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"Boot zu vermieten": Ein Mann sitzt an seinem Verleihstand auf der Insel Giglio, hinter ihm das Wrack der Costa Concordia.
Rom - Es sind herrenlose Gegenstände, die sich hier auftürmen: Schuhe, Jacken, Stühle, Koffer, Decken. In einem riesigen Magazin in Talamone sammelt die Staatsanwaltschft alles, was Taucher aus dem nahen Wrack der Costa Concordia bergen konnten. Sie gehören Passagieren, Besatzungsmitgliedern, der Reederei und haben eines gemeinsam: Niemand fordert das Treibgut der Katastrophe zurück.
Wenige Kilometer weiter nördlich liegt der mächtige Schiffsrumpf noch immer im tiefblauen Meer. Kräne und stählerne Plattformen umgeben das 300 Meter lange Wrack. Aus dem Rumpf des Schiffes ragt noch immer die große Klippe, die die stählerne Flanke auf einer Länge von 70 Metern aufgerissen hat. Der 140 Tonnen schwere Felsen soll in drei Teile zersägt und entfernt werden, um das Schiff aufrichten zu können. Für die Badegäste ist das berühmte Wrack bereits zum Alltag geworden.
Um die Hälfte weniger Urlauber auf Giglio
Die Zahl der Urlauber auf Giglio habe um die Hälfte abgenommen, klagt Bürgermeister Sergio Ortelli. Die meisten seien kamerabewehrte Tagestouristen, die Erinnerungsfotos des gestrandeten Kreuzfahrtschiffes schießen. Jede Annäherung an das Wrack ist verboten. Drei Taucher, die in nur 20 Meter Entfernung entdeckt wurden, müssen Geldbußen von 2500 Euro pro Kopf entrichten. Die Costa Concordia wird Tag und Nacht kontrolliert - die Safes des Kreuzfahrtschiffes liegen vor Giglio am Meeresgrund.
Genau ein halbes Jahr nach dem Unglück trafen am Freitag auf der Insel rund 70 Angehörige der 32 Opfer ein. Zwei werden noch vermisst, darunter der indische Kellner Russel Rebello. Sein Bruder wartet noch immer darauf, dass die Leiche geborgen wird. Seinen Arbeitsplatz in Mailand habe er deshalb verloren, sagt er.
Der Bischof von Pitigliano und Orbetello sollte eine Gedenkmesse in der Kirche von San Lorenzo halten, in der nach dem Unglück viele Überlebende Aufnahme fanden. Weil viel mehr Menschen erwartet wurden, als in dem kleinen Gotteshaus Platz finden, sollte das Konzert auf Großleinwand im Dorf übertragen werden. Um 21.42 Uhr sollte der Dirigent für Mozarts Requiem seinen Taktstock erheben: Genau um diese Zeit vor sechs Monaten rammte die Costa Concordia die Felsen vor der Insel. Auch der 13. Jänner war ein Freitag. (mu, DER STANDARD, 14./15.7.2012)
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