Handelsskandal kostet JP Morgan vier Milliarden

13. Juli 2012, 16:15
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Die milliardenschweren Fehlspekulationen Londoner Händler haben bei der US-Großbank ein tiefes Loch gerissen

New York - Die spektakulär verlorenen Finanzwetten haben ein tiefes Loch bei der US-Großbank JPMorgan Chase gerissen. Die ursprünglich auf 2 Mrd. Dollar veranschlagten Spekulationsverluste wuchsen im zweiten Quartal auf 4,4 Mrd. Dollar (3,6 Mrd. Euro) an. "Wir haben uns selbst ins Knie geschossen", sagte Bankchef Jamie Dimon am Freitag in New York. Er entschuldigte sich abermals bei seinen Aktionären und versicherte im gleichen Atemzug: "Es ist ein isoliertes Ereignis."

Londoner Händler der Bank waren riskante Wetten am Kapitalmarkt eingegangen. Doch die Geschäfte liefen derart schief, dass JPMorgan sich schon im Mai gezwungen sah, vor einem Spekulationsverlust zu warnen. Dimon hatte bereits damals gesagt, dass sich die Verluste noch ausweiten dürften. Und auch jetzt drohen weitere Verluste. "Das hat unser Unternehmen in seinen Grundfesten erschüttert", sagte Dimon, betonte aber: "Wir haben die Risiken deutlich reduziert." Die arg gebeutelte Aktie stieg vorbörslich um knapp zwei Prozent.

Unter dem Strich ein Gewinn

Trotz des Fehlschlags konnte Amerikas größte Bank im zweiten Quartal unterm Strich einen Gewinn von 5,0 Mrd. Dollar ausweisen. Das waren 9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Allerdings kamen der Wall-Street-Größe Bilanzierungseffekte zugute. Die Bank hatte auch weniger Probleme mit faulen Krediten und steckte weniger Geld in den Bonuspool für die Mitarbeiter. Überdies verbuchte sie einige Verluste rückwirkend noch im ersten Quartal. Ohne diese Sondereffekte wäre das Ergebnis viel stärker eingebrochen.

Die nachträgliche Korrektur der Erstquartalszahlen ist ein ungewöhnlicher Schritt. Der Gewinn zu Jahresbeginn sank dadurch unterm Strich um 459 Mio. Dollar. "Wir nehmen das nicht leicht", sagte Dimon. Die Bank begründete die Maßnahme damit, dass Händler damals angefallene Verluste möglicherweise verschleiert hätten. Die verantwortliche Sparte wurde komplett geschlossen. Die verantwortlichen Mitarbeiter mussten gehen. Die Bank verlangt nun Gehalt zurück.

Das Spekulationsdesaster ist ein Schlag in die Magengrube für Jamie Dimon, der bisher als Vorzeigebanker galt und seine Bank als Vorzeigeinstitut. Der Manager hatte sein Haus fast schadlos durch die Finanzkrise gesteuert. Nun musste er sich die Frage gefallen lassen, ob die Banker denn nichts aus den Fehlern gelernt hätten, die im Jahr 2008 in die Katastrophe geführt hatten.

Unpassender Zeitpunkt

Der Skandal kochte zur denkbar unpassendsten Zeit hoch, weil in Washington abschließend darüber beraten wird, den Finanzmarkt noch stärker zu regulieren. Dimon ist einer der schärfsten Kritiker neuer Vorschriften. Wegen der Spekulationsverluste musste er sich gleich zweimal vor Ausschüssen des US-Kongresses verantworten. Überdies lastet die Schuldenkrise in Europa und die lustlose US-Konjunktur auf dem Geschäft der Banken. Die Erträge - die gesamten Einnahmen von JPMorgan - sanken im zweiten Quartal um 16 Prozent auf 22,9 Mrd. Dollar. (Reuters, 13.7.2012)

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