Was menschliche Nervenstammzellen denen von Mäusen voraus haben

16. Juli 2012, 12:19
2 Postings

Deutsche Forscher stoßen auf mögliche Grundlage der evolutionären Expansion der Großhirnrinde

Dresden/Leipzig - Die Großhirnrinde ist der Teil des Säugetier-Gehirns, der für höhere kognitive Leistungen verantwortlich ist. Sie weist bei verschiedenen Spezies - relativ zur jeweiligen Körpergröße betrachtet - drastische Größenunterschiede auf. So ist die Großhirnrinde der Maus relativ klein und ungefaltet, während die Großhirnrinde des Menschen um ein Vielfaches größer ist und nur gefaltet in die Schädelhöhle passt.

Diese Größenunterschiede sind das Ergebnis der höchst unterschiedlichen Aktivität von Nervenstammzellen, also jener Zellen, die die Nervenzellen unseres Gehirns produzieren. So durchlaufen die Nervenstammzellen in der sich entwickelnden Großhirnrinde des Menschen deutlich mehr Zellteilungen als die der Maus, und produzieren entsprechend sehr viel mehr Nervenzellen. 

Der Nährboden

Dieser Fähigkeit zur wiederholten Zellteilung sind Forscher um Wieland Huttner vom Dresdner Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik und um Svante Pääbo vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie nachgegangen. Ihre Erkenntnisse über die in den Nervenstammzellen der fötalen menschlichen Großhirnrinde aktiven Gene präsentierten sie in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS).

Frühere Arbeiten hatten nahegelegt, dass die sogenannte Extrazellulärmatrix, die quasi eine Art Nährboden für Zellen darstellt, auch für die Fähigkeit zur wiederholten Zellteilung von Nervenstammzellen von zentraler Bedeutung ist. Umso überraschender sind nun die aktuellen Erkenntnisse: Im Gegensatz zu den Nervenstammzellen der Maus, von denen nur ein Teil über einen langen Zellfortsatz Zugang zu diesem Nährboden hat, produzieren praktisch alle Nervenstammzellen des Menschen diesen Nährboden einfach lokal selbst und halten damit ihre Fähigkeit zur wiederholten Zellteilung aufrecht. Die menschlichen Nervenstammzellen stimulieren sich selbst: eine mögliche Grundlage der evolutionären Expansion der Großhirnrinde. (red, derStandard.at, 14. 7. 2012)

Share if you care.