.

Die streng katholische Managerin stand dem früheren Zentralbankchef Antonio Fazio auch dann noch zur Seite, als er wegen Amtsmissbrauchs in die Schusslinie geriet. Ähnlich wie Fazio soll auch sie über enge Verbindungen zum Vatikan verfügen.

Vor drei Jahren hatte sie der aktuelle EZB-Präsident Mario Draghi zur Vize-Generaldirektorin ernannt. Als erste Frau im Direktorium der italienischen Zentralbank tritt sie denn auch für mehr Rechte der Frauen im Wirtschaftsleben ein.

Tarantola soll das angeschlagene Staatsfernsehen wieder auf Trab bringen. Der Regierungschef gab sich deshalb nicht allein mit der Nominierung zufrieden, sondern räumte ihr und dem künftigen Generaldirektor mehr Rechte für die Umstrukturierung ein. Sinkende Werbeeinnahmen und überdurchschnittlich wachsende Personalkosten belasten derzeit die Rai- Bilanz. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, 14./15.7.2012)

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