Trafikanten fürchten um Glücksspielumsatz

13. Juli 2012, 14:34
  • Die derzeitigen Lotto-Anbieter befürchten Umsatzeinbrüche von mindestens 30 Prozent.
    foto: apa/fohringer

    Die derzeitigen Lotto-Anbieter befürchten Umsatzeinbrüche von mindestens 30 Prozent.

Die Lotterien wollen Kunden auch in Banken und Tankstellen zu ihrem Glück verhelfen, Trafikanten bangen um ihr Geschäft

Wien - Kein Glück im Spiel um die Lottomillionen haben derzeit die Trafikanten. Die Österreichische Lotterien GmbH, die zur Casinos Austria AG gehört, will die Zahl der aktuell rund 3.800 Annahmestellen bis Mitte 2013 auf rund 6.000 beträchtlich erhöhen. Etwa 2.200 Vertriebsstellen, die bisher nur Brieflose und Rubbellose verkaufen konnten, sollen nach und nach umgerüstet werden. "Das ist für uns existenzbedrohend", schlug der Obmann des Bundesgremiums der Tabaktrafikanten in der Wirtschaftskammer Österreich, Peter Trinkl, am Freitag in einer Pressekonferenz Alarm. Die derzeitigen Lotto-Anbieter befürchten "Umsatzeinbrüche von mindestens 30 Prozent".

Es gehe nicht nur um die Handelsspanne zwischen 5 und 9 Prozent, die dann für den Einzelnen weniger abzuwerfen drohe, sondern auch um die Kundenfrequenz an sich. "Jeder, der Lotto spielt, nimmt noch was mit", so Trinkl. Der Zusatzverkauf sei ein ganz wesentlicher Faktor. Die Lotteriengesellschaft wiederum erwartet sich von der Ausweitung des Glücksspielangebotes in Trafiken, Postämtern, Banken, Lebensmittelgeschäften und Tankstellen ein Umsatzplus von 10 Prozent.

Fürchten um die Lebensader

Besonders hart könnte es die knapp 200 reinen Lottotrafikanten in Österreich treffen, die ausschließlich Glücksspiele wie Lotto "6 aus 45", EuroMillionen, Toto & Co anbieten. "Jetzt soll uns wirklich die Lebensader gekappt werden", befürchtet etwa Lottokollektantin Helga Kreimel. Die Kollekturstellen gingen auf den Beginn der Lotterie im Jahr 1986 zurück. "Früher waren wir die Einzigen, die Lotto vertrieben haben." Mittlerweile bilden rund 2.400 Tabaktrafiken das Gros der etwa 3.800 Lotto-Annahmestellen. Hinzu kommen Postämter, Banken und Tankstellen.

Von den nun geplanten 2.200 zusätzlichen Annahmestellen sollen rund 925 auf Tankstellen, 500 auf Filialen der BAWAG P.S.K., 300 auf Trafiken und der Rest auf verbundene Tabakverkaufsstellen im Lebensmittelhandel entfallen.

Langsamere Vorgangsweise

Die Umstellung sei auch eine Frage des Tempos, betonte Trinkl, der sich eine langsamere Vorgangsweise wünscht. Tatsächlich haben die Trafikanten aber erst Mitte Juni von der Ausweitung des Lotto-Angebotes erfahren. Der Probebetrieb mit den ersten 50 zusätzlichen Online-Geräten startet bereits im Spätsommer.

Die Umstellungskosten von 2.500 Euro je Terminal wollen die Österreichischen Lotterien auf die Vertriebspartner überwälzen. Eine durchschnittliche Trafik erzielt - je nach Lage - einen Jahresumsatz zwischen 200.000 und 400.000 Euro - 30 bis 50 Prozent davon spielt das Lottogeschäft ein.

Dialog mit Lotterien

Die Trafikanten schließen Trinkl zufolge Streikmaßnahmen aus und suchen den Dialog mit den Lotterien. Erste Gespräche fanden diese Woche statt. Bis Ende August wünscht sich die Branche verbindliche Kriterien bei der Umstellung wie die Festlegung der maximal zumutbaren Umsatzeinbußen bzw. eine Mindestumsatzschwelle sowie Hilfsmaßnahmen für den Fall, dass die Umsätze massiv wegbrechen. Parallel dazu will sich die Branchenvertretung alle rechtlichen Möglichkeiten prüfen, die ihr zur Verfügung stehen. "Wir wollen bis Herbst eine Lösung finden", so der Obmann. (APA, 13.7.2012)

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Da gabs doch schon 2010 und davor eine (FPÖ) Diskussion:

... den Trafiken einen Fachhändlerstatus für Tabak und Glücksspielprodukte sichern ...
Sind die Trafikanten bisher illegale Vertreiber von legalen Glücksspielprodukten an Minderjährige?
js

Langfristig ein aussterbender Beruf -

Rauchen ist etwas für Ewiggestrige - Raucher sterben von selbst (früher) aus - COPD, Lungenkrebs - Kreislauferkrankungen - Trafikanten haben lange genug vom Leid und Tod der Familien gelebt! Dies wird hoffentlich ein Ende haben!

trafikanten sind orme hund. raucher werden weniger, die tschik kaufen sich viele über der grenze, gelesen wird weniger, allein das glückspiel wirft noch etwas ab. bei uns haben in der kleinstadt in den vergangenen fünf jahren drei von sechs trafiken zugesperrt

jeder unternehmer

ist für seinen umsatz selber verantwortlich!

das siehst bei den unterschiedlichen trafiken und angebote - manche verlassen sich nur auf den staat und ihr monopol, manche haben den zeitgeist der wirtschaftlichkeit (angebotsvielfalt) schon längst verstanden und brauchen sich über solche umstellungen keine gedanken machen!

als konsument ist mir ein all-in-one shop lieber!
dann brauche ich nicht soviel zeit zum einkaufen!

das ist definitiv eine unqualifizierte Äusserung. Bitte das Monopolgesetz lesen. TT's können NIE für ihren Umsatz selbst verantwortlich sein. Schon alleine wegen des Verbots von Eigenwerbung (!!!), staatlichen (!!!!!) Sortimentsbeschrenkungen (Trafikanten dürfen z.B. Bücher verkaufen, aber max. nur 10 (!!!!!!!) Titel ins Sortment aufnehmen). Trafiken dürfen NICHTS anbieten, von dem sie glauben, mehr Umsatz lukrieren zu können. Trafikanten sind wirtschaftliche Geiseln eines stalinistischen Wirtschaftssystems, genannt "Monopolverwaltung".

Lotto, Toto,... kann man alles online spielen.

Würde man wieder 100e Arbeitsplätze einsparen.

Aso, es geht da darum, dass alle arbeiten, immer mehr, immer länger,...

Man könnte ja auf Hufschmied umschulen.

Banken und die Lotterie

Es kommt zusammen was zusammen gehört.

lobbying?

scheint die handschrift von Hochegger&Meischberger&Co zu tragen, wieviele mille waren es wohl dermal? nach dem letzten UA würds mich aber auch nicht wundern, dass die obersten schwachköpfe der lotterien ernsthaft glauben, umsatz zu steigern, wobei sie kosten noch abwälzen, mal schauen wieviele andere schwachsinnige in österreich sich das maul wässrig machen lassen!

also ich finde banken gar nicht so schlecht....

"also da hätten wir mal einige wirklich interessante aktien....."

"ja und dann haben wir hier ein paar ausgezeichnete investmentfonds....."

"ah, sie sind etwas risikofreudiger, na dann hätten wir da termingeschäfte mit potential auf eine äußerst kreative performance...."

"ah so, sie haben da ehrer an kleinere investitionssummen gedacht, äh.... ahm, ja! da hätten wir einige ausgezeichnete produkte von einem österreichischen staatsunternehmen, im vergleich zu einer meinl aktie fast so sicher wie ein sparbuch.........................................."

"Die Lotterien wollen Kunden auch in Banken und Tankstellen zu ihrem Glück verhelfen...." (???!!!)

dass die "kunden" genauso viel "glück" wie ebendiese abbekommen??? nein danke. jetzt wirds lächerlich. welche "sicherheit" bietet mir noch eine bank??? im dynamitfachhandelgeschäft meines vertrauens werdens mir auch kein "pyrotechnisches gimmick-standl" erlauben, oder etwa doch?
vorstände von banken die sich sowas wünschen, gehören entmündigt. ebenso politiker, die sowas den banken "nahelegen"....

Wenn die Leute keine Deppensteuer mehr einzahlen würden, wirds echt eng für Trafikanten...

Deppensteuern ??

Rauchen, Toto, Lotto, Rubbellose - Trafikanten haben wahrscheinlich keine langfristige Zukunft mehr - ein aussterbender Beruf ....

Wo Sucht im Gift, dort ist immer ein Geschäft.

Im Speziellen floriert der Handel mit Tabakprodukten und Glückspiel trotz Online-Angeboten nach wie vor auch über so schmuddelige Läden ganz hervorragend.

tun sie sich nicht täuschen. trafiken genießen, apothekern gleich, einen gewissen schutz....

wahrscheinlich werden die apotheken eher das glücksspiel übernehmen...da kann man gleich ein paar pulverln mitverschreiben....wär nur gut für die allgemeinheit.

Ich weiderhole eine früher schon mal gestellte (unbeantwortete) Frage

Kennt jemand die Gewinnspanne des Trafikanten bei Zigaretten?

KEINE - im benachbarten EU-Land sind sie ja wesentlich billiger - Kauf 3 zum Preis von 2 ....

die armen trafikanten

das vertriebsmonopol fuer eine warengruppe ist nicht genug...

...ja, das wäre schon furchtbar für die trafikanten...

...ich hatte einmal eine greisslerei und die trafikanten sind auch in den supermarkt einkaufen gegangen.

Mhmm, ich kann mich erinnern, daß anläßlich der Abschaffung der unseligen und unsäglichen Kfz-Stempelmarken die Trafikanten auch gejammert haben...

...,

und genauso könnten sie ja auch gegen die Raucher-Einschränkungen in Restaurants usw. protestieren, weil dadurch weniger Zigaretten verkauft werden...

An kommt mir das Ganze wie ein Sturm im Wasserglas vor: V.a. auf dem Land sind doch schon lange Bankfilialen und Kaufhäuser und waren Postämter (die's freilich nicht mehr gibt...) Lottoannahmestellen gewesen.

Der Lotto-Umsatz selbst wird kaum steigen, außer vielleicht in den Gebieten, die bislang unterversorgt waren.

P.S. Am "besten" gefallen mir jene Rubbelloskäufer, die ihren Gewinn sofort wieder in Rubbellose umsetzen, bis sie endlich ihren Einsatz verloren haben.

Aber was soll's: Die Hoffnung stirbt zuletzt (und vorher stirbt der Spieler...).

...

Die unter PS angeführten bewundere ich auch. Könnten das Geld gleich sozialen Einrichtungen spenden und müssten sich nicht über die hohen Steuern aufregen.

67% mehr vertriebsstellen?

glaub deshalb werden die leute nicht mehr als bisher lotto-spielen; scheint so als wollten die österr. lot. gewaltsam ihre ostverluste wett-machen, was freilich in die hose gehen wird, die ruinieren nicht nur die trafikanten sondern wollen vermehrt dadurch zum spielen animieren, dauert nicht mehr lange, dann kann man auch im eissalon oder beim arzt vielleicht auch tipps abgeben

und dann dauert es wieder nicht lange, und man kann gar nirgendwo mehr so ein Laster pflegen, außer illegaler Weise in Hinterzimmern.

trafiken werden sowieso aussterben

zeitungen kauft fast niemand unter 60 und zigaretten auch nur eher die unteren sozialen schichten

und inwiefern soll es jetzt ein wirtschaftlicher nachteil sein, wenn man eine ware hat, auf die sich die "unteren schichten" stürzen?

weil man sich damit die große masse der bevölkerung als kunden sicher, oder wie?

(davon abgesehen, dass die aussage an sich absoluter unfug ist)

Richtig, aber die die im normalen Wettbewerb nie bestehen könnten wollen natürlich möglichst lange noch Subventionen und Monopolrenten abzocken.

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