Jetzt ist die Backe am Dampfen

Kolumne13. Juli 2012, 17:41
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Heiße Zeiten für Journalisten

Der Hochsommer ist im Journalismus traditionell die Blütezeit der Hitzeberichterstattung (die Kälteberichterstattung floriert dagegen traditionell im tiefsten Winter). Wir Medienleute sind fix, wir Medienleute sind alert, wir Medienleute sind aufmerksam. Wenn die Quecksilbersäule über dreißig Grad "klettert" (pompöse Formulierung für: wenn es sauheiß ist), dann entgeht uns das nicht. Eilends treten die Hitzeberichterstatter auf den Plan und berichten den auf ihren Balkonen und in den Bädern Bratenden: Es ist sauheiß.

Hitzeberichterstattung kann nicht jeder. Der gute Hitzeberichterstatter braucht ein wohltemperiertes Vokabular und eine warmherzige Syntax. Ein Hang zu verschwitzter Metaphorik kann nicht schaden, feurige Phrasen sind unabdingbar.

Hier ein paar schweißtreibende Formulierungsklassiker für den Großraum Juli/August: "Hitze und Blitze - ganz Österreich ächzt". "Drei Stunden Sonne ins Gesicht: Jetzt ist die Backe am Dampfen!". "35 Krügel im Schatten - Dreht die gelbe Sau völlig durch?" Die schönste Schlagzeile dieses Sommers hat freilich wieder einmal Bild komponiert: "Dank US-Hitzewelle: Diese Frau backt ihre Kekse im Auto".

Hitzeberichterstattung ist nicht nur menschlich bewegend und meteorologisch spannend, sie ist auch immer Anlass für nützliche Tipps ("News you can use"). Im Hochsommer neigen die Leute zum kontraintuitiven Handeln. Gäbe man ihnen keine Hitzetipps, verhielten sie sich wie die Deppen: Sie würden nichts trinken oder vielleicht nur ein paar Gläser Glühwein, äßen am laufenden Band gebackenen Emmentaler, säßen stundenlang mit dem Nerzmantel in der Sauna und trieben jede Menge ähnlich ungesunden Unfug mehr.

Daher ein paar gesunde Gratis-Tipps für Sie: Viel trinken! Wasser! Keinen Glühwein! Leicht essen! Wenig anziehen! Und die Zentralheizung können Sie ruhig ausschalten.

Ein weiteres feines sommerliches Medienfeature: Die Wo-sind-die-Politiker-auf-Urlaub-Berichte. Wenn ich es recht sehe, weist der Trend heuer mehr ins Inland. Nur Faymann und Da rabos schweifen in die Ferne; Fekter, Fischer, Schmied, Spindelegger und Stöger schweifen in die Nähe, Urlaub ums Eck, sozusagen. Und wohin schweift eigentlich der Geföhnte? Wieder Capri? Liechtenstein? Kitz? Oder zur Abwechslung doch einmal Urlaub in Stein oder Karlau? (Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 14./15.7.2012)

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