Manaf Tlass' wertvolle Mitbringsel aus Syrien

Analyse |
  • Manaf Tlass im Februar 2011. Vor einer Woche hat er Syrien verlassen, ersten Berichten nach ist er in Paris.
    foto: reuters/handout

    Manaf Tlass im Februar 2011. Vor einer Woche hat er Syrien verlassen, ersten Berichten nach ist er in Paris.

Prominenter Brigadegeneral nach Absprung noch nicht wieder aufgetaucht

Damaskus/Paris/Wien - Wenn nicht von Zeit zu Zeit eine indirekte Bestätigung durch den französischen Außenminister Laurent Fabius käme, dann könnte man beinahe glauben, dass die Nachricht ein Spin der syrischen Opposition war: Manaf Tlass, der abgesprungene syrische Elitetruppen-Brigadegeneral, ist wie vom Erdboden verschwunden, weg aus Syrien, nirgendwo angekommen. Aber Tlass stehe mit den Regimegegnern in Kontakt, sagte Fabius am Donnerstag. Ob Tlass jedoch in Paris ist, wie zuvor vermeldet wurde, dazu wird nichts mehr gesagt.

Wobei vor Tlass' Tür, wo auch immer er sich aufhält, dennoch die Besucher Schlange stehen dürften - falls denn sein Abschied von Damaskus ein echter Seitenwechsel ist, in dem Sinn, dass er nun auf den Sturz seines Jugendfreunds Bashar al-Assad hinarbeitet. Auch wenn der 1964 geborene zweite Sohn von Langzeitverteidigungsminister Mustafa Tlass offenbar seit einiger Zeit marginalisiert war und nach einigen Berichten sogar die Uniform abgelegt - und sich einen Bart zugelegt - hatte, bringt er doch ein enormes Wissen über Syriens Sicherheitsapparat und über militärische Installationen mit. Dafür dürften sich viele Geheimdienste interessieren.

Verlor Vertrauen von Assad

Wie Tlass' Absprung einzuschätzen ist, darüber scheiden sich auch in der syrischen Opposition die Geister. Es dürfte stimmen, dass er Assads einzigen Zugang zum Aufstand - die Gewaltlösung - nicht mittragen wollte, auch weil seine Heimatstadt, Rastan, einer der Schauplätze der Repression war. Er bot seine Vermittlung an, scheiterte und verlor das Vertrauen von Assad.

Das muss aber nicht bedeuten, dass der als Salonlöwe bekannte Tlass bereit ist, am Regimesturz mitzuarbeiten. Vielleicht will er nur Privatier sein, reich genug ist seine Familie zweifellos. Sein Vater war 30 Jahre lang Verteidigungsminister: beste Pfründe.

Für manche Oppositionelle, wie Michel Kilo, der noch immer für eine ausgehandelte Lösung eintritt, wäre Tlass jedoch eine Alternative zu Assad: Der Annan-Plan sucht ja eine Kompromissfigur. Andere Oppositionelle lehnen das wegen Tlass' Geschichte vehement ab, einige fürchten einen Trick: Manaf Tlass könnte, wenn er in Syrien als Übergangspräsident installiert werden sollte, gewissermaßen das Regime in die Zukunft retten. Er ist der Mann, mit dem Iraner und Russen leben könnten.

Die Politologin Sharmine Narwani macht darauf aufmerksam, dass der junge Tlass bis vor kurzem sogar noch Verteidigungsminister oder zumindest zum vollen General befördert werden wollte - und eher aus Frust, weil seine Karriere stockte und sein Ansehen in der Armee sank, ins Ausland ging. Dem Regime in Damaskus sei das mehr oder weniger egal, dass Tlass weg sei, so Narwani. Diese Einschätzung lässt jedoch den symbolischen Aspekt - und die Politik der Symbole ist wichtig - des Absprungs außer Acht: Wenn sich die Tlass-Familie von Bashar al-Assad distanziert, wird damit auch ein Stück syrischer Geschichte, die zu Assads Rechtfertigungsdiskurs gehört, abgeschnitten.

Die ganze Familie rückt ab

Mustafa Tlass war einer der engsten, wenn nicht der engste, Weggefährte von Hafiz al-Assad schon vor der Machtergreifung 1970. Der alte Tlass, der mit im Jahr 2000 seinem Vater nachgefolgten Bashar oft uneins gewesen sein soll - wobei Tlass die Hardliner-Rolle innehatte -, hält sich seit dem Ausbruch des Aufstands in Syrien nur noch in Paris auf, offiziell aus gesundheitlichen Gründen. Dort lebt auch eine seiner Töchter, eine Milliardärswitwe, auf großem Fuß. Sohn Firas, ein Geschäftsmann, hat ebenfalls Syrien den Rücken gekehrt.

Ein anderer Tlass - Abdulrazzak, ein Cousin von Manaf - ist sogar Kommandant in der Free Syrian Army, er führt das Al-Faruk-Bataillon. Der Bataillonsname ist ein deutlicher Hinweis auf die konfessionellen Aspekte des Konflikts: Al-Faruk (der Hellsichtige) ist der Beiname des Kalifen Omar, der bei Schiiten und Alawiten gleichermaßen verhasst ist. Die Tlass sind Sunniten. (Gudrun Harrer/DER STANDARD Printausgabe, 14.7.2012)

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Gut möglich, dass die erstaunliche Eroberung der Garnisionsstadt Rastan durch die Rebellen eine Armeerebellion ist ... mit Tlas als einem der Drahtzeiher.

Das kann viel. aber auch wenig bedeuten.

... Manaf Tlass ... ein "Neckermanngeneral"...

... leicht zu steuern ... ohne erwähnenswerte militärische Kompetenz...

... Topbesetzung für ein Syrien nach Assad...

Dieser nette Dressmann verlor sein Kommando bereits im Mai 2011…

…Was natürlich die Bemerkung der "Politologin" ob dieses "wollte bis vor kurzem" irgendwas in Syrien werden, in ein klein wenig anderes Licht rückt, als beim ersten Lesen des Artikels ersichtlich ist.

http://derstandard.at/plink/134... 2/26948641

Was hier viele auch nicht zu wissen scheinen, sind die langjährigen Verbindungen der Tlass-Familie zu rechtsextrmen, französischen Kreisen, wie etwa Frédéric Chatillon - der Gründer der InfoSyrie-Site (GUD) und enger Freund von Jean-Marie Le Pen.

Der Armin Assinger hätte lieber bei seinen Anzügen bleiben sollen, die Uniform steht ihm nicht besonders gut.

Der General und der Kommunist sind sich so fern, wie zwei Syrer sich nur sein können - und zugleich so nah, wie sich zwei aus ihrer Generation nur kommen können: Turk und Tlass sind Klassenkameraden. Gemeinsam besuchten sie die Haschimija-Schule in Homs, 150 Kilometer nördlich von Damaskus. "Er war ein Sturkopf und fanatischer Kommunist und immer ein aufrechter Kerl", erinnert sich Tlass an Turk. Umgekehrt weiß Turk noch wie gestern: "Mustafa wollte bei den Demonstrationen immer der Anführer sein, und alles, was er erreicht hat, hat er schon damals nur erreicht durch Unterdrückung und Stärke.

http://www.spiegel.de/spiegel/p... 47054.html

danke für diesen link zum spiegel-artikel aus 2005

ein herzensguter mensch, dieser mustafa tlass, deswegen ist (war) er auch so eng mit der assad-familie verbunden!

zitat aus dem artikel:

"Wie viele Todesurteile er persönlich unterzeichnet hat, weiß Tlass heute nicht mehr genau zu sagen. Es müssen Tausende gewesen sein. Er spricht leise, wenn er erläutert, warum all diese Grausamkeiten unvermeidlich gewesen seien. Ja, auch die vielen Gehenkten - manchmal, in den achtziger Jahren, waren es 150 in einer einzigen Woche, und das allein in Damaskus."

The influential Syrian general who could bear Assad no more

http://www.guardian.co.uk/world/201... sfeed=true

unglaublich wie michel kilo seine ansprueche schon hinunter schraubt.

"Aus der Sicht des amerikanischen Präsidenten hat der Assad-Clan ein verabscheuungswürdiges Regime errichtet. Auch der junge Herrscher zeigt wenig Reformwillen. Die wirklich Mächtigen lassen ihm keinen Raum."
Das Einmaleins der Diktatur/2005
http://www.spiegel.de/spiegel/p... 47054.html

"Wir haben uns die Macht mit Waffen genommen, und wir wollten sie behalten. Wer sie haben will, der muss sie uns mit Waffen nehmen"

geschieht bereits herr ex-verteidigunsminister!

hab gar nicht gewusst

dass armin veh ein general ist...erklärt aber einiges

Möglicherweise ist er wirklich eine Chance diesen Konflikt zu beenden

Wie man in Afghanistan und Libyen sieht sind Leute ohne ausreichende politische Hausmacht (Karzai, NTC) dazu nicht in der Lage. Die Hausmacht hätte er wohl, ob auch die Vernunft?

Auch wenn der 1964 geborene zweite Sohn von Langzeitverteidigungsminister Mustafa Tlass offenbar seit einiger Zeit marginalisiert war und nach einigen Berichten sogar die Uniform abgelegt - und sich einen Bart zugelegt hatte.....

Es hört sich fast so an, als ob er sich einer radikal islamistischen Gruppe angeschlossen hätte.
Und solche Leute will der Westen fördern ?
Ach ja - Osama Bin Laden wurde ja auch ursprünglich von CIA ausgebildet und mit Waffen ausgerüstet....

Nein,

Osama bin Laden wurde nicht von der CIA ausgebildet. Sie meinen wohl eher die Taliban - die wurden auch nicht von der CIA ausgebildet und haben einen Teil der Militaerhilfe der Amerikaner erhalten, aber auf Betreiben des ISI, gegen den Widerstand der CIA, die die Taliban schon damals fuer gefaehrlich hielten (aber damals aus politischen wie logistischen Gruenden nicht direkt in den Buergerkrieg eingreifen konnten und daher keine Wahl hatten, als einen Teil der von ihnen finanzierten Waffen in die Sammlung der Taliban fliessen zu sehen).

Also: Al Kaida ist nicht gleich Taliban. Gerade von einem USA-Hasser wuerde man erwarten, dass er wenigstens *das* weiss..

Hörens auf mit den Gschichtaln. Die afghanischen Mudschaheddin wurden von den USA unterstützt. Die Möchtegern-Helden um Osama bin Laden stellten niemals mehr als 3000 Kämpfer und verloren eine Schlacht nach der anderen,

die afghanischen Mudschaheddin nahmen Osama nicht Ernst. Er selbst blieb Kämpfen meist "krankheitsbedingt" fern. Erst nach dem Abzug der Sowjets konnte Osama mit viel Geld sich einen Machteinfluß in Afghanistan verschaffen. Osamas Familie stand im guten Kontakt mit den USA, aber die hat ih,m schon vor langer Zeit den Rücken zugekehrt.

Den einzigen US-Aufenthalt dem man ihm nachweisen kann war 1979 in Indiana wo er Abdallah Yusuf Azzam traf, ein palästinensischer Theloge und dann Mentor von Osama. Erst 1984 besuchte Osama das erste Mal Afghanistan, die angeblichen Reisen davor sind erlogen. Erst ab 1987 organisierte er Kämpfe in Afghanistan, die unbedeutend waren. 1988 wurde al-Qaida gegründet und da war die USA schon der Feind.

berühmte terroristen mit bart sind mitunter abraham lincoln, gandalf, bud spencer ...

die liste ist schier unerschöpflich.

Vielleicht ist er auch Tiroler Berbauer geworden, die haben auch so komische Bärte.

Bart bedeutet Islamist, völlig klar
http://www.google.at/imgres?q=... UBg&zoom=1

und hier am bild zu sehen

islamismus gepaart mit piratismus:

http://stageshottz.com/wp-conten... 0zztop.jpg

erster gedanke zu dem bild: was macht denn der dorfer in uniform?

du meinst wohl eher Armin Veh

auch da ist eine gewisse ähnlichkeit nicht abzustreiten, meine erste assoziation war trotzdem der dorfer :)

Ausschauen tut er ja,

als hätten's ihn für die Rolle gecastet.

Scheint irgendwie ein Kreuzritter in die Abstammungslinie gekommen zu sein

Danke für den gut geschriebenen Artikel

weiss nicht ob es zutrifft das "Ratten das sinkende Schiff verlassen" oder der Mann noch einen Funken Ehrgefühl besitzt das System Assads nicht mehr mitzutragen.Lange genug hat ers ja getan und an Geld scheint es den abgehauenen Syrern nicht zu mangeln...
Paris ist ja grade nicht billig. Lyb.Piloten und Politiker sind ja auch desertiert. Ich schätze Assad ähnlich fanatisch ein wie einen H. der auch bis zuletzt an seine Unbesiegbarkeit glaubte. Der arab.Frühling ist wohl eher zu einem Blutstrom verkommen der in Ägypten wohl bald weiter fliessen wird. Der radikale Islamismus bahnt sich wie ein Tsunami durch all die Länder, traurig so,auch die Frauenunterdrückung und die Intoleranz andersgläubigen gg.über.
Sehr ambivalent so, es wird dauern.

"Funken Ehrgefühl besitzt das System Assads nicht mehr mitzutragen"

Ehrgefühl....o jeh.
Der Mann ist Sunnit und weiss, dass Syrien wie alle anderen Länder auch radikal-sunnitisch werden wird (das ist ja der Sinn des Ganzen).
Da ist ein Verbleiben bei seinem halb-christlichen Spezi schlecht für Leben und Karriere.

Wenn eine romantisch begabte Journalistin sich in einen echten Helden verliebt und über ihn schreibt, dann müssen die Zeilen vor Nüchternheit nur so strotzen.

Es darf eine Fotografie des edlen Ritters (das schönste Porträt) ganz unabsichtlich über dem Text thronen.

Und dann und dann, ach, nein, wir bleiben sachlich.
Denn die Welt ist ungerecht und fern.

Entspricht dieser Artikel ihrer Vorstellung von Liebesbeweisen?

Nun, das erklärt den nick!

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