"Mir gefällt die Idee, dass alle glauben, wir werden scheitern"

13. Juli 2012, 17:56
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Deutsche und Österreicher für Abofernsehen zu gewinnen gehört vermutlich zu den kniffligsten Aufgaben in der Karriere des Sky-Managers Gary Davey. Mit Harald Schmidt gelang ihm schon einmal ein aufsehenerregender Coup. Weitere könnten folgen

Wien - Das große Geschick des Fernsehmanagers Gary Davey ist sein Timing: Nur einen Monat, nachdem Sat.1 Harald Schmidt abservierte, packte der Sky-Programmchef die Gelegenheit und bot dem Entertainer den Senderwechsel an. Der ließ sich nicht lange bitten und bereitet einmal mehr ein glorioses Comeback vor. "Ich schätze, das war mein Verdienst", schmunzelt Davey über den Coup, der besser gar nicht laufen konnte: "Als wir uns das erste Mal trafen, waren wir sofort auf einer Linie. Harald Schmidt passt haargenau in unser Firmenprofil." Ab 4. September wieder dreimal pro Woche.

Als TV-Stratege gehört Gary Davey zu Rupert Murdochs treuesten Gefolgsleuten. Murdochs Lebensgefährtin Wendi Deng war bei ihm Praktikantin. Seit 30 Jahren ist der 58-jährige Australier für News Corp im Geschäft. Zum Unternehmen stieß er, als die Mediengruppe noch ausschließlich Zeitungen produzierte. Davey war Murdochs erster Fernsehmanager und erkannte, wo er gefragt war: Weil ihm der US-Markt noch zu wenig offen war, ging er nach Großbritannien und gründete aus einem kleinen Rundfunk-Konsortium das britische BSkyB. Heute macht der Abosender rund fünf Milliarden Euro Umsatz.

Knifflige Aufgabe

Vor einem Jahr holte ihn Sky-Deutschland-Chef Brian Sullivan. Deutsche und Österreicher fürs Abofernsehen zu gewinnen gehört vermutlich zu Daveys kniffligsten Aufgaben. 260.000 Österreicher haben Sky-Abos, 3,1 Millionen Deutsche. 2011 schrieb der Sender einen Verlust von etwa 280 Millionen Euro. "Die Begründung lautete immer, Abofernsehen kann in Deutschland und Österreich nicht funktionieren, weil freies Fernsehen zu gut ist", sagt Davey. Das sieht er anders: "Es ist gut, aber sicher nicht so sehr, dass wir keine Chance hätten." Mit der Digitalisierung ändern sich die Fernsehgewohnheiten rasant: Junges Publikum ließe sich nicht mehr vorschreiben, wann, wo und was es sehen will. Deshalb bespiele Sky sämtliche Plattformen. "Mir gefällt die Idee, dass alle glauben, wir werden scheitern", sagt Davey.

Weil er genau das nicht tun soll, kommt er mit vollen Taschen: Eben erwarb Sky um bis dato unerreichte 398 Millionen Euro pro Saison die Rechte an der deutschen Bundesliga. In zwei bis drei Jahren will er mit eigenproduzierten Serien antreten. Reality und Talenteshow seien passé. Kostspielige Dramaserien, wie sie in den USA Abosender wie HBO, AMC und Showtime produzieren, verspricht er in zwei bis drei Jahren.

Um in Österreich wirklich durchzustarten, bräuchte Davey vermutlich Ski-Übertragungen: "Das wäre aus verschiedenen Gründen ein großer Deal", signalisiert er Interesse. Zum richtigen Zeitpunkt bestimmt. (Doris Priesching, DER STANDARD, 14./15.7.2012)

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    Sky-Programmchef Gary Davey:"Das Endgerät ist für uns nebensächlich. Viel wichtiger sind Auswahlmöglichkeit, Komfort und Qualität".

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