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(An einem der Tische ein Mann Mitte dreißig und eine etwas jüngere Frau. Sie halten Händchen und blicken einander verliebt in die Augen. - Pause. Der Kellner erscheint mit den Vorspeisen.)
KELLNER: Zweimal das Carpaccio vom Pottwalwangerl an Blattsalaten, bitte sehr. (Stellt die Teller hin, verneigt sich.) Ich wünsche guten Appetit.
(Er wendet sich ab. Der Mann kostet, verzieht das Gesicht.)
MANN: Ober!
(Der Kellner macht kehrt, verneigt sich.)
MANN: Der Wal ist geklont, oder?
KELLNER: Selbstverständlich.
MANN (wirft das Besteck auf den Teller): Sowas können Sie in der Dritten Welt servieren, aber nicht uns!
KELLNER (verstört): Aber, mein Herr, ich verstehe nicht ... Sie wissen sicher, die Jagd auf Primärwale ist seit Jahren -
MANN: Na und? Ein Lokal wie dieses sollte die Mittel haben, so ein Verbot zu umgehen! Dieser Klongeschmack ist ja widerlich!
KELLNER (schweigt)
MANN: Und alles andere ist vermutlich auch geklont, wie? Die Schildkrötensuppe. Die gefüllten Giraffenhälse.
KELLNER: Selbstverständlich.
MANN (legt die Serviette weg. Zur Frau): Kumm, Schatzl, gemmer.
FRAU: Geh, nein ... Ich bin hungrig ...
MANN (verdreht die Augen. Zum Kellner, seufzend:) Gibt's irgendetwas, was nicht geklont ist?
KELLNER: Pangasius. Ganz frisch. Steht noch nicht auf der Karte.
FRAU (klatscht freudig in die Hände): Pangasius! (Verträumt:) Weißt noch, damals?
MANN (wirft ihr einen bösen Blick zu. Zum Kellner:) Also in Gottes Namen.
KELLNER: Zweimal Pangasius, gerne. Gebacken?
FRAU: Sicher. Mit Mayonnaisesalat!
MANN: Sind die Eier wenigstens von echten Hühnern?
KELLNER: Zweite Generation.
(Vorhang)
(Antonio Fian, DER STANDARD, 14./15.7.2012)
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