Widerstand gegen Israels "Nationalsport"

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  • Strandtennis ist zwar Israels "Nationalsport", aber nicht jedermanns Sache.
    foto: derstandard.at/hackl

    Strandtennis ist zwar Israels "Nationalsport", aber nicht jedermanns Sache.

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    foto: derstandard.at/hackl

Wenn die Strände von Tel Aviv zum lärmenden Sportplatz werden

"Tik, Tak, Tik, Tak", und das stundenlang. Es ist ein endlos scheinendes Klopfen, das am späten Nachmittag die akustische Landschaft der Strände von Tel Aviv beherrscht. Einmal wird der Rhythmus schneller, einmal langsamer. Aber immer ist er da. Der Wind und das Meeresrauschen gehen dabei unter. Die Ursache des monotonen Lärms: Strandtennis. Oder Matkot, wie man das in Israel nennt. Obwohl es bei diesem einfachen Spiel ohne Netz und Linien keinen Gewinner gibt, ist es der inoffizielle Nationalsport des sonst sehr wettbewerbsfreudigen Israels.

Zwei Holzschläger, ein Ball, und zwei motivierte Spieler in Badebekleidung: Das ist alles, was man dazu braucht. Auf diese Art schlagen jeden Abend Tausende auf Israels Stränden den Ball hin und her. Das kommt nicht bei allem gut an. Denn wer gemütlich den Strand entlang spazieren will, muss gut auf sich aufpassen. Oder einen Helm tragen. Genau das machen die Filmemacher Tom Shinian und Liran Goldberg in "Matkot - The End", ein satirischer Kurzfilm der sich die israelische Strandtennis-Kultur mit viel Witz vornimmt. Das Ziel: die Matkot-Spieler ein für alle Mal vom Strand zu verbannen. Bislang jedoch mit wenig Erfolg.

Der Film lässt nicht nur begeisterte Spieler zu Wort kommen, sondern auch Opfer von Matkot-Unfällen, die über Verletzungen und ein durchaus gespanntes Verhältnis zum gefährlichen Spiel sprechen:

Matkot ist nicht nur Nationalsport, sondern manchmal auch Lebensinhalt. Das trifft auf Amnon Nissim zu, der seit mehr als 60 Jahren begeistert spielt und sich in Tel Aviv eine Art privates Matkot-Museum eingerichtet hat. Schon an die Außenwand seines Hauses sind dutzende Schläger genagelt. Drinnen stellt er um die 300 Schläger aus, manche davon aus Holz, andere aus Stein.

Der Ursprung von Matkot scheint bislang nicht ganz geklärt. Angeblich sei es mit jemenitischen Juden nach Israel gekommen. Und angeblich stamme das Wort Matkot von einer arabischen Bezeichnung für einen Kaffeezerstampfer ab. Das rhythmische Geräusch beim Kaffeestampfen soll die Namensgeber an das Klopfen der Matkotschläger erinnert haben.

Nachdem die israelischen Proteste für soziale Gerechtigkeit ebenso wie jene gegen die israelische Politik in den Palästinensergebieten auch weiterhin keine Massen mobilisieren, wäre eigentlich genug Platz für die Bewegung gegen Matkot vorhanden. Matkot -The End? (Andreas Hackl, derStandard.at, 13.7.2012)

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