Wiener Meteorit reist zu Kunstausstellung

13. Juli 2012, 14:11
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Bruchstück ist eigentlich nur Ersatz für einen 37 Tonnen schweren Brocken aus einem 5.000 Jahre alten Meteoritenfeld

Wien/Kassel - Ein Meteorit aus der Sammlung des Naturhistorischen Museums in Wien (NHM) wird zur documenta 13 nach Kassel gebracht. Auf Betreiben des Experimentalphysikers Anton Zeilinger, der bei der Kunstausstellung als Berater tätig ist und auch selbst physikalische Experimente ausstellt, wurde das seit 2004 im NHM befindliche Fragment des Campo del Cielo-Meteoritenfeldes an die documenta verliehen. 

Alte Legende bewahrheitete sich

Auf dem Campo del Cielo in der nordargentinischen Provinz Chaco hat man Stücke von Eisenmeteoriten in einem Gesamtausmaß von etwa 100 Tonnen gefunden. Der größte über die 26 Einschlagskrater verteilten Brocken ist der 37 Tonnen schwere "Chaco". Der Meteoritenschauer über Nordargentinien war vor etwa 5.000 Jahren niedergegangen. In Überlieferungen von Ureinwohnern wurde von "Eisen, das vom Himmel fiel" berichtet - allerdings schenkten die spanischen Eroberer der Region dieser Herkunft keinen Glauben.

... womit sie nicht allein waren. Um 1800 gab es Untersuchungen der Französischen Akademie, "die behaupteten, es gäbe keine Meteoriten, denn Steine könnten nicht vom Himmel fallen", berichtet Zeilinger. In Österreich habe man allerdings als erstes westliches Land mit der Sammlung der Meteoriten begonnen und die damals gängige wissenschaftliche Meinung ignoriert. Heute besitzt das Naturhistorische Museum mit 7.000 Stücken die größte und älteste Meteoritensammlung der Welt, die erst kürzlich um einen wertvollen Marsmeteoriten erweitert wurde. Ab 13. November wird diese im neu eröffneten Meteoritensaal des NHM zu sehen sein.

Ersatz-Stück

Eigentlich soll mit dem Meteoriten-Transport aus Wien ein gescheitertes documenta-Projekt zumindest ansatzweise nachgeholt werden: So hätte im Rahmen einer Arbeit der Künstler Guillermo Faivovich und Nicolas Goldberg der "Chaco" selbst vorübergehend in Kassel ausgestellt werden sollen. Der Transport des Riesenmeteoriten, der immer noch an seinem Einschlagsort liegt, wurde wegen Protesten von Repräsentanten der dortigen Ureinwohner allerdings nicht realisiert. Das deutlich kleinere, etwa handflächengroße "Wiener" Meteoritenstück bleibt bis zum Ende der Kunstschau am 16. September in Kassel. (APA/red, derStandard.at, 13. 7. 2012)

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