Weinreform wurde zum Reförmchen

13. Juli 2012, 18:13
28 Postings

Die Modernisierung des Weinmarktes hat bei weitem nicht die Erfolge gezeigt, die man sich vom Einsatz von gut fünf Milliarden Euro erwarten könnte

Wien - Die mit gut fünf Milliarden Euro in den letzten Jahren von der EU-Kommission unterstützte Reform des europäischen Weinmarktes ist gründlich danebengegangen, belegt eine Untersuchung des EU-Rechnungshofes.

Die Rodungsprämien, für die 1,074 Milliarden Euro ausgegeben wurden, waren nämlich viel zu hoch angesetzt. Dadurch war das Interesse daran, Rodungen vorzunehmen, bei den Weinbauern hoch. Ein Run auf die Prämien setzte ein, die je nach Ertragskraft des Weingartens zwischen 1450 Euro und 12.300 Euro je Hektar ausmachen konnten. "Mit halb so hohen Prämien hätte man die doppelte Fläche aus der Weinproduktion nehmen können", kritisiert Harald Wögerbauer, österreichisches Mitglied beim EU-Rechnungshof bei der Österreich-Präsentation des Sonderberichts zum Weinmarkt. Trotzdem wurden die Rodungssätze - den Rechnungsprüfern unverständlich - nach dem ersten Jahr der Anwendung nochmals angehoben.

Rodung mit Milliardenstütze

Gerade mal 175.000 Hektar, rund fünf Prozent der europäischen Weinbaufläche, wurden mit der Milliardenstütze gerodet. Eine Sonderanalyse ergab, dass in der spanischen Region Kastilien-La Mancha, wo große Teile der Rodungskampagnen stattfanden, mit den Beihilfesätzen Gewinnspannen von 6,5 Jahren abgedeckt waren. Auch Weingüter, die ordentlich Ertrag abwarfen, wurden angesichts dieser Subvention dem Erdboden gleichgemacht.

Gleichzeitig wurde der zweite, größere Teil der EU-Subventionsgelder von 4,2 Milliarden Euro dafür bereitgestellt, dass Rebflächen und Kellereien erneuert und verbessert werden konnten. Auch österreichische Winzer machten von diesem Programm Gebrauch und erhielten dafür in den letzten Jahren 57 Millionen Euro aus Brüssel. Mit diesen Geldern wurde ein Investitionsschub von 200 Millionen Euro ausgelöst, erläutert Josef Pleil vom österreichischen Weinbauverband.

Naturgemäß führte der subventionierte Reformmix aus hoher Rodungsprämie samt Qualitätssteigerungsprogramm nicht dazu, dass die Weinerzeugung in der EU weniger wurde. Die Weinproduktion von gut 185 Millionen Hektolitern (2006/07) ging nur um geschätzte 10,2 Millionen Hektoliter zurück. Die teure, häufig sinnlose Überschussverwertung mit Lagerhaltung und Destillierung für die chemische Industrie oder für den Biosprit dürfte nicht der Vergangenheit angehören. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD; 14.7.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Trotz teurer Reformen des Weinmarktes in der EU wurden die Überschüsse nicht weniger.

Share if you care.