Geldtransfers unter Schwarzgeldverdacht

Günther Oswald
13. Juli 2012, 18:19

Gelder, die aus der Schweiz nach Österreich transferiert werden, bergen für die heimischen Banken erhebliche Risiken

Wien - Es waren schlechte Nachrichten, die von der Steuerberatungskanzlei Leitner/Leitner am 5. Juni an den Bankenverband übermittelt wurden. Im Auftrag der Interessenvertretung hat sie eine Expertise erstellt, welche Gefahren den heimischen Banken und deren Mitarbeitern drohen, wenn sie vor dem Inkrafttreten des Schwarzgeldabkommens Anfang 2013 Geldtransfers von Schweizer Depots akzeptieren.

Die Kernbotschaft der Berater: "Trägt die Bank im Zeitraum, ab dem das Inkrafttreten des Abkommens absehbar ist, zur Durchführung eines Vermögenstransfers eines Kunden bei, ermöglicht sie damit dem Anleger eine Flucht aus dem Steuerabkommen und somit die Fortsetzung seines Hinterziehungsverhaltens." Zusatz: "Bankmitarbeiter laufen daher grundsätzlich Gefahr, sich durch derartige Beiträge an einer Steuerhinterziehung zu beteiligen."

Keine finale Version

Dem Bankenverband schmeckte der Entwurf dem Vernehmen nach gar nicht. Eine finale Version des Papiers wird es nicht geben. Spartenvertreter Herbert Pichler spricht auf Anfrage des Standard von "Vorüberlegungen von Leitner/Leitner", die "so nicht mehr Gegenstand der Diskussion sind".

Es gehe lediglich darum, den Bankmitarbeitern "Handlungsanleitungen zu geben, was sie machen dürfen und wo es Problemzonen gibt". An einer Fertigstellung der Anleitung werde gearbeitet. Zur strengen Rechtsauslegung im Papier meint er: "Da steht Leitner eher allein da, es gibt auch andere Rechtsansichten."

Das Abkommen mit den Eidgenossen sorgt jedenfalls für rauchende Köpfe in den Bankzentralen. Die Ausgangslage: In der Schweiz gebunkertes Schwarzgeld wird ab nächstem Jahr mit einer Abgeltungssteuer quasi amnestiert. Die Schweizer Banken liefern für die Altsünden zwischen 15 und 38 Prozent (je nach Dauer der Steuerflucht und Höhe des Vermögens) an den heimischen Fiskus ab. Künftige Erträge werden mit 25 Prozent besteuert. Wer die Steuer nicht zahlt, wird der Finanz namentlich gemeldet.

Abkommen umgehen

Das Abkommen kann freilich umgangen werden, indem man das Vermögen vor dem 1. Jänner nach Österreich transferiert und hofft, so lange nicht in den Fokus von Finanz und Justiz zu rücken, bis die Steuerdelikte verjährt sind. Laut Steuerberatern ist ein Viertel an dieser Variante interessiert.

Für die heimischen Banken wäre das natürlich ein Bombengeschäft. Sie würden von den Kapitalzuflüssen profitieren - wenn da nicht die rechtlichen Unsicherheiten wären. Und die gibt es laut Leitner/Leitner zuhauf.

  • Neues Konto eröffnen: Wenn ein bisheriger Schweizer Bankkunde in Österreich ein neues Konto eröffnet, müssen demnach bei den Banken schon die Alarmglocken läuten. Allein durch die Tatsache, dass es jetzt ein Steuerabkommen gibt, seien Überweisungen aus der Schweiz anders zu bewerten als in der Vergangenheit. "Nimmt die österreichische Bank die Mittel vor diesem Hintergrund entgegen, muss ihr wohl bewusst sein, dass dies zu einer Bestärkung des Tatentschlusses des österreichischen Anlegers geeignet ist." Daher sollten die Banken Nachweise verlangen, dass die Gelder korrekt versteuert wurden, wird empfohlen. Die bloße Zusage des Kunden ist dafür "nicht ausreichend". "Sofern der Kunde den Nachweis der Versteuerung nicht erbringt, ist von einer Kontoeröffnung und Entgegennahme der Mittel Abstand zu nehmen." An anderer Stelle heißt es: Wegen des neuen Steuerabkommens könne sich der Bankmitarbeiter in der Regel "einer möglichen strafrechtlichen Verantwortung nicht dadurch entziehen, dass er die Frage nach der Versteuerung nicht stellt!"
  • Konto bereits vorhanden: Wird das Schweizer Geld auf ein bereits bestehendes Konto in Österreich überwiesen, müssen zwar grundsätzlich keine Steuerunterlagen verlangt werden. Aber: Bei größeren Beträgen müsse davon ausgegangen werden, dass "regelmäßig Kontakt mit der Zielbank aufgenommen wird", wodurch wiederum eine "gesteigerte Indizienlage vorliegt" und erst recht wieder das Risiko eines strafbaren Tatbeitrages vorliege, so das Gutachten.
  • Bartransfer: Noch klarer ist die Lage, wenn jemand größere Barbeträge in Österreich einzahlen will. Das sei generell als "unübliche Vorgangsweise" anzusehen, "die ihre Ursache in der geplanten Steuerhinterziehungen hat". (Günther Oswald, DER STANDARD; 14.7.2012)
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kann doch ganz leicht verhindert werden:

die banken werden verpflichtet jeglichen transfer aus der schweiz an das finanzamt zu melden.
der kontoeigentümer hat dan die rechtsmässigkeit der versteuerung zu beweisen.

wen nicht zahlt er die gesetzmässig vorgesehenen strafen sowie die vorgesehene steuer bzw wird angeklagt!!!!

warum macht man nicht endlich Nägel mit Köpfen

...und schließt die Steueroasen? Das geht nicht? Das geht wenn man will, indem man:

1. Aufheben des Bankgeheimnisses.

2. Austrocknen der Steueroasen durch entziehen der Konzession jener Banken die "Geschäfte" mit Steueroasen unterhalten.

3. Teilung der Banken in Geschäfts- und Investitionsbanken und nur Geschäftsbanken erhalten Sicherheiten vom Staat = Steuerzahler. "Investoren" müssen ihr Risiko ein für allemal ALLEINE tragen.

4. Besteuerung aller Börsen-Transaktionen, genauso wie jeder bei jedem Einkauf jeder MWSt. zahlen muss.

5. Geld der EZB direkt an die Staaten zum gleichen Zinssatz (0,75%) wie private Banken Geld bekommen und nicht über den Umweg privater Banken zu hohen Zinsen, damit Reiche ihr "Geld arbeiten" lassen können

Ganz was Neues!????

Stellen wir uns alle blöd , oder sind wir's?
Was im Schweizer Bankensektor schon vor aund auch während der Nazi Zeit abgelaufen ist, hat offensichtlich den Weg für die Zukunft eines der reichsten Länder der Welt geebnet.
Wer glaubt die saubere Schweiz macht jetzt irgendwas Unsauberes - ist meiner Meinung nach - durchaus im Recht.

Was hat das jetzt mit dem Artikel zu tun? Da geht's um österreichische Banken nicht um Schweizer.

"parasitärer Kleinstaat"

Die Schweiz richtet in anderen europäischen u. außereuropäischen Staaten gewaltige Schäden an. Wenn anderswo die Mittel fehlen, um bspw. für ein Funktionieren des Gesundheitswesens zu sorgen, infolge dessen Menschen sterben müssen, die man retten könnte, dann deswegen, weil die Schweiz diese Gelder in ihren Banktressoren hortet. Gelder aus bandenmäßig organisierter Hinterziehungskriminalität. Auch finden sich in der Schweiz veruntreute Gelder aus der Entwicklungshilfe, weshalb anderswo Menschen im Elend leben.

Wie soll man diesen Staat charakterisieren? Bitte um möglichst treffliche und derbe Vorschläge!

Was mir zu dem "parasitären Kleinstaat" (CopyRight - dt. Steuerfahndung) so einfällt, würde ZensorIn übermäßig reizen.

Na wäre ein Schwarzgeldbetrug von der Schweiz hinaus was neues. Bitte wenn das noch wundert, gibt es nicht!

steuerberater ist gierig auf selbstanzeigen

Klar, dass die Kanzlei Leitner & Leitner hier Panik verbreiten möchte. Die wollen nämlich wahrscheinlich wieder saftige Honorare kassieren, wenn sie die Steuerheimkehrer zur Selbstanzeige drängen. Ein paar Belege aufbereiten, ein paar Berechnungen...und schon sind ein paar Tausend Euro Honorar für Leitner & Leitner drinnen. Der Bankenverband ist beknackt, wenn er sich von solchen Leuten Expertisen lässt. Die Finanzministerin wird froh sein, in Hinkunft Steuern von den Heimkehrern zu kassieren - mit derartiger Panikmache werden Bankangestellte kriminalisiert, und manche werden sich die Heimkehr vielleicht doch noch überlegen und ihr Geld auf die Cayman Inseln verschieben. Das hat der Fiskus dann Leitner/Leitner zu verdanken.

Sie sind sich aber schon dessen bewusst, daß Sie mit Ihrer Relativierung ev. Rechtsfolgen die Bankbediensteten zum Gesetzesbruch zumindest ermutigen. Es gibt da nämlich eine Anzeigepflicht und wer darauf vergißt macht sich strafbar.

Was wenn die Finanz zufällig auf das Schwarzgeld stößt, den Geldfluss zurück verfolgt und es gibt da keine Anzeige? Dann steht als nächstes der Bankbedienstete vor dem Strafrichter. Und wird sich rechtfertigen, er hätte beim User karl steindorfer gelesen, das alles sei doch nur Panikmache.

Aber in der Sache haben Sie wahrscheinlich sogar recht. Österreich wird de facto von der Bankenwirtschaft regiert. Weshalb wir ja auch das Schwarzgeldabkommen mit der Schweiz haben und keine Steuerdaten-CDs ankaufen.

Alle Geldtransfers aus der Schweiz unter Schwarzgeldverdacht
Na dazu braucht es keiner Experitise.
Was soll es sonst sein.
Die Erde ist nun mal rund auch wenn unsere Schottermitzi immer noch glaubt sie sei eine Scheibe.

es gibt auch leute, die geschäfte machen mit der schweiz. wenn da jetzt bei jeder überweisung der betrag (angenommen) 1 - 2 wochen eingefroren wird, na gute nacht! + zusätzlicher aufwand, jeweils der bank zu beweisen, daß ein geschäft zu grunde liegt + geht die bank eigentlich meine geschäftsgebahrung überhaupt nichts an!!

Wäre gar nicht so übel, weil vielleicht macht dann keiner mehr Geschäfte mit dem "parasitären Kleinstaat" (sic., dt Steuerfahndung).

Ab welcher Steuerbelastung, Inflation und welcher Staatsverschuldung werden die Steuerzahlfanatiker hier eigentlich aus Ihren sozialistischen Träumen aufwachen ?

Mittels welcher Hirnchemie schreiben sie solche Postings ?

einer intakten wahrscheinlich

Seems legit

es fällt schwer
aber ohne Beweis

Ich freu mich schon auf die Ermittler

Ich habe einige Jahre in der Schweiz gearbeitet und dort Steuern gezahlt. Jetzt - zurück in Österreich - will ich das Geld holen, weil die Schweizer hohe Gebühren auf Konten von Ausländern einheben.

Wer hat eine Idee wie ich das am geschicktesten mache. Ich weiss - ich habe nichts zu befürchten - aber ich habe keine Lust mich rechtfertigen zu müssen.

Kindskopf

ueberweis es einfach

Sondern?

die frage lässt sich leicht beantworten: verwenden sie für ihre antworten stets den "antworten" button!

Sie tun mir leid, armer Irrer,

Wie kommen sie dazu mir zu unterstellen, dass ich nicht mehr als genug arbeite.

Ich hab allerdings genau null Problem damit Steuern zu zahlen!

Sie "arbeiten" vermutlich im öffentlich Dienst ... und damit glauben Sie - wie fast alle Beamten - fest daren sie würden auch Steuern zahlen. Schliesslich ist auch ein Steueranteil auf Ihrem Lohnzettel ausgewiesen.

Das ist allerdings - und das wissen Sie in Wahrheit auch - eine Illusion, da ihr Nettogehalt ja aus dem Ihnen zugewiesenen anteil an der öffentlichen Diebesbeute (Steuern) besteht.

Und konsequenterweise haben Sie daher natürlich kein Problem damit "auch" Steuern zu zahlen, da Sie den Umstand das diese Steuern letztlich Ihr Nettogehalt darstellen ja erkennen.

Nehmen wir an alle Steuer- und Transferzahlungen würden eingestellt - wenn ihnen danach mehr geld übrig bleibt dann, und nur dann, zahlen Sie Steuern.

Steuern sind Diebstahl!

Steuersätze wie 40% oder noch höher kann man schon als Diebstahl bezahlen, man sollte max. 10% akzeptieren / bezahlen und was drüber ist verweigern.

Wenn bei Ihnen eingebrochen wird, dann rufen Sie ja hoffentlich nicht die Polizei. Und wenn Sie im Suff über die Stiegen fliegen und sich dabei den Schädel kräftig einhauen, den Fuß knacksen, dann belästigen Sie konsequenter Weise nicht die Rettung. Haben Sie ja alles nicht mitfinanziert!

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