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Andreas Geritzer versucht mit seinem Körper, den Laser im Fahren zu halten.
Standard: Wie oft sind Sie schon vor Weymouth gesegelt?
Geritzer: Sicher insgesamt 20 Wochen, verteilt auf die vergangenen dreieinhalb Jahre.
Standard: Was ist das Charakteristikum des olympischen Reviers?
Geritzer: British Summer. Wir haben im Mai und im Juni sehr guten Wind gehabt. Aber selten mehr als 13 Grad. Am Wasser wird es noch viel kälter. Dazu kommt der Regen, der Nebel, die Strömung. Teilweise meilenweit vom Land entfernt. Man muss sich durchkämpfen.
Standard: Wie hält man die Muskulatur warm?
Geritzer: Man steckt im Dreiviertel-Neoprenanzug. Im Wettkampf ist die Temperatur kein Problem. In der Pause muss man schauen, dass man im Übergewand warm bleibt. Nur in der Wärme kann man regenerieren. Wenn es wirklich schlecht angesagt ist, hat der Trainer im Motorboot ein warmes Getränk mit, damit ich mich von außen und innen wärmen kann.
Standard: Welchen Anteil hat das Krafttraining beim Segeln?
Geritzer: Einen großen. Ich versuche, mit dem Körper das Schiff im Fahren zu halten. Durchs Hängen verhindern wir, dass das Boot umfliegt. Durch konstantes Hängen, durch konstante Lage, können wir das Schiff schneller durchs Wasser fahren lassen.
Standard: Welche Muskulatur ist besonders gefordert?
Geritzer: Die Oberschenkelmuskulatur als antreibende Kraft. Wie bei allen Sportarten kommt die Rumpfmuskulatur dazu. Die Arme müssen auch ständig arbeiten, damit das Segel optimal zum Wind steht.
Standard: Das trainiert man aber nicht nur auf dem Boot?
Geritzer: Nach Peking 2004 haben wir mit dem IMSB in der Südstadt eine intensive Arbeit begonnen. Das normale Programm mit Schnellkraft versuchen wir in der Kraftkammer abzuhandeln. Aber auch segelspezifische Sachen werden eingebaut. Die Hängeposition am Boot wird in der Kraftkammer nachgestellt. Wir arbeiten viel mit instabilen Untergründen. Mit allem, was wackelt, sich bewegt, das Ausführen der Übungen schwieriger macht. Je mehr Zeit wir in der Kraftkammer investieren, desto leichter tun wir uns am Wasser draußen.
Standard: Bei den Olympischen Spielen dürfen Sie nicht mit dem eigenen Boot segeln. Ist das ein Problem?
Geritzer: Beim Laser ist es das Gute und gleichzeitig ein Problem, dass er eine Einheitsklasse ist. Kleine Unterschiede gibt es trotzdem. Ich kann nur hoffen, dass ich etwas kriege, mit dem ich zufrieden bin, mit dem ich das Gefühl konstant halten kann.
Standard: Wie ist das Prozedere?
Geritzer: Vor zwei Wochen war der Generalsekretär der Laser-Klasse in der englischen Werft, hat alle Boote vermessen und gestempelt. Am 17. Juli werden sie verlost.
Standard: Mit allem Drum und Dran?
Geritzer: Komplett. Das Einzige, was wir mitbringen dürfen, sind die Schnürln. Und das Karbon-stangl, welches wir zum Lenken in der Hand haben.
Standard: Und dann hat man Zeit, sich einzufahren.
Geritzer: Viel Zeit. Am 31. Juli sind die ersten Wettfahrten. Wenn man merkt, dass man gutes Material hat, dann segelt man es drei, vier Tage, je nach Windstärke, und dann legt man es auf die Seite. Dann wird zwar mit dem selben Boot geübt, aber zum Training nimmt man andere Masten und andere Segel. Wenn sehr starker Wind geht, kann man das Segel in einem Tag so schinden, dass man es nicht mehr verwenden kann.
Standard: Jetzt kann es aber passieren, dass man nach dem ersten Ausprobieren sagt: 'Ich hab die volle Niete gezogen, damit hab ich keine Chance.' Was dann?
Geritzer: Wenn man mit dem Mast nicht zufrieden ist, kann man unabsichtlich mit dem Auto drüberfahren. Oder man verbiegt ihn so, dass er nicht mehr regelkonform ist, dann muss man ihn umtauschen. Zahlen muss man ihn aber auch.
Standard: Sie trainieren viel mit dem kroatischen Team. Weshalb?
Geritzer: Die Kroaten haben in den letzten acht Jahren konstant drei bis fünf unter den ersten 20 bei der WM gehabt. Dadurch hast du im Training ein sehr hohes Niveau. Das gibt es in Österreich nicht, noch nicht. Es kommen ein paar Junge nach, die vielleicht auch so viel Zeit investieren, auch professionell trainieren möchten.
Standard: Wie wird man Profisegler? Weshalb sind Sie es geworden?
Geritzer: Das ist nur möglich durch das österreichische Bundesheer, durch die finanzielle Absicherung, durch die Sporthilfe. Aber in Wahrheit bin ich es wegen der Leistung geworden. Ich hab 1998 maturiert und hatte das Glück, hier in Breitenbrunn die EM zu segeln. Ich bin gleich Dritter geworden. Das war der Sprung ins Nationalteam, das hat mir sehr viel geebnet, das Fortführen der Karriere sehr einfach gemacht.
Standard: Fühlen Sie sich als Segler in Österreich anerkannt?
Geritzer: Was ist Anerkennung? Ich bin bei meinen Freuden sehr beliebt, aber vermutlich nicht deshalb, weil ich Segler bin. Anerkennung in der Öffentlichkeit gibt es nicht. Die öffentliche Meinung über den Segelsport ist immer noch so, dass man gemütlich am Schiff sitzt und das Leben genießt. Wir versuchen immer mehr daran zu arbeiten, dass Segeln als Sport akzeptiert wird. In der Kraftkammer sehen die Leute schon sehr genau hin, was wir da machen und sagen: 'Brauchst du das eigentlich?' Ich sag dann immer Ja.
Standard: Wie viel Zeit investieren Sie in den Sport?
Geritzer: Seit August war ich 20 Wochen daheim.
Standard: Macht es für Sie Sinn, ohne Welle und Strömung am Neusiedler See zu trainieren?
Geritzer: Acht Wochen von den 20 waren im Jänner und im Februar. Da war der See sehr, sehr hart. Aber sonst macht es definitiv Sinn. Da geht es nicht um viele Tage. Es geht darum, dass du, wenn du spürst, dass du es brauchst, es auch machen kannst. Um das Gefühl für das Schiff zu behalten. Und du kannst schauen, wie du die Kraft aus der Kraftkammer auf das Schiff bringen kannst.
Standard: Wie lange waren Sie beim Gewinn von Olympiasilber 2004 in Athen auf dem Wasser.
Geritzer: Alle Tage zusammengerechnet waren es 36 Stunden. Zwölf Stunden dauerte zusammengerechnet der Wettkampf.
Standard: In vielen Klassen ist Segeln Teamwork. Im Laser nicht. Weshalb ist es der Laser?
Geritzer: Ich war immer schon ein Einzelkämpfer. Ich habe es die vergangenen zwölf Jahre so gemacht. Ich segel auch mit meiner Frau Regatten im Katamaran. Aber nur zum Spaß.
Standard: Werden Ihre vierten Spiele die letzten sein?
Geritzer: Im Moment schaut es danach aus. Aber ich habe mit meiner Frau abgesprochen, dass ich noch einmal darf, wenn es mich vor Rio juckt.
Standard: Nach Ihrer Segelkarriere werden Sie vermutlich nicht ausgesorgt haben. Haben Sie eine Ausbildung für die Zeit danach?
Geritzer: Das habe ich verabsäumt. Aber es gibt die Chance, beim Bundesheer berufliche Bildung zu machen. Das gibt eine enorme Sicherheit. (Benno Zelsacher, DER STANDARD, 14./15. Juli 2012)
Andreas Geritzer (34), Wiener, lebt in Neusiedl am See, ist verheiratet, hat zwei Kinder (3 und 6). Gewann Silber bei den Olympischen Spielen 2004 und bei der WM 2002, EM-Bronze 1998, 2005, 2010 und 2011.
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Es sollte ein paar neue Ideen geben fürs Segeln...
Wie wäre es mit einem Wettbewerb bei dem nur selbst gebaute Boot zugelassen sind. Für jedes KG dass man beim Bau spart gibt es Zusatzpunkte...Kohlefaser ist verboten, das kann sich ja keiner leisten, maximales Baubudget 500€ inklusive Rigg.
Da würden innovative Boote entstehen. Ich habe gerade ein Boot gebaut und suche jetzt das leichteste Boot. Sollte möglichst mit einer Hand aufs Autodach zu heben sein und in weniger als 4 Minuten segelfertig.
Ein "Stasha" von Woodenwidget ist in der engeren Auswahl.
Meine 4m Whitehall hat ca. 25kg.
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