Dritte Flughafen-Piste geht in zweite Runde

13. Juli 2012, 17:54
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Was aus Einwänden von Anrainern und Umweltschützern geworden und wer für Berufungen zuständig ist

Frage: Im erstinstanzlichen UVP-Verfahren hat die NÖ Landesregierung die Parallelpiste 11R/29L, die sogenannte dritte Piste, am Flughafen Wien-Schwechat genehmigt. Mit welchen Auflagen?

Antwort: In dem am Freitag zugestellten, 398 Seiten dicken UVP-Bescheid sind 460 Bedingungen aufgelistet, darunter: 186.620 m² Wald dürfen gerodet werden, die dreifache Fläche muss aber wieder aufgeforstet werden; zum Schutz der Vögel darf in den Donauauen zwischen 1. März und 31. Juli nicht gebaut werden. Grabungen müssen von Archäologen begleitet werden. Die Landesstraße B10 muss auf 7,5 km Länge verlegt werden, die Anbindung von Schwechat an die Autobahn muss zweispurig ausgebaut werden.

Frage: Und was ist mit den gesundheitlichen Einwänden von Anrainern, die vor allem Lärm befürchten?

Antwort: Bei Einhaltung der teilweise bereits während des jahrelangen Mediationsverfahrens eingeleiteten Maßnahmen könne "eine Gesundheitsgefährdung von Menschen ausgeschlossen werden", heißt es im UVP-Bescheid. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Sicht- und Lärmschutz. 2500 Haushalte werden etwa mit Lärmschutzfenstern ausgestattet. Wertminderung an Eigentum im Umfeld des Flughafens könne zwar nicht ausgeschlossen werden, sei aber rechtlich nicht von Belang, heißt es weiter.

Frage: Wie geht es weiter?

Antwort: Der Verein Dialogforum, in dem viele - aber nicht nur - Projektgegner sitzen, will das Papier genau unter die Lupe nehmen. Berufungen sind aber fast sicher. Gegen den Bescheid kann bis 24. August Berufung beim Umweltsenat im Landwirtschaftsministerium eingelegt werden. Dazu berechtigt sind die Standortgemeinden Schwechat, Fischamend, Klein-Neusiedl, Rauchenwarth, Schwadorf und deren Nachbargemeinden sowie Bürgerinitiativen, der Umweltanwalt, eingetragene Umweltorganisationen, Arbeitsinspektorate und alle Personen mit Parteienstellung. Auch die Flughafen Wien AG hat natürlich ein Berufungsrecht und kann bestimmte Auflagen bekämpfen.

Frage: Wieso braucht der Flughafen überhaupt eine neue Piste?

Antwort: Die Flughafen Wien AG argumentiert mit steigenden Passagierzahlen, wenn der Vienna Airport die angestrebte Drehscheibe für Zentral- und Osteuropa werden sollte. Aus heutiger Sicht (22 Millionen Passagiere pro Jahr) wären die beiden bestehenden Pisten dann 2020 (mit prognostizierten 35 Millionen Passagieren pro Jahr) ausgelastet; auch deswegen, weil die Pisten V-förmig angelegt sind, also nicht wirklich von einander unabhängig betrieben werden können. Samt dritter Piste wären zu Spitzenzeiten pro Stunde bis zu 100 Starts und Landungen möglich, derzeit sind es 60 Flugbewegungen.

Frage: Und wenn Wien-Schwechat nicht das erhoffte Drehkreuz der Luftfahrt wird?

Antwort: Fix ist nix. Der Airport kann wegen der zu erwartenden Berufungen beim Umweltsenat frühestens 2014 eine definitive Entscheidung treffen. Aus wirtschaftlichen Erwägungen sprechen aber auch der Ausbaustopp am Münchener Flughafen und das Nachtflugverbot für Frachtflüge am Flughafen Frankfurt für einen Ausbau in Österreich. (simo, DER STANDARD; 14.7.2012)

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