Ermittlungen in Causa Siemens im Endspurt

Renate Graber
13. Juli 2012, 17:35

Die Korruptionsstaatsanwaltschaft, die wegen des Verdachts der Untreue und Bestechung ermittelt, erwartet für Herbst die Abschlussberichte

Wien - Die Causa Siemens Österreich soll noch heuer erledigt werden. Die Korruptionsstaatsanwaltschaft, die wegen des Verdachts der Untreue und Bestechung gegen vier (Ex-)Siemens-Österreich-Mitarbeiter ermittelt, erwartet für Herbst die Abschlussberichte von Polizei und Finanz. Die Manager stehen unter dem Verdacht, von 2000 bis 2007 in Südosteuropa rund 50 Millionen Euro an Schmiergeldern verteilt zu haben. Zunächst standen dabei Bulgarien-Geschäfte im Mittelpunkt, im Lauf der Ermittlungen kamen etliche weitere Länder dazu.

Die Zahlungen sind laut Staatsanwaltschaft ausschließlich dazu gut gewesen, "ausländische Amtsträger günstig zu stimmen". Einen Teil des Geldes, der dafür verwendet wurde, sollen die Mitarbeiter vom sogenannten Cash-Desk in München gleich in bar abgeholt haben. Den übrigen, sehr verworrenen und im Kreis laufenden Geldflüssen sind die Ermittler in den vergangenen Jahren und Monaten nachgegangen - sie haben dafür 15 Rechtshilfeersuchen in sechs europäischen Ländern gestellt. Darunter natürlich auch in Liechtenstein und Zypern; dort waren die Wiener Staatsanwälte auch bei Zeugen-Einvernahmen dabei. Den Rechtshilfeersuchen wurde inzwischen nachgekommen - nur jenes aus der Schweiz ist noch nicht erledigt.

Der Akt, der die österreichische Justiz schon seit 2008 beschäftigt, hat es zu einiger Größe gebracht (25 Kisten), noch heuer ist mit ersten Anklagen zu rechnen, hört man aus Juristenkreisen. Zum Untreue- und Bestechungsverdacht ist der Verdacht auf Steuerhinterziehung gekommen: Die Großbetriebsprüfung hat Siemens unter die Lupe genommen, man vermutet unter anderem, dass rund um die Deals Scheinrechnungen gelegt worden sind. (Renate Graber, DER STANDARD; 14.7.2012)

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8 Postings
Koinzidenzen ?

im Wirtschaftsressort lese ich heute von 3 Firmen (Zellinger, Fuller Wels, Primetzhofer), die Konkurs machen, zugesperrt werden oder insolvent sind.
Siemens geht's bestens, vielleicht die Fruechte von Bestechung und Korruption ?

Weltkonzern halt !

In anderen Konzernen läuft es auch nicht anders ab ! Wer den Deal machen will muss halt manchmal eine gewisse "Kundenzuwendung" performen.
Blöd für Siemens ist halt, dass die Sache so negativ aufgefallen ist, das ist auch eine Art Wettbewerbsnachteil - moralisch geht es natürlich in die richtige Richtung ;-)

In Wien muss ja auch viel Geld geflossen sein,...

..anders ist es nicht zu erklären, dass die Stadt Wien hunderte Garnituren dieser beschi ssenen Siemens-Straßenbahn bestellt hat!

Als ob die alten Kübeln besser wären !

Aber sicher doch, die E2 (Bj bis 1990) werden so manchen ULF überleben!

Ich bin kein Siemens Freund, aber wir sollten langsam die Kirche im Dorf lassen.

Es ist noch gar nicht so lange her, da durfte man diese "Schmiergelder" von der Steuer absetzten. Klar, es haben immer 2 dazugehört - einer der gibt und einer der nimmt.
Aber konnte man - vor allem im alten Ostblock - überhaupt grössere Geschäfte machen ohne zu bezahlen? NEIN.
Viele vergessen dass daran unzählige Arbeitsplätze hingen und noch hängen.
Keine Zuwendungen - kein Geschäft.
Wie man in der letzten Zeit sieht hat man das bei verschiedenen Personen in Österreich auch verstanden und kräftig mitkassiert.
Aber - wenn, dann ist es verwerflich für den NEHMER, der Geber will ja nur SEIN Geschäft machen und die Produktion auslasten.

unser Gitterl Ederer

...fällt das nicht unter die Amtszeit unserer Gitterl ???
...da könnten böse Menschen den Austieg nach München ja fast als Flucht interpretieren???

"Ermittlungen in Causa Siemens im Endspurt"

komisch, früher hat das "auf der Zielgeraden" geheissen...

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