Krankschreibungen: Steinhart kritisiert Vorgehen der WGKK

13. Juli 2012, 17:10
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Aber: "Mystery-Shopping lassen wir juristisch prüfen"

Wien - Die in jüngster Vergangenheit nach "Mystery-Shopping" durch Kontrollorgane der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) als Scheinpatienten wegen angeblich nicht gerechtfertigter Krankschreibungen durch Vertragsärzte aufgeflammte Diskussion nahm am Freitag der Obmann der Bundeskurie der niedergelassenen Ärzte, Johannes Steinhart, zum Anlass, eine sachliche Analyse zu fordern. Gleichzeitig kritisierte er das Vorgehen der WGKK scharf: "Das ist einfach die falsche Methode. (...) Wir lassen dieses Mystery-Shopping anschauen, ob es juristisch zulässig ist."

Die Sache war zunächst ein Diskussionspunkt zwischen Wiener Ärztekammer und WGKK gewesen. Bei einigen wenigen Ärzten hätten sich Verdachtsmomente belegen lassen, hatte die Krankenkasse argumentiert und auf Erfahrungen von Scheinpatienten hingewiesen. In einem Schreiben an ihre Vertragsärzte vor einigen Tagen hatte die Wiener Gebietskrankenkasse allerdings darauf hingewiesen, dass die allermeisten Vertragspartner seriös und reell bei den Krankschreibungen vorgehen würden. In der Wiener Ärzteschaft hatte es heftige Kritik an dem Vorgehen der WGKK gegeben. "Wie kommen die Hausärzte dazu, neuen Patienten misstrauen zu müssen?" meinte in einem Hintergrundgespräch ein führender Wiener Kammervertreter.

WGKK mit Wiener Ärztekammer: Taskforce

Die WGKK und die Ärztekammer haben schon vor längerem eine "Task-Force" eingerichtet, um in diesem Gremium auf vertragspartnerschaftlicher Basis offene Problemfälle auszudiskutieren. Steinhart: "Das wurde auch getan. Wir legen aber allen Protest gegen die Methodik ein. (...) Man kann nicht einfach die Tausenden Kollegen 'anschütten'. Zuerst muss man sagen, dass 99,9 Prozent der Kollegen absolut korrekt arbeiten. (....) Wir lassen dieses Mystery-Shopping anschauen, ob das juristisch zulässig ist. Es ist etwas anderes, wenn man in irgendeinem Supermarkt einkaufen geht als wenn die Krankenkasse ihre Angestellten da unter Vorspieglung falscher Tatsachen in Arztordinationen schickt."

Aber alle möglichen Problemfälle sollte man laut Steinhart unter Wahrung der Größenordnung überprüfen - bei vier der Testpersonen war laut Medienberichten eine Krankschreibung durch die Ordinationshilfe erfolgt, drei erfolgten durch den Arzt. In Wien allein gibt es rund 1.600 Kassenärzte.

Vorgehen der WGKK "Stasi-Methode"

Am Freitag sprach sich die NÖ-Ärztekammer für die "Verlagerung der Administration der Krankmeldungen weg von den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten" aus, so eine Aussendung der Standesvertretung. "Ideal wäre, wenn die Sozialversicherungen selbst für die Entscheidung sorgen würden, ob ein Patient in den Krankenstand zu gehen hat oder nicht", meinte Dietmar Baumgartner, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte. Die Chefärzte sollten das übernehmen.

Für Steinhart ist das ein Vorschlag: "Wir können das durchaus diskutieren, wenn die niederösterreichische Ärztekammer diesen Vorschlag bringt. Aber das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Vorgehen der Wiener Gebietskrankenkasse ein Unfug ist." Das grenze an "Stasi-Methoden". Der Leiter der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit der Wirtschaftskammer Österreich, Martin Gleitsmann, sprach sich in einer Aussendung für den Vorschlag der NÖ-Ärztekammer aus.

Jedenfalls, Krankschreibungen sind vom behandelnden Arzt persönlich vorzunehmen, Rezepte von ihm zu unterzeichnen. An Beginn jedes Krankenstandes steht aber der Patient, der mit Beschwerden zum Arzt kommt.(APA, 13.7.2012)

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